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Militärmanöver Russland zeigt gegenüber der Nato Stärke – und kooperiert mit China

Mit einer Reihe von Militärübungen, darunter in der Kriegsregion Syrien demonstriert Russland Stärke. An einem Manöver beteiligt sich auch China.
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Der Kreml will im Fernen Osten die größte Militärübung seit dem Ende des Kalten Krieges abhalten. Quelle: AP
Russisches Militär

Der Kreml will im Fernen Osten die größte Militärübung seit dem Ende des Kalten Krieges abhalten.

(Foto: AP)

MoskauÜberraschend hat Russland ein heikles Flottenmanöver im östlichen Mittelmeer angekündigt. Acht Tage lang sollen Einheiten der Schwarz- und Nordmeer-, der Baltischen und der Kaspischen Flotte vor der Küste Syriens Gefechtstraining durchführen. Beteiligt sind 25 Schiffe und 30 Kampfflugzeuge, darunter auch strategische Bomber vom Typ Tu-160.

Mit der angespannten Lage in Syrien habe das Manöver nichts zu tun, erklärte der stellvertretende Außenminister Michail Bogdanow. Doch aus russischen Militärkreisen gibt es andere Töne: Die Geländeübung sei die Antwort auf die zunehmende Präsenz der US Navy vor der syrischen Küste, berichtete die Tageszeitung „Kommersant“ unter Berufung auf eine ungenannte Quelle aus dem Generalstab. Dafür spricht auch, dass eine der Gefechtsaufgaben in der Bekämpfung von U-Booten besteht, von denen es mindestens zwei amerikanische in der Region gibt.

Aus Sicherheitsgründen werde das gesamte Übungsgelände für Schiffe zur Gefahrenzone erklärt, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Brisant ist der Zeitpunkt der Manöver: In Syrien plant die Armee von Baschar al-Assad eine Offensive in der letzten noch nicht unter Regierungsgewalt stehenden Region Idlib. Russland hat den Westen bereits beschuldigt, eine Giftgasattacke inszenieren zu wollen, um dann Luftangriffe auf Syrien zu starten. Das Manöver soll offenbar auch zur Abschreckung dienen.

Zurück in den Kalten Krieg geht es auch bei einem Großeinsatz der Streitkräfte in Russland selbst: Zumindest Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu zog bei der Ankündigung des Manövers „Wostok-2018“ („Ost-2018“) ganz bewusst Parallelen zur Hochphase der Auseinandersetzung zwischen Ost und West. „Es wiederholt in gewisser Hinsicht „Sapad-81“ („West-81“), ist in bestimmten Punkten aber noch umfangreicher“, pries der 63-Jährige die Übung an.

„Sapad-81“ war die größte Truppenübung des Warschauer Pakts. Mehr als 100.000 Soldaten, 6.000 Panzer, 400 Kampfflugzeuge und -hubschrauber sowie Teile der sowjetischen Flotte simulierten damals von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer eine massive und weit in die Tiefe des Gegners zielende Offensive. Die Sowjetunion hätte die Nato-Verbände damals „innerhalb von drei Tagen zerquetschen können“, beurteilte der russische Armeesender „Swesda“ das Ausmaß der Übung kürzlich. Im Westen riefen die Bilder des gewaltigen Truppenaufmarschs damals Angst und Schrecken hervor.

Sorge herrscht auch diesmal. Denn die Übung „Wostok-2018“ ist noch deutlich größer angelegt: Immerhin bietet Russland in diesem Herbst 300.000 Soldaten auf, fast ein Drittel seiner gesamten Truppenstärke. „Stellen Sie sich 36.000 Militärfahrzeuge gleichzeitig in Bewegung und im Einsatz vor; Panzer, Schützenpanzer und Militärtransporter. Und das alles wird unter nahezu Kampfbedingungen erprobt“, sagte Verteidigungsminister Schoigu.

Vier Tage lang, vom 11. bis 15. September sollen die Streitkräfte Koordination und Feuerkraft unter Beweis stellen. Der genaue Ablauf ist geheim, aber geübt wird sowohl die bewegliche Verteidigung im Raum, als auch der Übergang zur Gegenoffensive. Vom Material- und Menscheneinsatz ist das Manöver lediglich mit den riesigen Militäroperationen im Zweiten Weltkrieg vergleichbar.

Zur Einordnung: Auch die Nato übt in diesen Monaten verstärkt. In Lettland haben Ende August gut 10.000 Soldaten den Kampf gegen von Russland unterstützte Freischärler simuliert, Ende Oktober bis Anfang November soll beim „Trident Juncture“ in den arktischen Gewässern rund um Norwegen gar das größte Nato-Kontingent seit Ende des Kalten Kriegs üben. Die Zahl der Soldaten hier liegt allerdings bei 40.000, davon rund 8.000 Bundeswehr-Angehörige.

