Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mohammed al-Dschadan im Interview Saudischer Finanzminister ruft deutsche Firmen zu stärkerem Engagement am Golf auf

Mohammed al-Dschadan will mit dem Geld aus dem Börsengang von Saudi Aramco die Wirtschaft umbauen – und dabei vom deutschen Mittelstand lernen.
16.12.2019 - 16:45 Uhr 1 Kommentar
Der saudische Finanzminister will die Beziehungen zu Deutschland verbessern. Quelle: The Asahi Shimbun/Getty Images
Mohammed Al-Jadaan

Der saudische Finanzminister will die Beziehungen zu Deutschland verbessern.

(Foto: The Asahi Shimbun/Getty Images)

Riad Seit dem Ausbruch der Katarkrise 2017 sind die deutsch-saudischen Wirtschaftsbeziehungen schwer belastet. Das Königreich hatte damals die Beziehungen zu Katar wegen vermeintlicher Terrorfinanzierung dort abgebrochen und war dafür vom damaligen deutschen Außenminister Sigmar Gabriel scharf kritisiert worden.

Der saudische Finanzminister Mohammed al-Dschadan will die Beziehung zu Deutschland verbessern und kommt am Mittwoch erstmals wieder mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin zusammen. Er fordert deutsche Investoren auf, sich an den Ausschreibungen für geplante Milliardenprojekte in seinem Land zu beteiligen.

„Wir teilen viel mit Deutschland und wollen von Deutschland lernen, wie man den Mittelstand stark nutzen kann“, sagte der saudische Finanzminister Mohammed al-Dschadan dem Handelsblatt. Beide Regierungen hätten „klar erkannt, wie wichtig eine Verbesserung der Beziehung“ sei und Riad wolle „aus Deutschland Unterstützung für unsere Reformen“.

Er rief deutsche Unternehmen zu einem viel stärkeren Engagement am Golf auf. Saudi-Arabien plant einen dreistelligen Milliardenbetrag für den Umbau seiner Wirtschaft. Finanziert werden sollen die Projekte unter anderem mit den Einnahmen aus dem weltgrößten Börsengang in der vergangenen Woche: Der staatliche saudische Ölgigant Saudi Aramco nahm 25,6 Milliarden Dollar für 1,5 Prozent seiner Aktien ein und wurde damit zum mit Abstand wertvollsten Unternehmen der Welt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Die Milliarden, die wir mit dem Listing eingenommen haben, fließen in unseren Staatsfonds Public Investment Fund, der sie in die Diversifizierung unserer Wirtschaft investiert“, erklärte al-Dschadan. Er plant zudem weitere Privatisierungen: „Wir werden noch viele weitere Unternehmen privatisieren, vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, Wasserversorgung, Abwasseraufbereitung.“

    Mohammed al-Dschadan kündigte zudem an, dass das Land, das bis Ende nächsten Jahres erstmals den Vorsitz der Gruppe der 20 wichtigsten Industriestaaten (G20) innehat, für die „Einführung einer Digitalsteuer noch 2020“ sorgen werde.

    Das komplette Interview lesen Sie hier:

    Herr Minister, was ist das Ziel Ihres Deutschlandbesuchs?
    Wir teilen viel mit Deutschland und wollen von dem Land lernen, wie man den Mittelstand stark nutzen kann. Wir wollen, dass sich kleine und mittlere Unternehmen viel stärker bei uns engagieren. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll von 20 Prozent vor zwei Jahren auf 35 Prozent 2030 steigen. Dabei setze ich auch auf deutsche Hilfe.

    Wie soll die aussehen?
    Deutsche Firmen sollten die Chancen nutzen, die ihnen Saudi-Arabien bietet. Sie können sich beteiligen an unseren industriellen Megaprojekten, im Gesundheitswesen, im Technologiesektor, bei Wasser, Energie, Dienstleistungen, Tourismus und Unterhaltung. Deutsche Unternehmen sollten von diesen Möglichkeiten profitieren. Wir nehmen unsere bilateralen Beziehungen sehr ernst.

