Milliardeninvestitionen Die Rüstungsindustrie kennt keine Krise

Auch wenn deutsche Waffenbauer schwächeln - die Geschäfte der Rüstungsindustrie laufen weiter auf Hochtouren. Mit der Staatsschuldenkrise haben sich nur die Absatzmärkte verschoben. Und zwar in die Schwellenländer.
30 Kommentare
China will sein Militärbudget bis 2015 verdoppeln. Quelle: dapd

China will sein Militärbudget bis 2015 verdoppeln.

(Foto: dapd)

München/FrankfurtObwohl zahlreiche westliche Staaten unter ihrer hohen Schuldenlast ächzen, legten die Geschäfte der Rüstungsindustrie weltweit zu. Das teilte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag in seinem Jahresbericht für 2010 mit. Demnach stieg der Umsatz der 100 größten Rüstungskonzerne um ein Prozent auf umgerechnet 310 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Wachstum der Branche demnach aber deutlich verlangsamt, 2009 konnten die Waffenlieferanten noch ein Plus von acht Prozent verzeichnen.

Die Verkäufe blieben nach Angaben der Sipri-Waffenexpertin Susan Jackson trotz der Wirtschaftskrise weitgehend stabil, weil es sich in diesem Industriezweig um langfristige Produktionsabläufe handelt. Auch bei den Käufern - hauptsächlich Regierungen - sowie bei den Zulieferern ändere sich nur wenig.

Die Liste der weltweit umsatzstärksten Rüstungsunternehmen wird weiterhin von den US-Konzernen dominiert. An der Spitze steht laut Sipri das US-Unternehmen Lockheed Martin, das 2010 Rüstungsgüter im Wert von 35,7 Milliarden Dollar verkaufte. Insgesamt sind 44 Unternehmen der Sipri-Liste in den USA angesiedelt. Auf sie entfallen mehr als 60 Prozent aller Einnahmen aus Waffenverkäufen. 30 Unternehmen kommen aus Westeuropa, sie steuern immerhin 29 Prozent aller Lieferungen bei.

Das europäische Gemeinschaftsunternehmen EADS landete mit Waffenverkäufen im Wert von 16,4 Milliarden Dollar wieder auf Rang sieben, der Rüstungsanteil betrug 27 Prozent. Stärkstes deutsches Unternehmen war wieder Rheinmetall. Mit Rüstungsverkäufen im Wert von knapp 2,7 Milliarden Dollar belegte der Autozulieferer und Rüstungskonzern mit Sitz in Düsseldorf Platz 31.

Weitere deutsche Unternehmen unter den Top-100 waren unter anderem ThyssenKrupp (56) und Diehl (63). Chinesische Rüstungskonzerne haben es nicht in die Liste geschafft, da die nötigen Daten nicht verfügbar waren.

Dennoch geht die Dynamik der Branche nicht mehr allein von den westlichen Industrien aus. Es sind vor allem die Schwellenländer, die mit ihren Aufrüstungsplänen für Großaufträge sorgen. So weckte Russlands Premier Wladimir Putin jüngst Erinnerungen an die Zeit der Sowjetunion, als er Armee-Investitionen von 575 Milliarden Euro ankündigte.

Trend zu höheren Verteidigungsausgaben hält an
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Milliardeninvestitionen - Die Rüstungsindustrie kennt keine Krise

30 Kommentare zu "Milliardeninvestitionen: Die Rüstungsindustrie kennt keine Krise"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Mittlerweile befinden wir uns nun aber im 21. Jh. und die Rüstungstechnologie hat, rein technologisch gesehen, enorme Fortschritte gemacht. Nun könnte ich versuchen über Präzisionsbomben, Marschflugkörper und vieles weitere zu philosophieren. Meiner Meinung nach ist Krieg dadurch unblutiger, weniger tötlich und "humaner" geworden. Ich benutze das Wort "human" bewusst, da Krieg etwas schlechtes aber trotzdem menschliches ist.
    Das Entscheidene allerdings ist eine andere Entwicklung. Die Fortschritte bei der Rüstungstechnologie und der Schlagkraft unserer Streitkräfte hat ein erschreckendes Vernichtungspotential hervorgebracht. Dadurch wurde das Handeln verantwortungsvoller. -> positiv

  • Ich habe auf eine Bewertung aufgrund der Kommentarlänge und eines über das Thema hinausgehender Diskussion verzichtet. Da anscheinend aber Interesse besteht werde ich dies nachholen.

