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Münchner Sicherheitskonferenz Friedensaktivist Ellsberg warnt vor neuem atomaren Wettrüsten

Die Aufkündigung des INF-Vertrags durch Russland und die USA alarmiert den Friedensaktivisten und Whistleblower Daniel Ellsberg.
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Friedensaktivist Daniel Ellsberg und seine Frau Patricia Marx Ellsberg bei der „Cinema for Peace Gala“ in Berlin im Februar 2019. Quelle: dpa
Daniel und Patricia Ellsberg

Friedensaktivist Daniel Ellsberg und seine Frau Patricia Marx Ellsberg bei der „Cinema for Peace Gala“ in Berlin im Februar 2019.

(Foto: dpa)

München Mit dem nuklearen Wettrüsten meldet sich auch die Friedensbewegung zurück. Kurz vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hat der amerikanische Friedensaktivist und Whistleblower Daniel Ellsberg vor einem neuen atomaren Rüstungswettlauf gewarnt.

Die Aufkündigung des INF-Vertrages durch Russland und die USA verheißt nichts Gutes“, warnte der 87-Jährige auf einer Veranstaltung der Künstlerinitiative „Cinema for Peace“ in München. Beide Seiten rüsteten sich für einen neuen Wettlauf mit Nuklearwaffen. Moskau und Washington hatten den Rüstungskontrollvertrag für atomare Mittelstreckenraketen kürzlich aufgekündigt.

Die Warnung aus dem Munde von Ellsberg hat deshalb besonderes Gewicht, weil er als Militäranalyst während des Kalten Krieges die Nuklearstrategie der USA mit ausgearbeitet hat und 1971 durch die Veröffentlichung der sogenannten Pentagon-Papiere weltberühmt wurde. Die damals geheimen Papiere enthüllten, dass die USA weit vor dem Eingreifen in Vietnam den dortigen Krieg lange geplant hatten.

Ellsberg kopierte 7000 Militärdokumente heimlich und übergab sie der „New York Times“ und der „Washington Post“. Der Filmregisseur Steven Spielberg verfilmte 2017 das historische Drama in dem Hollywood-Streifen „The Post“ (Die Verlegerin).

Auch in München war es eine illustre Runde von Künstlern wie der Schauspielerin Nastassja Kinski und der Sängerin Anna-Maria Kaufmann, die Ellsbergs Friedensaufruf lauschten und unterstützten. „Die Sicherheitskonferenz braucht eine Greta Thunberg“, sagte der Amerikaner in Anspielung auf den gleichnamigen schwedischen Teenager, der gerade mit seinem Kampf gegen den Klimawandel weltweit Schlagzeilen macht.

Offensichtlich war Ellsberg selbst gewillt, die Rolle des Störenfrieds zu übernehmen und griff neben dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auch die Nato hart an: „Generalsekretär Jens Stoltenberg behauptet, die Nato wende sich entschlossen gegen die Verbreitung von Nuklear-Waffen. Das ist eine Lüge“, behauptete Ellsberg und verwies darauf, dass schon seit langer Zeit keine vertrauensvollen Verhandlungen mehr über den Atomwaffensperrvertrag stattgefunden hätten.

In grausigen Details beschrieb der frisch gekürte Träger des Olof Palme Friedenspreises das Zerstörungspotenzial von Atomwaffen und betonte, dass die Atommächte heute immer noch glauben würden, dass sich ein Nuklearkrieg geografisch begrenzen ließe. „Daran hat schon mein früherer Chef, der US-Verteidigungsminister Robert McNamara, nicht geglaubt“, sagte der trotz seines hohen Alters überaus agile Ellsberg.

Der vom Kriegsplaner zum Friedensaktivisten gewandelte Amerikaner bezweifelte, dass auch nur einer der in München anwesenden 30 Verteidigungsminister wüsste, welche Zerstörungskraft Nuklearwaffen wirklich hätten und welche Ziele im Visier der modernen Atombomben stünden. „Ich befürchte, dass nach der Aufkündigung des INF-Vertrages auch der sogenannte Start-Vertrag über strategische Nuklearwaffen in Gefahr ist“, sagte der rüstige Aktivist.

Ob Ellsberg auch auf der an diesem Freitag beginnenden Sicherheitskonferenz seinen Friedensappell loswerden kann, ist unklar. Man sei in Verhandlungen mit dem Veranstalter, hieß es aus seinem Umfeld.

Während er seine Künstler-Runde mit auf eine Geisterfahrt durch die Geschichte der atomaren Aufrüstung nahm, diskutierten die ersten MSC-Teilnehmer im Vorprogramm der Konferenz unter dem Titel „Vom Kalten Krieg zu Star Wars“ über das Wettrüsten im All.

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