    Haben die sich denn normalisiert? 2017 hat der damalige deutsche Außenminister Sigmar Gabriel Riads Isolation von Katar als „abenteuerliches Vorgehen“ kritisiert. Die deutsch-saudischen Beziehungen sind seitdem stark abgekühlt.
    Wir sind auf einem deutlich besseren Weg. Deutschland ist ein wichtiger Partner für uns. Beide Regierungen haben klar erkannt, wie wichtig eine Verbesserung der Beziehung ist. Wir wollen aus Deutschland Unterstützung für unsere Reformen. Wir packen ja Dinge an wie nie zuvor. 

    Welche meinen Sie?
    Umfassende soziale Reformen wie immer mehr Jobs für Frauen, die Öffnung der Wirtschaft für mehr und mehr saudische Bürger, die Schaffung einer bisher in Saudi-Arabien ungekannten Unterhaltungsindustrie, die Öffnung des Landes durch Tourismus, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität, die Abschaffung bisheriger bürokratischer Regeln. All das hat unseren Staat in den letzten drei, vier Jahren stark nach vorn gebracht. Dafür suchen wir internationale Investoren. Deutschland hat viele erfolgreiche Mittelständler und Konzerne und kann auch bei der geplanten Digitalisierung unserer Prozesse sicher einen wichtigen Beitrag für den Umbau unserer Wirtschaft leisten. Von einer Kooperation würde beiden Seiten profitieren.

    Warum sind dann deutsche Firmen so zurückhaltend, sich in Ihrem Land zu engagieren?
    Wir sehen, dass inzwischen wieder mehr deutsche Firmen nach Saudi-Arabien kommen – auch im Unterhaltungssektor, wo wir ja erstmals sehr viel investieren. Da haben deutsche Technologieanbieter investiert und etwa in unserem Themenpark Winter-Wonderland deutsche Fahrgeschäfte, Karussells und Achterbahnen gebaut. Auch im Gesundheitssektor und in der Energiewirtschaft haben sich zahlreiche deutsche Firmen engagiert. Ich würde es aber begrüßen, wenn noch mehr kämen und sich an unseren Mega-Infrastrukturprojekten beteiligten. Da schreiben wir bedeutende Aufträge aus.

    In der vergangenen Woche ist der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse gegangen. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
    Der Aramco-IPO war sehr erfolgreich. Es war ja der größte Börsengang der Welt, das hat unserem Land viel Aufmerksamkeit beschert. Der Börsengang war fast fünffach überzeichnet und hat der Welt gezeigt, wie exzellent Aramco dasteht. Durch die nun erfolgte Teilprivatisierung wird das Unternehmen seine Effizienz und Transparenz steigern. Die Unternehmensführung wurde deutlich verbessert, ein neuer Chairman wurde ernannt, der unabhängig vom Energieministerium ist, das bisher Aramco dominiert hat. Die Welt weiß jetzt, dass Aramco der Ölkonzern ist, der am wenigsten CO2 pro gefördertem Barrel Rohöl ausstößt.

    Grafik

    Ausländische Investoren haben sich beim Gang aufs Parkett aber zurückgehalten. Was sagen Sie dazu?
    Die ausländische Beteiligung spielt beim Börsengang eine Rolle, aber auch danach. Unser Ziel war es, erst einmal an die Börse zu gehen, die Bücher von Aramco zu öffnen und damit zu zeigen, wie solide das Unternehmen ist. Ich bin sicher, dass sich jetzt auch deutlich mehr ausländische Investoren engagieren werden. Die Milliarden, die wir mit dem Listing eingenommen haben, fließen in unseren Staatsfonds „Public Investment Fund“, der sie in die Diversifizierung unserer Wirtschaft investiert. Das war der eigentliche Hintergrund des Börsengangs. Wir wollen das Geld nutzen, um unsere Wirtschaft grundlegend umzubauen.

