Mögliches Eingeständnis Schiefgelaufenes Verhör? Saudi-Arabien will offenbar Tod des Journalisten Khashoggi einräumen

Was bisher vermutet wurde, scheint sich zu bewahrheiten. Saudi-Arabien arbeitet laut Medien an einem Bericht, der den Tod des Journalisten bestätigt und erklärt.
Update: 16.10.2018 - 07:35 Uhr Kommentieren
Saudi-Arabien will wohl Tod des Journalisten Khashoggi einräumen Quelle: AP
Jamal Khashoggi

Eine Frau hält bei einem Protest ein Bild des verschwundenen Journalisten in der Hand.

(Foto: AP)

WashingtonSaudi-Arabien steht einem Medienbericht zufolge vor dem Eingeständnis, dass der verschwundene Journalist Jamal Khashoggi bei einem schiefgelaufenen Verhör ums Leben gekommen ist. Ein entsprechender Bericht sei in Arbeit, berichtete der US-Sender CNN am Montag unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Personen.

Darin dürfte einem der Insider zufolge erklärt werden, dass der Einsatz ohne Genehmigung erfolgt sei und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Der zweite Insider habe allerdings eingeschränkt, dass am Text noch gearbeitet werde.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich laut CNN kurz nach Bekanntwerden des möglichen saudischen Berichts skeptisch. Er wisse noch nicht, ob der Bericht akkurat sei, oder doch nur ein „Gerücht“. „Ich weiß es einfach nicht. Ich muss sehen, was sie sagen“, sagte Trump gegenüber Reportern im US-Bundesstaat Georgia. „Niemand weiß, ob das ein offizieller Report ist. Bisher ist es nur ein Gerücht.“

Khashoggi ist seit einem Besuch des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul am 2. Oktober verschwunden. Die Türkei beschuldigt Saudi-Arabien, Khashoggi getötet und seine Leiche fortgeschafft zu haben. Die Regierung in Riad wies dies bisher zurück.

Ermittler hatten zuvor eine Untersuchung des Konsulats in Istanbul nach Spuren des verschwundenen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi begonnen. Ein Team aus Türken und Saudi-Arabern traf am Montag bei dem saudi-arabischen Konsulat ein.

Ziel des gemeinsamen Einsatzes war es, den Verbleib des seit zwei Wochen verschwundenen Journalisten und Regimekritikers Jamal Khashoggi aufzuklären. Die Ermittler hätten das Gebäude nach neun Stunden wieder verlassen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag. Demnach haben die Ermittler auch Proben aus dem Garten des Konsulats mitgenommen. Außerdem seien zwei Müllwagen der Gemeinde ins Konsulat gefahren, unklar war zunächst warum.

Eine Durchsuchung des Konsulats durch türkische Beamte ist ein ungewöhnlicher Schritt, weil diplomatische Vertretungen nach der Wiener Konvention von den Gastgeberstaaten technisch wie Ausland behandelt und geschützt werden müssen. Die Zustimmung Saudi-Arabiens könnte ein Versuch sein, westliche Kritik am Verschwinden Khashoggis zu besänftigen.

US-Präsident Donald Trump telefonierte zudem mit dem saudi-arabischen König Salman und schickte seinen Außenminister Mike Pompeo in das Königreich. Trump sagte nach dem 20-minütigen Telefonat mit Salman, dieser habe jede Kenntnis über Khashoggis Verschwinden entschieden bestritten.

„Er wusste es wirklich nicht. Vielleicht könnten es skrupellose Killer gewesen sein. Ich meine, wer weiß es“, sagte der Präsident. „Wir werden der Sache sehr schnell auf den Grund gehen, aber das war ein glattes Dementi.“

Trump sprach von „rogue killers“. Rogue kann auf Deutsch sowohl skrupellos als auch einzelgängerisch heißen in dem Sinne, dass die Killer nicht auf Befehl von oben gehandelt haben. Damit signalisierte Trump Saudi-Arabien möglicherweise einen Erklärungsansatz.

Trump hat nicht näher erläuterte „schlimme Strafen“ angedroht. Einen Stopp von US-Waffengeschäften mit Saudi-Arabien lehnt er aber mit der Begründung ab, dass sich die USA damit selbst bestrafen würden. Deutschland, Großbritannien und Frankreich verlangten eine glaubwürdige Untersuchung zum Verschwinden Khashoggis.

Die republikanischen Senatoren Marco Rubio und Jeff Flake sagten, falls Trump nicht aktiv werde, könne der Senat die Initiative ergreifen. Womöglich müssten die Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien „vollständig überdacht“ werden, sagte Rubio.

Saudi-Arabien hat sich Drohungen und Unterminierungsversuche verbeten. Das Königreich werde auf etwaige Handlungen entsprechend stärker reagieren – das Land habe Einfluss auf die globale Wirtschaft, hieß es am Sonntag. Einzelheiten wurden nicht genannt, doch hieß es kurz darauf in einer Kolumne des Fernsehsehsenders Al-Arabija, Saudi-Arabien könne seine Ölförderung als Waffe benutzen.

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