    Sie haben Recht mit Ihrer Aussage, dass sich der Krieg in seinem Wesen nicht entwickelt hat. Entwickelt hat sich lediglich die Art und weiße sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen und um diesen "Fortschritt" in der Kriegsführung wie gefordert zu bewerten muss ich etwas ausholen. Seit jeher ging es im Krieg nicht darum Konflikte zu schlichten, sondern sich in die Position zu bringen den Konflikt im eigenen Sinne zu lösen. Die Geschichte ist voll von diesen großartigen "Friedensverträgen", die unschlichtbare Konflikte auslösten und durch einen weiteren Waffengang der beteiligten Parteien gelöst werden sollten. Zunächst wurden die Kriege durch Weiterentwicklungen blutiger und tötlicher. Das bewerte ich als negative Entwicklung. Der Höhepunkt wurde in der ersten Hälfte des 20. Jh. erreicht. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff "Materialschlacht", aber es waren vor allem "Menschenschlachten". Bereits früh im Kriegsverlauf war z.B. der deutschen Generalität im 2. Weltkrieg klar, dass die bedeutende Zahlenmäßige Unterlegenheit bei wehrfähigen Männern höchstwahrscheinlich zur Niederlage führen würde.

  • Für mich ist der Kapitalismus in seiner Ausprägung als soziale Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard und nicht in seiner heutigen Form der staatlichen Bevormundung die geeignetste Wirtschaftform bzw. Weltordnung.

    "Allgemein begreift man Kapitalismus als eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt beruht." (Wikipedia)

    Kapitalismus wird mittlerweile als teuflisch angesehen und darüber vergessen wir, dass dieses System sich im Laufe der als einziges Geschichte bewiesen hat. Kein anderes System hat jedem Einzelnen mehr Freiheit und Wohlstand beschehrt. Der Kommunismus und auch der Sozialismus endeten bis jetzt immer in der Unterdrückung der Massen durch eine gut situierte Führungskaste. Friedliebend ware diese Systeme auch nicht und man hatte immer den Eindruck, dass der Bürger zu seinem "Glück" gezwungen werden soll.

    Nennen Sie mir ein System, dass besser geeignet ist als die "Soziale Marktwirtschaft" erhardscher Prägung bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Natur des Menschens.

    PS: In Westeuropa sind die Militärausgaben und Armeegrößen rückläufig trotz des Festhaltens am Kapitalismus.

  • @Befuerworter.gesunder.Ruestung
    "Bewerten mögen das andere": ne,ne so geht das nicht , wenn Sie sich hier so fleißig für die Rüstungsindustrie einsetzen, dann müssen Sie auch für die Konsequenzen und Bewertungen geradestehen.

    Besonders entwickelt hat sich der Krieg seit der Steinzeit nun wirklich nicht. Eine intelligente Methode Differenzen zu schlichten ist er jedenfalls bis heute nicht.

  • @Diamant
    genau!
    Und je stärker die Menschheit auf den Trichter kommt via Internet - ohne ACTA, desto mehr schwindet die Macht der wenigen Rüstungsbefürworter und Profitgierigen.

    Denn es gibt auf dieser Welt genug Geld dass allen Menschen eine Grundexistenz und Frieden gesichert werden kann - es muss nur ein bisschen anders verteilt werden.

  • Was ist Armut?
    Das Ganze kann man relativ (z.B. 60 % unter Median) sehen oder absolut (Mangel an lebenswichtigen Gütern wie Nahrung, Obdach, Kleidung).
    Insgesamt ist es richtig auf eine stimmige Balance bei der Verteilung von Reichtum zu achten. Ein Bürgerkrieg aus diesem Grund sehe ich in Deutschland nicht. Dieses Thema passt allerdings nicht so recht zum vorliegenden Artikel. Demnächst wird wieder ein Armutbericht herauskommen. An dieser Stelle wäre Raum für Diskussion.
    Ich will aber kurz auf Rüstung vs. Bürgerkrieg/Unterdrückung eingehen. Bei einer Bevölkerung die höchstens über einige Handfeuerwaffen verfügt, wie dies fast immer der Fall ist, bedarf es zur militärischen Unterdrückung nicht viel. Statt viel Geld in G36-Gewehre und Leopard 2 A7 Kampfpanzer zu investieren reichen auch nicht lizensiert gefertigte Kalaschnikows und einige billig beschaffbare T-54 Kampfpanzer aus. Eine technologische Hochrüstung ist nur mit Hinsicht auf staatliche Konflikte nötig. Im Falle von Saudi-Arabien würden die 200 Leopard 2 A7 (neuestes deutsches Modell A6) mit den 1370 bereits existierenden Kampfpanzern den größtenteils veralteten 1613 Kampfpanzer des Irans ein Gegengewicht entgegenstellen. Übrigens ließe sich die iranische Bevölkerung auch mit 540 T-54 Kampfpanzern unterdrücken.
    Um noch kurz das G36 zu thematisieren. Diese Waffe ist durch sein kleineres Kaliber und der damit verbundenen höhreren Schussfrequenz und mitführbarer Munitionsmenge bestens für konventionelle Kriege mit in in Stellung liegenden Feinden geeignet. Im Gegensatz dazu eignen sich die größeren Kaliber (z.B. AK 47)aufgrund der erhöhten Mannstoppwirkung besser für die Unterdrückung (dies ist keine moralische Wertung). Somit verstehe ich persönlich nicht die Aufregung bei all den Waffenexporten im Hinblick auf Unterdrückung und Menschenrechte.