    Was haben Sie vor?
    Wir werden noch viele weitere Unternehmen privatisieren, vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, Wasserversorgung, Abwasseraufbereitung. Das entlastet den Staatshaushalt und hilft ebenfalls dabei, neue Bereiche aufzubauen. Unser Fokus liegt auf dem Tourismus, mit dem wir Saudi-Arabien für die Welt öffnen und viele neue Jobs schaffen. Aber auch die Unterhaltungsindustrie und der Sport gehören dazu. In den Bereichen wird der Staat private Unternehmen durch Investitionen unterstützen. Das ist ein Schlüssel für unsere „Vision 2030“: Wir wollen die Privatwirtschaft viel stärker fördern und so die Effizienz unserer Wirtschaft erhöhen und die Abhängigkeit von den Öleinnahmen verringern.

    Aber es gibt Berichte, dass viele der dazu angeregten Megaprojekte faktisch gestoppt sind, vor allem der Bau der 500-Milliarden-Dollar-Stadt Neom.
    Das ist nicht wahr. Qiddiya, der riesige Entertainment-Komplex bei Riad, ist im Bau. Unser Red-Sea-Luxusresort lockt bereits Investoren an. Die 23 Milliarden Dollar teure neue Metro in Riad ist bald fertig. Wir legen in der Hauptstadt den König-Salman-Park an, mehrfach so groß wie New Yorks Central Park. Die Megaprojekte sind auf einem guten Weg, das zeigen die Zahlen: Zement-, Baustoff- und Stahlindustrie wachsen seit Monaten deutlich.

    Neom haben Sie jetzt nicht erwähnt. Ist der Bau der Superstadt gestoppt?
    Ich möchte mich hier nicht zu einzelnen Projekten äußern.

    Saudi-Arabien hat 2020 erstmals die Präsidentschaft der G20-Gruppe der weltgrößten Industriestaaten inne. Was wollen Sie erreichen?
    Mit dem Thema Inklusion und dem Investitionsprogramm „Compact with Africa“ wollen wir deutsche G20-Projekte weiter vorantreiben. Und wir setzen starke Akzente für mehr Beteiligung von Frauen und jungen Menschen und zur Stärkung des Mittelstands. Zudem wollen wir Aufmerksamkeit auf unsere Region lenken.

    Grafik

    Wie denn?
    Unsere Region, vom Golf bis weit nach Asien, braucht starke Unterstützung. Wir haben sehr viele junge Menschen, die Jobs brauchen und eine moderne Bildung. Die Region muss auch politisch unterstützt werden bei der Schaffung von Sicherheit und Stabilität. Wir sorgen für Stabilität, auch durch die Beschäftigung von Millionen Menschen aus der Region. Sie helfen unserer Wirtschaft, aber auch ihren Familien und Heimatländern.

    Verfolgen Sie auch das Herzensanliegen europäischer Politiker wie Olaf Scholz und Emmanuel Macron nach einer Mindestbesteuerung für Konzerne?
    Wir werden im Rahmen unserer Präsidentschaft die letzte Erklärung der G20 für die Einführung einer Digitalsteuer noch 2020 umsetzen. Daran arbeiten wir derzeit mit der OECD und den G20-Staaten. Bis zum Ende nächsten Jahres wollen wir eine Besteuerung der Digitalkonzerne erreichen und nehmen dazu noch Anregungen der Mitgliedstaaten für einen Konsens auf.

    Deutschland ist das Land der „schwarzen Null“. Davon ist Saudi-Arabien weit entfernt. Wie wollen Sie Ihr Haushaltsdefizit abbauen?
    Deutschland hat einen großen fiskalischen Spielraum, den wollen wir auch erreichen. Das ist ja das Ziel der „Vision 2030“, die Saudi-Arabien unabhängig von der Ölpreiskonjunktur machen soll. Wir haben die großen Haushaltsdefizite der letzten Jahre, wo sie zwölf und neun Prozent betrugen, reduziert auf 4,7 Prozent im laufenden Jahr. Dazu planen wir verstärkt Strukturreformen, mit denen wir Bürokratie für die private Wirtschaft abbauen. Das hat die Weltbank ja bereits erkannt und Saudi-Arabien als Top-Performer in der diesjährigen Doing-Business-Rangliste genannt. Diese seit drei Jahren unternommenen Anstrengungen haben uns einen großen Zufluss ausländischer Direktinvestitionen gebracht.

