Moskauer Muskelspiele Russland stationiert atomwaffenfähige Raketen an Außengrenzen

Mitten in der angespannten Lage zwischen Ost und West demonstriert Russland militärische Stärke. Jetzt will Moskau sogar atomwaffenfähige Raketen und Langstreckenbomber an einigen Außengrenzen stationieren.
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Nach mehreren Drohungen in der Vergangenheit macht Moskau nun offenbar ernst: In Reichweite zu EU-Zielen sollen atomwaffenfähige Raketen vom Typ „Iskander“ installiert werden. Quelle: AFP
Russland will Stärke zeigen

Nach mehreren Drohungen in der Vergangenheit macht Moskau nun offenbar ernst: In Reichweite zu EU-Zielen sollen atomwaffenfähige Raketen vom Typ „Iskander“ installiert werden.

(Foto: AFP)

Moskau/BerlinRussland will als Teil seiner derzeit laufenden Großmanöver Raketen sowie Langstreckenbomber an einigen Außengrenzen stationieren. Das bestätigte ein Beamter des russischen Verteidigungsministeriums am Dienstag der Nachrichtenagentur AP.

Die polnische Regierungschefin Ewa Kopacz deutete diesen Schritt als Drohgebärde, um Druck auf die EU-Staaten vor den Beratungen über neue Sanktionen gegen Russland auszuüben. Unklar blieb zunächst, ob die Waffen auf Dauer stationiert bleiben sollen.

Unter anderem sollen Iskander-Raketen in der baltischen Exklave Kaliningrad aufgestellt werden, die an die Nato-Mitglieder Polen und Litauen grenzt. Dieser Raketentyp der jüngsten Generation kann auch mit nuklearen Sprengköpfen versehen werden und trifft Ziele in einer Entfernung von bis zu 500 Kilometern. Auf die Schwarzmeerhalbinsel Krim, die Russland vor einem Jahr von der Ukraine annektierte, sollen zudem Langstreckenbomber vom Typ Tu-22M3 geschickt werden.

„Russland macht diese Geste vor dem Treffen des Europäischen Rates“, sagte Kopacz im Bezug auf den Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag in Brüssel. „Es versucht damit, die Entscheidungen des Europäischen Rates über eine mögliche Ausweitung der alten Sanktionen oder neue zu beeinflussen.“

Allerdings sagte der lettische Außenminister Edgards Rinkevics, er rechne nicht damit, dass auf dem Gipfel am Donnerstag über neue Strafmaßnahmen gegen Russland wegen des Ukraine-Konflikts gesprochen oder entschieden werde. Lettland hat derzeit turnusgemäß die EU-Präsidentschaft inne.

Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte am Dienstag seinerseits erklärt, Teile der russischen Streitkräfte seien im Rahmen der Manöver in höchste Gefechtsbereitschaft versetzt worden. Davon betroffen sind Einheiten der Ostseeflotte, des südlichen Militärbereichs und Luftwaffeneinheiten. Einige Kriegsschiffe hätten die Barentssee, ein Randmeer des Nordpolarmeeres, erreicht.

Präsident Wladimir Putin hatte am Montag ein fünftägiges Manöver im Nordpolarmeer angeordnet. Aber auch in anderen Landesteilen wie Südsibirien und Südwestrussland finden Übungen statt. Sie umfassen Zehntausende Soldaten von der Arktik bis zum Pazifischen Ozean.

An der Übung in der Arktis sollen 38.000 Soldaten, mehr als 50 Schiffe und U-Boote sowie 110 Flugzeuge beteiligt sein. Ziel sei es, die Bereitschaft der russischen Nordmeerflotte zu überprüfen und die Fähigkeit des Militärs zu testen, zusätzliche Kräfte aus Zentral-Russland zu entsenden.

Russland hatte bereits mehrfach damit gedroht, Iskander-Raketen in Kaliningrad aufzustellen, um auf die Verteidigungspläne der Nato zu reagieren. Im vergangenen Dezember wurden bereits einige dieser Raketen dort kurz aufgestellt, dann aber wieder zurückgezogen.

In der Exklave stationierte Raketen könnten Ziele in mehreren Nato-Mitgliederstaaten treffen. Einige Beobachter meinen, Moskau könne den Ukraine-Konflikt nutzen, um die Raketen in Kaliningrad dauerhaft zu stationieren.

Der polnische Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak sagte am Dienstag, Flugabwehrraketen vom Typ Patriot würden im Laufe des Märzes für Übungen nach Polen gebracht. Daran sollen nach früheren Angaben in diesem Jahr rund 10.000 ausländische Soldaten teilnehmen – so viele wie nie zuvor.

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5 Kommentare zu "Moskauer Muskelspiele: Russland stationiert atomwaffenfähige Raketen an Außengrenzen"

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  • Baltische Exklave Kaliningrad?

    Nicht vergessen : Der Westen agiert, Putin reagiert.

  • @Herr never mind
    Was ist denn mit Ihnen los? Was für Ängste denn? Das bisschen Getue beeindruckt doch niemanden, die meisten bekommen noch nicht mal was davon mit. Die einzigen die das beeindruckt sind die russischen Faschisten, weil die dafür dumm genug sind. "Hört, hört, die Lage war so ernst, ich hättes fast die Atomwaffen in Bereitschaft versetzen lassen." "Bohhrrr, wie krass Alder..." ; D

  • Putin hat nicht angefangen, auch wenn das unsere Staatsmedien immer wieder behaupten. Der Maidan war vom Westen (mit-)gesteuert. Die Krim als potenziellen NATO-Stützpunkt wollte und musste Putin verhindern. Ansonsten ist Putin ebensowenig ein Engel wie ALLE seine westlihen Gegenpieler. Und: Was geht uns die Ukraine an?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • gut so ! und jetzt sollte die Nato noch ein paar Raketen irgendwo stationieren ud damit sind fast 30 Jahre Entspannung futsch wegen ein paar Putschisten in Kiew die unbedingt von den EU Bürokraten unterstützt werden mussten. ;Meine Kinder freuen sich dass sie nun die Ängste der 50er, 60er, 70er Jahre auch erleben düren. Zum Kotzen !

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