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Mögliche EU-Hilfen In der EU soll Schutz der Wälder eine der Prioritäten der Klimapolitik werden

Das Waldsterben in der EU bietet Anlass zur Sorge. Das EU-Parlament will finanzielle Hilfen und eine neue EU-Waldstrategie. Doch Forstpolitik ist Sache der Mitgliedsländer.
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Schutz der EU-Wälder soll Priorität der Klimapolitik werden Quelle: dpa
Deutschland

Die extreme Dürre von 2018 und anhaltende Trockenheit lassen in Deutschland viele Bäume sterben.

(Foto: dpa)

Berlin Die Zahlen aus Deutschland sind alarmierend: In der Bundesrepublik sind seit dem vergangenen Jahr rund 110.000 Hektar Wald abgestorben – eine Fläche etwa halb so groß wie das Saarland. Ungefähr ein Fünftel der deutschen Waldflächen sind stark geschädigt, nur noch ein Drittel gilt als komplett gesund.

Auch Tschechien, die Slowakei und Frankreich haben zu kämpfen. Grund ist der Klimawandel: Die extremen heißen Trockenphasen der letzten Jahre haben den Wäldern zugesetzt, Waldbrände und Stürme haben große Bereiche vernichtet.

Hinzu kommt eine Borkenkäfer-Plage, durch die weitere Bäume absterben. Deswegen wird präventiv gefällt, was den Holzpreis drückt. Experten schätzen, dass bei einzelnen Baumarten, wie zum Beispiel Fichte, die Hälfte des Bestands verloren gehen wird.

Das EU-Parlament will den Schutz von Wäldern nun zu einer seiner Prioritäten erklären – und damit Druck auf Kommission und Mitgliedsstaaten aufbauen. Diskutiert werden EU-Nothilfen für Waldbesitzer, außerdem eine Überarbeitung der europäischen Waldstrategie. Eine Resolution ist in Planung.

„Das Ausmaß der Zerstörung ist so groß, dass Regelungen auch auf europäischer Ebene überprüft oder zumindest flexibel ausgelegt werden müssen“, fordert CDU-Politiker Peter Liese, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP). Er sieht die Möglichkeit, Gelder aus dem Europäischen Solidaritätsfonds oder der zweiten Säulen der Agrarpolitik für spezielle EU-Hilfen zu verwenden.

Der Europäische Solidaritätsfonds ist dafür da, Mitgliedsstaaten bei Naturkatastrophen finanziell zu unterstützen. Im Rahmen der zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik wird die Entwicklung des ländlichen Raumes in der EU gefördert, um ihn wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich zukunftsfähig zu gestalten.

Doch mit Geld aus Brüssel allein ist es nicht getan: Um die Widerstandsfähigkeit der europäischen Wälder zu erhöhen, müsste der Wald großflächig umgebaut und dem veränderten Klima angepasst werden. Dafür müssten vor allem anstelle der vorherrschenden Monokulturen auf Mischwälder gesetzt werden.

Solch ein Umbau der Wälder kostet nicht nur viel Geld, er dauert auch Jahrzehnte: Änderungen, die jetzt in der Forstwirtschaft betrieben werden, zeigen ihren Effekt erst in rund 30 Jahren. Es ist also eine langfristige Strategie nötig.

Dazu kommt: Die Gestaltung der Wälder ist eine nationale Angelegenheit. Es gibt keine europäische Forstpolitik. Es gibt lediglich seit 2013 eine europäische Waldstrategie, in Rahmen derer die Staaten ihre Maßnahmen koordinieren, um eine gemeinsame Agrar- und Umweltpolitik betreiben zu können.

Ziel: Klimaneutralität der EU bis 2050

Die Kommission hätte deswegen gerne größeren Einfluss: „In der EU müssen mehr Maßnahmen durchgeführt werden, um die Wälder zu schützen“, sagte EU-Klimaschutzkommissar Miguel Arias Cañete am Montag in Straßburg. Es brauche eine ausgewogene Verantwortung zwischen EU und Mitgliedsstaaten.

Auf der Ebene der Nationalstaaten hält man die ausgewogene Verantwortung aber lieber auf finanzieller Ebene: In Deutschland sprach Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) davon, eine halbe Milliarde Euro in die Wiederaufforstung der deutschen Wälder investieren zu wollen. Das Geld dafür will sie nicht aus ihrem eignen Etat nehmen, sondern von der EU haben – aus dem Topf der Einnahmen von Versteigerungen der CO2-Zertifikate im EU-Emissionshandel.

Auch anderswo kommt mehr EU-Eingriff im Bereich der Forstwirtschaft nicht gut an: Eine finnische EU-Abgeordnete – die Waldfläche Finnlands macht 70 Prozent des Landes aus – mahnte bei der Debatte am Montagabend im EU-Parlament: „Wir haben unsere Wälder immer gut behandelt. Die EU sollte uns nicht bestrafen, nur weil andere Länder dies nicht so gehandhabt haben.“

Trotzdem: Der Schutz sowie Aufforstung der EU-Wälder werden auch eine tragende Rolle in Ursula von der Leyens geplanten Green Deal spielen. Denn ohne gesunde Wälder, die CO2 einspeichern, ist Ziel des Green Deals – die Klimaneutralität der EU bis 2050 – nicht zu erreichen. „Wir brauchen eine Klimastrategie, die die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der europäischen Wälder zu einer Priorität macht und Mittel bereitstellt, um das Problem entsprechend anzugehen“, sagt auch Kelsey Perman von der Umweltorganisation Forests and the European Union Resource Network.

Mehr: Vom Bürger bis zur Kanzlerin: Jeder will der Umwelt helfen. Doch guter Wille allein reicht nicht in der Klimapolitik.

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