Milizenführer in Ukraine Militärbeobachter gelten als „Kriegsgefangene“

Die festgenommenen Militärbeobachter – darunter auch vier Deutsche – werden von den prorussischen Milizen als Spione bezeichnet. Sie hätten keine Genehmigung für die Mission, dafür verdächtige Karten dabei gehabt.
Update: 26.04.2014 - 12:51 Uhr Kommentieren
Straßensperre von prorussischen Milizen in der ostukrainischen Stadt Slawjansk. Quelle: Reuters

Straßensperre von prorussischen Milizen in der ostukrainischen Stadt Slawjansk.

(Foto: Reuters)

BerlinDer prorussische Milizenführer in der ostukrainischen Stadt Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarew, bezeichnet die festgesetzten Mitarbeiter einer Aufklärungsmission von mehreren europäischen Staaten als "Kriegsgefangene". "Wir haben insgesamt zwölf Personen festgenommen, darunter vier ukrainische Offiziere", sagte der selbsternannte Bürgermeister der "Bild"-Zeitung vom Samstag laut einer vorab verbreiteten Mitteilung.

"Sie sind keine Geiseln, sie sind Kriegsgefangene", betonte er und fügte hinzu: "Ihnen geht es gut, aber ich kann nicht sagen, wann sie wieder freikommen."

"Sie werden jetzt von unseren Sicherheitsdiensten untersucht, denn sie haben keine Genehmigung für ihre angebliche Beobachtermission", sagte Ponomarew weiter. "Sie hatten Karten dabei, in denen unsere Checkpoints markiert sind, und andere Dinge, die sie verdächtig machen, dass sie Spione sind", ergänzte er.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zuvor angegeben, es seien vermutlich 13 OSZE-Mitarbeiter, darunter vier Deutsche, festgesetzt worden. Bei den Deutschen handelt es sich demnach um drei Angehörige der Bundeswehr und einen Dolmetscher. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein.

Nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums hatten Unbekannte am Mittag einen Bus mit sieben Militärbeobachtern nahe Slawjansk gestoppt und die Insassen festgesetzt. Demnach waren unter den Insassen auch fünf ukrainische Soldaten. Slawjansk wird seit Tagen von prorussischen Milizen kontrolliert. Kiew kündigte am Freitag an, die Stadt abzuriegeln.

In der ersten Version dieses Artikels wurden die entführten Beobachter als OSZE-Mitarbeiter bezeichnet. Mittlerweile hat die OSZE klar gestellt, dass es sich bei der Gruppe um eine Aufklärungsmission unter Führung der Bundeswehr handelt. Sie gehören nicht zur zivilen OSZE-Mission in der Ukraine.

  • afp
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