    Um wie viel haben die zugelegt?
    Das Wachstum der Auslandsinvestitionen betrug allein im ersten Halbjahr zehn Prozent. Und die Zahl ausländischer Unternehmen, die eine Business-Lizenz für ihre Firma in Saudi-Arabien beantragt haben, ist um 30 Prozent gestiegen, voriges Jahr schon um 98 Prozent. Es kommen immer mehr Investoren. Und das Wachstum unseres Bruttoinlandsprodukts …

    … für das der Internationale Währungsfonds in diesem Jahr nur 0,2 Prozent erwartet …
    Na ja, wir reden nur über das Nicht-Ölsektor-Wirtschaftswachstum. Hier sehen wir das Ergebnis der Diversifizierung und unserer Reformen. Im Ölsektor kommt unsere Politik zum Tragen, die Ölproduktion zu drosseln, um den Ölpreis zu stabilisieren. In den anderen Sektoren sehen wir 2,9 bis drei Prozent Wachstum dieses Jahr. Der Privatsektor wächst sogar um 8,4 Prozent. Das zeigt, dass saudische Investoren wieder Vertrauen gefasst haben.

    Grafik

    Aber warum kalkuliert Saudi-Arabien für 2020 dennoch mit einem Haushaltsdefizit von 6,4 Prozent?
    Weil wir mit der „Vision 2030“ unsere Wirtschaft und unsere Staatseinnahmen diversifizieren. Dabei ist der Trend seit vier Jahren völlig klar: Die Haushaltseinnahmen aus den Nicht-Öl-Sektoren steigen, im Schnitt um 24 Prozent jährlich. Heute machen diese Einnahmen bereits 31 Prozent des gesamten Budgets aus, nach nur zehn Prozent vor fünf Jahren. Das ist doch ein großer Erfolg und macht die Regierung schon jetzt unabhängiger von der Ölkonjunktur. Und das eröffnet uns fiskalische Spielräume, die man als Regierung nutzen muss, um die Wirtschaft weiter zu stimulieren. Mittelfristig wollen wir dann einen ausgeglichenen Staatshaushalt haben.

    Saudi-Arabien ist führendes Mitglied des Golfkooperationsrats (GCC). Wird es bald eine echte Wirtschaftsunion analog der EU am Golf geben?
    Wir haben schon eine Zollunion und gemeinsame Steuerpläne.

    Aber nicht einmal die beschlossene Mehrwertsteuer haben alle sechs Mitgliedstaaten des GCC bisher eingeführt.
    Das stimmt. Aber jeder wird es machen, und vier von sechs haben sie schon umgesetzt oder vorbereitet. Wir sehen den GCC als wichtigen Stabilitätsanker der Region und werden die Integration untereinander weiter vertiefen. Schon heute können die Bürger frei im GCC reisen, arbeiten und investieren.

    Das stimmt doch nicht mehr, seit Ihr Land mit Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten 2017 wegen vermeintlicher Terrorfinanzierung ein Embargo gegen Katar verhängt hat.
    Insgesamt geht unsere wirtschaftliche Integration weiter voran. Und ich bin sehr sicher, dass die Katarfrage sehr bald in richtiger Richtung gelöst wird.

    Herr Minister, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Der saudische Kronprinz bin Salman will mit den Einnahmen aus dem IPO von Saudi Aramco die Reformen im eigenen Land vorantreiben.

    Startseite
    Mehr zu: Mohammed al-Dschadan im Interview - Saudischer Finanzminister ruft deutsche Firmen zu stärkerem Engagement am Golf auf
    1 Kommentar zu "Mohammed al-Dschadan im Interview: Saudischer Finanzminister ruft deutsche Firmen zu stärkerem Engagement am Golf auf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • .....und das Geld auch dazu benutzen alle Gegener im In - und Ausland zu ermorden......

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%