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Moon Jae In Südkoreas Präsident will mit Eisenbahnen Frieden in Asien stiften

Südkorea plant ein innerkoreanisches Bahnprojekt. Doch das ist nur der Anfang: Präsident Moon träumt bereits von einer nordostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft.
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Südkoreas Präsident schwebt eine „nordostasiatische Eisenbahngemeinschaft“ vor, die irgendwann Japan, China, Russland, die Mongolei und auch Südkoreas Alliierten USA in einem Bund zusammenbringen könnte. Quelle: dpa
Moon Jae In

Südkoreas Präsident schwebt eine „nordostasiatische Eisenbahngemeinschaft“ vor, die irgendwann Japan, China, Russland, die Mongolei und auch Südkoreas Alliierten USA in einem Bund zusammenbringen könnte.

(Foto: dpa)

Tokio Gedenktage sind in Korea eine Gelegenheit für große Reden – und große Visionen. So kündigte Südkoreas Präsident Moon Jae In am heutigen Mittwoch, 73 Jahre nach der Befreiung und 70 Jahre nach der Gründung der Republik Korea, an, bis Ende des Jahres Straßen- und Eisenbahnstrecken zwischen Nord- und Südkorea zu verbinden. Ein erster kleiner Schritt auf dem Weg zu seiner Vision einer nordostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Die innerkoreanischen Eisenbahnverbindungen sollen dabei das Zentrum bilden. Künftig will Moon eine „Eisenbahngemeinschaft“, die Japan, China, Russland, die Mongolei und auch Südkoreas Alliierten USA in einem Bund zusammenbringen könnte. Als Vorbild dient dabei die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl von 1951, die in den 1950er Jahren die Keimzelle zur Europäischen Union bildete.

Moons Plan ist dabei Teil der Friedensinitiative zwischen beiden koreanischen Staaten. Die Verbindung der Verkehrswege zwischen Nord- und Südkorea wurde bereits beim ersten Gipfeltreffen zwischen Moon und Nordkoreas Führer Kim Jong Un im April vereinbart. Ob sie umgesetzt werden kann, hängt zwar letztlich von den laufenden Atomverhandlungen zwischen den USA und Nordkorea über eine Denuklearisierung des Nordens ab.

Dennoch ist für Moon die innerkoreanische Annäherung unabdingbar. „Wir müssen die Teilung für unser Überleben und unsere Entwicklung überwinden“, appellierte er im Fernsehen an die Bürger.

Eine politische Vereinigung wie in Deutschland liegt für ihn zwar noch in ferner Zukunft. Aber „Frieden zwischen dem Süden und Norden zu stiften, ungehindert einander besuchen zu können, eine Wirtschaftsgemeinschaft zu bilden, ist eine Befreiung für uns.“

Zusammenarbeit entlang der Schienenstränge

Von Moons Eisenbahngemeinschaft wäre es dann nur noch ein kurzer Weg zu einer dauerhaften Friedensstruktur. Doch so fantastisch seine Vision klingt, ähnliche Ideen einer Gemeinschaft werden immer wieder lanciert.

Der amerikanische Energieexperte Robert Williams vom Andlinger Center for Energy and The Environment der Princeton-Universität hat beispielsweise vorgeschlagen, mit klimafreundlicher Verstromung von sibirischem Gas für den südkoreanischen Markt Nordkoreas Führung zuerst von einer Abschaffung seiner Atombomben zu überzeugen und dann ein mögliches Abkommen abzusichern.

Als Durchleitungsgebühr könnte der Norden Strom aus den Hochspannungsleitungen abzapfen, wirbt Williams. Außerdem könnte so ein panasiatischer Stromverbund entstehen, mit Russland als Gaslieferant, China als Erbauer des notwendigen Ultrahochspannungsnetzes und Südkorea (und vielleicht Japan) als Zahlmeister.

Nordkorea-Experten halten die Stoßrichtung zwar für richtig, den Plan aber für zu komplex. Eisenbahnen lassen sich da schon einfacher und vor allem schneller verbinden. Die Zusammenarbeit kann dann entlang der Schienenstränge wachsen, meint Moon.