  • @ Befuerworter.gesunder.Ruestung

    Ihr heissgeliebter kapitalismus wird wie jede andere Weltordnung auch irgendwann sein Ende finden. Entweder indem die Menschheit gemeinsam mal auf den Trichter kommt, das ein Miteinander besser als ein Gegeneinander ist, oder indem er die Menschheit aus Profitgier ausrottet ;-)

    Nichts ist dümmer als zu denken, das eine Weltordnung, die auf Ausbeutung fusst das non plus Ultra ist ;-)

    Aber es stimmt schon, das der Kapitalismus auf der einen Seite das Wettrüsten abgeschafft hat - das lag aber eher daran, das die UDSSR sich dem Westen angenähert hat und nun selbst zum "Westen" geworden ist. Nun, nun rüstet man eben gemeinsam gegen den Rest der Welt. Aus den Sozialisten wurden wieder Kapitalisten und die rüsten gemeinsam gegen den Islam - also ist das Wettrüsten wohl doch noch nicht vorbei? War doch ne gute Gelegenheit die alten Ladenhüter loszuwerden um neue, effizientere Waffen auf den Markt zu werfen. und weils so schön war durfte das auch noch der Steuerzahler tatkräftig übernehmen (Alte Waffen verschrotten und dafür neue kaufen). Komischerweise ist der Militäretat seit ende des kalten Krieges sowohl in den USA als auch in Russland nicht gesunken - ganz im Gegenteil ;-)

  • @ Befuerworter.gesunder.Ruestung

    Worauf wir zusteuern ist globalisierter Bürgerkrieg in einer globalisierten Welt ;-)

    Wie ich darauf komme? ganz einfach - immer mehr Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze - was haben diese noch zu verlieren? Ihr Leben? Wenn auch hierzulande die leute vor der Wahl stehen werden - Verhungern oder Kampf - was denken Sie wofür sich die Menschen entscheiden werden? Noch ist es nicht so weit - aber die anzeichen werden immer deutlischer....Dumpinglöhne, Zeitarbeit, Abgabenerhöhungen, steigende Preise....ect. Die zahle derer, die in Deutschland nahe der Armutsgrenze leben wächst stetig...und das Tempo steigt^^

  • Wettrüsten ist vielleicht an dieser Stelle das falsche Wort. Westeuropa und dazu gehören auch GB und Frankreich haben sich bereits von einem Wettrüsten verabschiedet. Selbst die USA sind momentan auf Konsolidierung nach den Ausuferungen durch die Irak- und Afghanistan-Einsätze bedacht. Deutschland z.B. ist gemessen an seiner wirtschaftlichen Stärke ein militärisches Leichtgewicht und nimmt auch weiterhin mehr und mehr Abstand von der Vorbereitung auf einen konventionellen zwischenstaatlichen Krieg (Bestellung vom Schützenpanzer Puma wird wahrscheinlich reduziert, verstärkte Beschaffung von gepanzerten Fahrzeugen wie dem Dingo). Das richtige Wort für die Erhöhung der Militärausgaben in vielen Länderen wäre wohl "Aufholrüsten". Hieraus kann das von mir bereits angesprochene Gleichgewicht entstehen.
    Bzgl. der Gehirnwäsche durch Medien möchte ich anmerken, dass niemand unsere linksgeprägte deutsche Medienlandschaft ernsthaft als Erfüllungsgehilfe einer konservativen, kriegerischen und "bösen" Waffenlobby ansehen wird.
    Der letzte Ansatz mit den Politikern ist interessant und die persönliche "Haftung" für Entscheidungen wäre wahrscheinlich auch auf anderen Feldern wünschenswert. Die Zeiten, in denen sich der Häuptling als erster anführend in Schlacht warf sind bereits seit etlichen Jahrhunderten passé. Der Krieg hat sich nun mal wie sovieles in der Menschheit weiter entwickelt. Bewerten mögen das andere.

  • Erstmal würde Waffenlobbyist eine irgendwie geartete Verflechtung meinerseits mit dieser Industrie bedeuten. Diese besteht allerdings nicht.
    Das Waffengesetz ist bei uns in der Tat sehr streng und sichert vor allem sinnvollerweise das Gewaltmonopol des Staates. An dieser Stelle fordere ich auch keine Aufrüstung im heimischen Haushalt à la USA. Studien haben allerdings auch gezeigt, dass eine hohe Waffenbesitzrate in der Bevölkerung nicht immer mit erhöhter Kriminalität einhergeht.
    Die Abrüstungsverträge zwischen den USA und Russland bedeutet für beide Staaten keinen Verzicht auf Sicherheit, da es beiden Seiten jeweils genügt, die Welt nur einmal in die Luft sprengen zu können. Die Abrüstung verdanken wir dem Kapitalismus, der eine Reduzierung der Sprengköpfe und Trägersysteme aufgrund der enormen Wartungskosten nötig macht. Die Zukunft wird zeigen, dass Obamas Rede von einer atomwaffenfreien Welt nur eine Utopie ist (außer der menschliche Geist bringt in Zukunft wirkunsvollere Waffen hervor).

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%