Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mittelmeer USA verstärken ihre Militärpräsenz in Griechenland

Washington und Ankara liegen im Dauerclinch. Die Amerikaner umwerben deshalb Griechenland als Sicherheitspartner im östlichen Mittelmeer.
08.02.2020 - 14:04 Uhr Kommentieren
Das griechische Parlament hat einer stärkeren Militärpräsenz der USA in Griechenland zugestimmt. Quelle: dpa
US-Marine

Das griechische Parlament hat einer stärkeren Militärpräsenz der USA in Griechenland zugestimmt.

(Foto: dpa)

Athen Viel ist bisher nicht los an der Mole von Alexandroupoli. Der Hafen der nordgriechischen Provinzstadt wird vor allem von Fischerbooten angelaufen und von der Autofähre, die zur knapp zwei Stunden entfernten Insel Samothraki fährt. Ab und zu legt auch mal ein Küstenfrachter an. Aber schon bald wird man hier Containerschiffe, Gastanker und Kriegsschiffe der US Navy sehen.

Griechenland hat in den vergangenen Jahren massiv in den Ausbau des Hafens investiert. Neue Piers entstanden, Hafenbecken und Fahrrinnen wurden ausgebaggert, so dass nun auch große Frachter Alexandroupoli anlaufen können.

Die Millioneninvestitionen sollen sich auszahlen: In diesem Jahr will die staatliche griechische Treuhandgesellschaft HRADF die Hafengesellschaft privatisieren. Die Amerikaner zeigen großes Interesse. Sie haben viel vor mit Alexandroupoli. Geoffrey Pyatt, US-Botschafter in Griechenland, hat die Hafenanlagen in den vergangenen Monaten mehrfach inspiziert. Der Diplomat schwärmt vom „großen Potenzial“ der Stadt.

Alexandroupoli symbolisiert einen Paradigmenwechsel der amerikanischen Politik im östlichen Mittelmeer. Seit Anfang der 1950er-Jahre war die Türkei der wichtigste Sicherheitspartner der USA in dieser Weltgegend. Das beginnt sich zu ändern, seit der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Schulterschluss mit Kremlchef Wladimir Putin sucht.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Erdogan rüstet sein Militär mit russischen Luftabwehrraketen auf und schwächt damit die Nato. In Syrien geht der türkische Staatschef mit seiner Invasion eigene Wege. In Libyen facht er mit der Entsendung dschihadistischer Söldner den Bürgerkrieg an. Je weiter Erdogan auf Distanz zum Westen geht, desto wichtiger wird für die Amerikaner Griechenland.

    Griechisch-amerikanische Beziehungen gestärkt

    US-Außenminister Mike Pompeo nennt Griechenland einen „Pfeiler der Stabilität und der Sicherheit“ in der Region. „Unsere Beziehungen waren wirklich noch nie so stark wie heute“, stellte Pompeo kürzlich bei einem Besuch in Athen fest. Anlass war der Abschluss eines neuen Militärabkommens zwischen beiden Ländern.

    Die Verhandlungen darüber hatten bereits unter der Vorgängerregierung des linksgerichteten griechischen Premiers Alexis Tsipras begonnen und waren weit gediehen. Das ist umso erstaunlicher, weil das von Tsipras geführte Bündnis der radikalen Linken (Syriza) vor der Regierungsübernahme 2015 eine militante anti-amerikanische Rhetorik kultivierte – ganz in der Tradition der griechischen Linken, die seit den 1970er-Jahren mit dem Slogan „Raus mit den Todesbasen“ für eine Schließung der US-Militärstützpunkte in Griechenland kämpfte.

    Jetzt sind die Amerikaner willkommen. Analysten des Jewish Institute for National Security of America (JINSA), einer pro-israelischen Denkfabrik in Washington DC, stellen in einer jetzt veröffentlichten Studie fest, es gebe in Griechenland mittlerweile „einen breiten nationalen Konsens darüber, dass starke Beziehungen zu den USA das Fundament der Sicherheit Griechenlands sind“.

    Während sich die Türkei unter Erdogan von einem demokratischen und zuverlässigen Nato-Partner zu einer dem Westen feindlich gesonnenen, pro-russischen Autokratie entwickle, werde Griechenland zu einem immer wichtigeren pro-amerikanischen Akteur in der Region, stellen die Verfasser der Studie fest. Zur Rückbesinnung der Griechen auf Amerika trage die zunehmende feindselige Politik Ankaras im Streit um die Hoheitsrechte und Bodenschätze im östlichen Mittelmeer bei, heißt es in dem Papier.