Diese Eisenbahngemeinschaft werde zu einem Energie- und Wirtschaftsblock in Nordostasien führen und damit die Grundlage für friedliche Koexistenz und Wohlstand in der Region legen, verheißt der Präsident. „Und dies wird den Start zu einem multilateralen Sicherheitssystem in Nordostasien legen.“

Kollision mit der heutigen Realität

Doch wie so viele Feiertagsreden hat auch diese einen Haken: Sie kollidiert bisher noch mit der Realität. Erstens kann Südkorea dem Norden nicht massiv helfen, solange die internationalen Sanktionen gegen Kims Regime nicht aufgehoben werden. Und die Strafmaßnahmen sind an eine atomare Entwaffnung des Nordens gebunden.

Zweitens ist noch nicht klar, ob die USA und Nordkorea ihre Verhandlungen erfolgreich abschließen oder wieder den Konflikt suchen werden. Die erste Verhandlungsrunde nach dem ersten Gipfeltreffen zwischen den USA und Nordkorea endete mit Misstönen. Demnächst reist US-Außenminister Mike Pompeo erneut nach Nordkorea, um die Gräben vielleicht doch noch zu überbrücken.

Drittens ist offen, ob Chinas wirtschaftlicher und militärischer Aufstieg in Asien Frieden oder Konflikt stiften wird.

Und viertens flammt der Geschichtsstreit zwischen Korea und Japan gerade wieder auf. Und der besitzt Sprengkraft für das nachbarschaftliche Verhältnis der beiden Länder. Bei dem Streit geht es längst nicht nur um Japans Annexion Koreas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen die Kriegsprostituierten der japanischen Streitkräfte. Auch viele junge Koreanerinnen wurden gezwungen, als „Trostfrauen“ den Soldaten zu dienen.

2015 schlossen die japanische und südkoreanische Regierung unter der damaligen konservativen südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye zwar ein Abkommen ab. Die Außenminister beider Länder versprachen damals, dass sie damit diesen ewigen Streitpunkt zwischen beiden Staaten „abschließend und unwiderruflich“ beilegen würden. Doch der linke Präsident Moon nannte das Abkommen diese Woche „ernstlich fehlerhaft“.

Er kündigte das Abkommen zwar nicht offiziell auf. Aber er versprach, Japan erneut auf eine Entschuldigung zu drängen, die im Gegensatz zu den bisherigen Versuchen von den Opfern anerkannt werden könnten. Seines Erachtens gibt es keine diplomatische Lösung. „Die Frage der Trostfrauen für Japans Militär kann nur wirklich gelöst werden, wenn die Würde und Ehre der Opfer wiederhergestellt und ihre gebrochenen Herzen geheilt sind“, sagte Moon am Dienstag. „Ich hoffe, dass dieser Punkt nicht zu einem diplomatischen Disput zwischen Südkorea und Japan führen wird.“

Doch wahrscheinlich wird der Konflikt wenigstens weiter schwelen. Japans Kaiser Akihito drückte zwar am Mittwoch seine „tiefe Reue“ über die Taten aus, die Japans Soldaten im Namen seines Vaters verübt hatten. Aber Japans konservativer Ministerpräsident Shinzo Abe meint, dass sich Japan oft genug entschuldigt hat. Und er gab keinerlei Anzeichen, dass er Moon entgegenkommen will.

Im Gegenteil, am Jahrestag des Kriegsendes spendete er wieder Geld für den shintoistischen Yasukuni-Schrein, der vielen Asiaten und linken Japanern als Symbol des Imperialismus gilt. Denn wird neben den 2,4 Millionen Kriegstoten auch 14 verurteilten japanischen Kriegsverbrechern gedacht. Und so bleibt Moons große Vision einer nordostasiatischen Gemeinschaft vorerst wohl nur eines: eine schöne Feiertagsrede. Aber die Züge könnten vielleicht bald trotzdem schon rollen.

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