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Militärdienstverweigerer in der Ukraine Alles – nur nicht in die Armee

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Unzumutbare Zustände in den Schlafunterkünften

Einer der bekanntesten Blogger ist Wjatscheslaw Pojesdnik. Auf Facebook berichtet er seinen Lesern von Ungeziefer in den Schlafunterkünften, fehlendem Besteck („Wir nehmen das harte Brot als Ersatz für Löffel und Gabel“) und stellt die Frage: „Wo gibt es in unserer Armee frisches Obst wie Kiwi oder Apfelsinen?“ Dazu postet er ein Foto, das die Pressestelle von Präsident Petro Poroschenko vor ein paar Tagen verschickte. Es zeigt den Präsidenten beim Essen mit Soldaten in einer Soldatenkantine in Lwiw.

Das Verteidigungsministerium hat trotz aller Kritik nun zu einer fünften Mobilisierungswelle aufgerufen, denn es fehlen noch zwischen 15.000 und 20.000 Mann, um die angepeilte Reserve in Höhe von 60.000 Soldaten zu erreichen. Auf der anderen Seite werden immer mehr Bevölkerungsgruppen von der Mobilisierungspflicht befreit. Diese Woche unterschrieb der Präsident ein Gesetz, das Studenten, Doktoranden und Fachleute, die bei internationalen Firmen arbeiten, erlaubt, der Ausbildung an der Waffe fernzubleiben.

Experten wie der renommierte Militärforscher Juri Butusow, kritisieren die politische Führung für den Umbau der ukrainischen Streitkräfte. In einem Beitrag in der Wochenzeitschrift „Zerkalo Nedeli“ schrieb Butusow vor einigen Wochen, die Menschen hätten kein Vertrauen in Politik und Militär, deshalb laufe die Mobilisierung so schlecht.

„Das Volk sieht nicht ein, wieso man sich für eine Handvoll Politiker, die gleichzeitig Oligarchen sind, an der Front erschießen lassen soll“, erläutert Butusow in dem vielbeachteten Artikel. Auch mit der Militärführung geht er hart ins Gericht. In der Armee gedeihe Korruption, es herrsche vielerorts Inkompetenz, und die Ausstattung sei größtenteils vor museumsreif. Nur mit ernstgemeinten Anstrengungen und mit erheblicher Unterstützung durch westliche Armeespezialisten könne der ukrainischen Armee ein Neuanfang gelingen. Butusow fordert: „Der Umbau muss an Haupt und Gliedern erfolgen, sonst bleibt das bestehende System erhalten.“

Dmitri interessieren solche Ratschläge nicht mehr. „In der Ukraine haben die Politiker seit mehr als 20 Jahren den Umbau versprochen, doch das Land ist immer weiter abgerutscht“, sagt der 22-Jährige und klingt verbittert. Er will nun in Italien ein neues Leben beginnen, denn er sei nur einmal jung: „Wenn ich jetzt nicht anfange, ist der Zug für mich abgefahren.“

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8 Kommentare zu "Militärdienstverweigerer in der Ukraine: Alles – nur nicht in die Armee"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • kann ich bestens verstehen; welcher normal denkende Mann lässt sich heute noch für bescheuerte Ideen irgendwelcher Politoberen verheizen? Und komm mir hier keiner mit "Vaterland".

    Genau: stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin !

    Und wer irgendwas verteidigen oder anzetteln will ... vom Schreibtisch aus ... kann sich ja an die Front schmeißen ...

  • >> In der Westukraine leben viele Menschen mit einem Schengen-Visum >>

    Und zweiten Pass in der Hosentasche, so wie die 200.000 Ungarn. Abstämmige aus Rumänien, Tschechien, Litauen, und vor allem Polen haben kein Problem in die EU zu kommen.

    Diese Volksminderheiten kämpfen auch zunehmend um die Abtrennung ihrer Regionen von der Ukraine.

    Vor allem sind die Polen sehr aktiv. Sie schüren auch am meisten den Konflikt in der Ukraine, unter Zuhilfenahme der Konrad-Adenauer-Stiftung aus Deutschland.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/05/03/mit-deutschen-steuergeldern-adenauer-stiftung-mischt-in-der-ukraine-kraeftig-mit/

  • Das ist Fiedenspolitik pur!

    Das wird den Kriegshetzern in EU und USA aber gar nicht passen. Schließlich wollen sie Waffen verkaufen. Und die USA ahben ein großes Interesse, den Konflikt am Kochen zu halten. Vielleicht wird ja doch noch was großes draus!

    Mein aufrichtiger Respekt gilt allen Verweigerern! So ist der Konflikt schnell beendet - die Zivilbevölkerung in den Speratistengebieten wird es ihnen danken!

  • Die Westukrainer sind doch die Proeuropäer, oder etwa nicht. Als Proeuropäer sind sie doch Antirussen im Unterschied zu den prorussischen ukrainischen Russen, oder etwa nicht? Diese Proeuropäer wollen nicht die Wehrpflicht in der ukrainischen Armee gegen die prorussischen Separatisten in der Ostukraine leisten. Sollte das den EU Politikern, der Nato oder/und den OSZE Kontrolleuren nicht zu denken geben? Zumindest die Wehrpflichtigen scheinen, den Versprechungen der demokratisch gewählten ukrainischen Regierung nicht zu trauen. Das ganze Gegenteil wollen die EU und Medien den Bürgern weismachen. Nur gelegentlich kommt dann doch ein Zipfelchen Realität zum Vorschein, oder?Das ist dann alles wohl auch Grund genug, dass man so gut wie nichts über den Zustand der ukrainischen Armee erfährt. Außer Waffen fehlen noch nur noch die Soldaten und die übrige Versorgung. Die Moral dieser Truppe ist so groß, dass bald die Separatisten besiegt sein werden. Bis dahin müssen wir in Europa noch nicht Millionen Arbeitsmigranten befürchten, weil die meisten in der Westukraine bereits in Rumänien und Polen arbeiten. 70 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung, schreibt Frau Jeglinski. Ein paar finden sich auch in Italien, Holland, Spanien und Deutschland.

  • Die wollen nicht für EU und USA kämpfen, daß versteh ich nicht.

  • Klasse, stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Vielleicht sollten Poroshenko und Jazenjuk einfach mit gutem Beispiel voran gehen und mit der Waffe in der Hand an die Front. Aber als Deutsche sollten wir uns wohl nicht zu sehr aufspielen. Auch bei uns haben die letzten Verteidigungsminister keinen Wehrdienst geleistet. Ich frage mich sowieso, welche unserer aktuellen Politiker dem Land bereits einen Dienst erwiesen haben, bevor sie zu vom Steuerzahler alimentierten Elementen wurden.

  • "Allein in Kiew entziehen sich 95 Prozent der Wehrfähigen dem Militärdienst."
    Wollt ihr fuer die Oligarchen sterben? NEIN!!!
    Hmmm, ich dachte die wuerden alle JA!!! schreien. Dumm gelaufen. Was nun? Als Oligarch in Kiew hat man es wahrlich nicht leicht.
    Vielleicht koennen wir mit Bundeswehr/NATO Truppen aushelfen. Unsere Jungs sterben doch gerne fuer eine gute Sache oder sehe ich das falsch?

  • Poroshenko und Jazenjuk haben in der eigenen Bevölkerung keinen Rückhalt, sie sind Marionetten der US- und EU-Politelite.

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