    Die USA sollten deshalb Optionen einer engeren Zusammenarbeit prüfen, schreiben die JINSA-Analysten. Sie empfehlen, die Präsenz der amerikanischen Navy im östlichen Mittelmeer zu verstärken und Pläne für die Verlegung von US-Militäreinheiten wie AWACS-Frühwarnflugzeugen und Luft-Tankern aus der Türkei nach Griechenland vorzubereiten.

    Amerikanische Kredite für neue Kampfflieger

    Die Verfasser der Studie schlagen auch vor, die USA sollten Griechenland mit Finanzhilfen bei der Modernisierung seiner F-16-Kampfflugzeuge unterstützen und Athen mit Krediten die Beschaffung von F-35-Tarnkappenflugzeugen ermöglichen. Das wäre ein Schlag ins Gesicht für Erdogan. Denn die USA verweigern der Türkei die Auslieferung bestellter F-35, so lange das Land an dem Raketengeschäft mit Russland festhält.

    Vor einer Woche ratifizierte das griechische Parlament mit großer Mehrheit das neue Militärabkommen mit den USA. Das Abkommen ebnet den Weg für eine engere Zusammenarbeit beider Länder und eine Stärkung der amerikanischen Militärpräsenz. Es sieht unter anderem den Ausbau der von den Amerikanern bereits genutzten Marine- und Luftwaffenstützpunkte auf der Insel Kreta vor.

    Souda Bay bei Chania ist der einzige US-Flottenstützpunkt im östlichen Mittelmeer, der Flugzeugträger aufnehmen kann. Zusätzlich können die USA jetzt auch zwei weitere Luftwaffenstützpunkte nutzen, nämlich die Basen von Larissa in Mittelgriechenland und Stefanovikio bei Volos.

    Und Alexandroupoli kommt als neuer Anlaufpunkt für die Mittelmeerflotte der US Navy hinzu. Die amerikanischen Militärs möchten den Hafen als Flottenstützpunkt und Drehscheibe für Operationen in der Balkanregion und in Osteuropa nutzen. Für Alexandroupoli sprechen die guten Verkehrsverbindungen: Die Stadt liegt an der Egnatia-Autobahn, die als wichtigste Ost-West-Achse Griechenlands die türkische Grenze mit der Adria verbindet, und an der Eisenbahnstrecke, die vom nordgriechischen Thessaloniki in die Türkei führt.

    Eine weitere Bahntrasse verläuft nach Bulgarien. Geplant sind außerdem neue Straßen- und Schienenverbindungen von Alexandroupoli zu den bulgarischen Schwarzmeerhäfen Varna und Burgas. Bulgarien ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA in Südosteuropa.

    Auch Umschlagplatz für Flüssiggas gesucht

    Die Amerikaner haben in Alexandroupoli aber nicht nur militärische Interessen. Das griechische Unternehmen Gastrade plant dort ein schwimmendes Terminal für verflüssigtes Erdgas (LNG). Ein als Umschlagstation dienender Gastanker mit einem Fassungsvermögen von 170.000 Kubikmeter LNG soll 18 Kilometer vor Alexandroupoli fest verankert werden.

    Von dort wird das Gas unter Wasser an Land geleitet und in zwei Pipelines eingespeist. Die eine soll nach Westen zur Adria und weiter nach Italien führen, die andere nach Bulgarien. An Gastrade sind das griechische Energieunternehmen Copelouzos Group, der staatliche griechische Gasversorger Depa, die bulgarische Bulgartransgaz und die Reederei Gaslog des griechischen Schiffseigners Peter Livanos beteiligt, der eine Flotte von 39 LNG-Tankern betreibt. Rumänien signalisiert ebenfalls Interesse an einer Beteiligung. Das Terminal soll 2022 in Betrieb gehen.

    Die USA als einer der größten LNG-Exporteure der Welt könnten über Alexandroupoli Russland als den bisher wichtigsten Gasversorger der Balkanländer zurückdrängen. Mit dem LNG-Terminal wachse Griechenland „in die Rolle einer regionalen Energie-Drehscheibe hinein und wird zu einem Garanten der Versorgungssicherheit und Diversifikation Europas“, sagt US-Botschafter Pyatt.

    Mehr: Putin, Pompeo, Erdogan – diese Interessen haben die Mächtigen im Libyen-Konflikt.

    Startseite
    Mehr zu: Mittelmeer - USA verstärken ihre Militärpräsenz in Griechenland
    0 Kommentare zu "Mittelmeer: USA verstärken ihre Militärpräsenz in Griechenland"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%