Mögliche Importbarrieren Europäischer Stahlbranche droht Streit mit den USA

Zum Schutz der US-Wirtschaft könnte die USA bald Importbeschränkungen in der Stahlbranche verhängen. Europa reagiert empört auf die Hinweise – und warnt vor Konsequenzen.
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Europäischer Stahlbranche droht Streit mit den USA Quelle: dpa
Streitpunkt: Stahlbranche

Die Stahlbranche sorgt für Streit zwischen der EU und den USA. Drohende Handelsbarrieren und Importbeschränkungen sind der Anlass.

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Düsseldorf/Berlin/Washington
In der von Überkapazitäten geprägten Stahlindustrie verhärten sich die Fronten zwischen den USA und Europa. Die EU-Kommission und der deutsche Branchenverband warnten die Vereinigten Staaten am Freitag vor einer Abschottung ihres Marktes. Zuvor hatten Chefs großer US-Stahlkonzerne Präsident Donald Trump zu Importbeschränkungen aufgefordert. Dadurch solle Überkapazitäten entgegengewirkt werden, heißt es in einem Brief der Herstellervereinigung und des Amerikanischen Stahlinstituts, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Die US-Branche werde von den wachsenden Einfuhren untergraben.

Ein Sprecher der EU-Kommission wollte sich nicht zur Forderung der Stahlchefs äußern. Er verwies aber auf frühere Aussagen, wonach die Behörde im Fall von Nachteilen für europäische Stahlhersteller mit Beschränkungen für US-Importe antworten werde. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums betonte, das Problem der Überkapazitäten könne nur auf internationaler Ebene gelöst werden. „Wir werden uns weiter für Dialog und Zusammenarbeit mit der US-Regierung einsetzen und deutlich machen, dass einseitige Handelsbarrieren unnötige Kosten für alle Beteiligten erzeugen.“

Deutsche Branchengrößen wie Thyssenkrupp und Salzgitter wollten sich nicht äußern. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, mahnte eine Lösung im Rahmen der Vorgaben durch die Welthandelsorganisation (WTO) an. „Protektionistische Maßnahmen abseits der WTO sind der falsche Weg, um auf unfairen Handel und die massiven Verzerrungen auf den internationalen Stahlmärkten zu reagieren.“ Das Thema solle einerseits in Organisationen wie der Staatengruppe G20 besprochen werden. Andererseits sollten Handelsschutzinstrumente genutzt werden, die mit der WTO im Einklang stehen.

Der europäische Branche sind vor allem die Billigimporte aus China – dem mit Abstand größten Produzenten – ein Dorn im Auge. Hier haben sie sich für Importbeschränkungen durch die EU starkgemacht. Selbst wenn sich mögliche US-Maßnahmen nicht gegen die Europäer richten würden, könnten Beschränkungen gegen andere Länder dazu führen, dass diese die Märkte in Europa fluten.

Die US-Konkurrenz gab sich zuversichtlich, dass ihre Rufe gehört werden. Der Chef der Branchenvereinigung, Philip Bell, sagte, er sei optimistisch, dass Trump nach der Verhängung von Zöllen auf den Import von Waschmaschinen und Solarpanelen nun auch in diesem Bereich wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen werde. Das Präsidialamt erklärte, man sei sich „der Bedürfnisse und der Sorgen der Interessenvertreter bewusst“.

Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören Alton Steel, AK Steel, Cleveland Cliffs, TimkenSteel Nucor und der US-Ableger von ArcelorMittal. Trump will bis Anfang April über Abwehrmaßnahmen zum Schutz der heimischen Stahlindustrie entscheiden. Die USA sind der größte Stahlimporteur der Welt.

  • rtr
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  • Das faszinierende daran ist, dass die USA mit preiswerter Energie, Strom, Kokskohle und lokalem Eisenerz die besten Standortbedingungen für die Stahlindustrie aufweisen.

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