„Message an die Nato“

Experten stimmen daher – ungeachtet ihrer politischen Präferenzen – darin überein, dass Russland mit den grandiosen Kriegsspielchen eine kräftige Duftmarke setzt. Während Japan die Kräftebündelung im Osten „mit Sorge“ betrachtete, wird sie in Moskau mit Stolz präsentiert. „Diese Manöver sind ein Zeichen an alle, dass das Niveau unserer Verteidigungskraft sehr hoch ist und wir auf dem Gebiet enormes Potenzial haben“, sagte der stellvertretende Leiter des Verteidigungsausschusses in der Duma, Juri Schwytkin. Die Übungen fänden in Übereinstimmung mit internationalem Recht statt, doch Russland habe dabei auch die ständige Aufrüstung der Nato an der Westgrenze im Hinterkopf, fügte er hinzu.

Als „Message an die Nato“ bewertete auch der konservative Moskauer Militärexperte Wiktor Baranetz das Spektakel. Da alle Kampfhandlungen in Sibirien und im Fernen Osten stattfänden, zeige Russland einerseits, dass es keine Angriffe auf Nato-Territorium plane, andererseits sei die militärische Kooperation mit China, die bei dem Manöver geübt werde, der Alptraum für den Offiziersstab im Pentagon: „Denn die gleichen amerikanischen Admiräle reden in letzter Zeit immer wieder darüber, dass die schlimmste Bedrohung für die USA und die Nato ein russisch-chinesisches Verteidigungsbündnis darstellt,“ sagte Baranetz.

Tatsächlich wird das Manöver von chinesischen und mongolischen Verbänden unterstützt, auch wenn deren Stärke vergleichsweise gering ist. Die chinesische „Nationale Befreiungsarmee“ stellt gerade einmal 3.200 Soldaten für das strategische Manöver ab. Die symbolische Bedeutung der gemeinsamen Militärübung ist aber nicht zu unterschätzen.

Zumal es zeitgleich ein weiteres Großereignis in der Region gibt, das China und Russland enger zusammenführen soll. Zum vierten Mal findet in Wladiwostok das „Eastern Economic Forum“ statt. Ob der geplante Stargast Kim Jon-un am Ende tatsächlich auftaucht, ist immer noch fraglich. Aber Kremlchef Wladimir Putin und der Generalsekretär der chinesischen KP Xi Jinping werden auf jeden Fall dabei sein.

Geplant ist eine Reihe von Wirtschaftsabkommen, die die Nachbarn enger zusammenführen sollen. Möglicherweise fällt in Wladiwostok auch der Startschuss für eine weitere Pipeline aus Russland gen China. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass die beiden Staatschefs sich auch bei dem Militärmanöver blicken lassen. 2014 bei einem gemeinsamen Flottenmanöver vor der Küste Shanghais haben sie schon einmal die Eröffnungszeremonie besucht.

Putin könnte damit ein weiteres Mal demonstrieren, dass er keineswegs isoliert ist und einen wirtschaftlich und militärisch mächtigen Partner an der Seite hat. Allerdings ist bei den Russen selbst trotz massiver PR-Kampagnen in den Medien das Verhältnis zum südlichen Nachbarn nicht ungetrübt. Selbst offizielle Umfragen registrierten in den vergangenen drei Jahren einen Vertrauensverlust der Bevölkerung gegenüber China als Partner. Es halten zwar demnach immer noch 62 Prozent das Reich der Mitte für einen Russland freundlich gegenüber eingestellten Staat, aber das sind 15 Prozent weniger als noch 2015 – auf dem Höhepunkt der Krise mit dem Westen.

Das liegt auch daran, dass sich Peking in dem Konflikt nicht eindeutig auf Moskaus Seite positioniert hat, wie von vielen erhofft. Selbst die Sanktionen im Finanzsektor werden von chinesischen Banken weitgehend mitgetragen. Und bei wirtschaftlicher Kooperation schaut Peking sehr genau auf seinen eigenen Vorteil. Von gleichberechtigter Partnerschaft kann jedenfalls keine Rede sein. Russland ist in den Geschäften zumeist der Rohstoff-Hoflieferant für China. Holz, Kohle, Erze und Edelmetalle sowie Öl und Gas nimmt China gern, bei Investitionen in die russische Produktion hält sich das Land aber noch immer stark zurück.

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