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Munich Security Conference Die Jedi-Ritter aus Europa machen sich bereit für die digitale Aufholjagd

Europa will China und den USA die Tech-Führerschaft nicht kampflos überlassen. Zahlreiche Forschungsprojekte sollen demonstrieren: Europa will mitmischen.
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Europa nimmt die technologische Herausforderung an – mit JEDI, dem europäischen Pendant zur amerikanischen DARPA. Quelle: Imago
Kampf um die Tech-Führerschaft

Europa nimmt die technologische Herausforderung an – mit JEDI, dem europäischen Pendant zur amerikanischen DARPA.

(Foto: Imago)

MünchenDer Kontrast könnte kaum größer sein: Während die USA und China derzeit um die globale Technologieführerschaft ringen, bläst Europa auf der Münchner Sicherheitskonferenz zur Aufholjagd. Die Joint European Disruptive Initiative, kurz JEDI genannt, will ein Werkzeug entwickeln, mit dem in Echtzeit Fake News und gefälschte Videos (Deep Fakes) als solche enttarnt werden können.

JEDI ist das europäische Pendant zur amerikanischen Defence Advanced Research Projects Agency, besser bekannt unter dem Kürzel DARPA. Die US-Innovationsagentur ist so etwas wie der Goldstandard für technischen Fortschritt, seit ihr Vorläufer ARPA als Geburtshelfer des Internets fungierte.

Dass die Europäer sich die USA zum Vorbild nehmen, ist aber auch deshalb passend, weil DARPA aus einem Schockerlebnis entstand: Dem ersten Weltraumsatelliten Sputnik, den die damalige Sowjetunion 1957 ins All katapultierte.

Auch Europa steht unter einem Technologie-Schock, wie in München deutlich wurde. „Wir dürfen es nicht externen Plattformen aus den USA überlassen, uns von Falschmeldungen in den sozialen Medien zu befreien“, begründete JEDI-Sprecher André Losekrug-Pietri das erste von bislang 40 geplanten europäischen Forschungsprojekten, das von zehn großen europäischen Medienhäusern finanziert wird und noch vor den Europa-Wahlen Ende Mai auf den Weg gebracht werden soll.

„Europa hat jetzt die Chance, die Technologieführerschaft zurückzuerobern“, glaubt der Franzose, der sich als Technologieinvestor einen Namen gemacht hat. Fake News seien eine tödliche Bedrohung für die Demokratie, weil sie das Vertrauen in ihren öffentlichen Diskurs untergraben würden.

Mit seinen rund 3000 beteiligten Forschungsinstituten, Tech-Start-ups und Risikokapitalgebern aus zehn europäischen Ländern, ist JEDI noch weit davon entfernt, den legendären Jedi-Rittern aus dem Kinohit „Star Wars“ alle Ehre zu machen. Zumal die gemeinsame Kraftanstrengung der Europäer immer wieder durch nationale Alleingänge behindert wird. Auch Deutschland leistet sich eine eigene Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen.

Steigendes Misstrauen in Europa

Dennoch zeige Europa mit JEDI, dass es bereit sei, die technologische Herausforderung durch die USA und China anzunehmen, betont Losekrug-Pietri. Tatsächlich wird die Technologiedebatte in Europa im Moment vor allem von Abwehrmaßnahmen dominiert, was sich besonders im wachsenden Misstrauen gegenüber chinesischen Technologiefirmen wie dem Telekomausrüster Huawei bemerkbar macht.

„Es ist zwar richtig, dass die USA und Europa sich gegen den Technologieklau Chinas wehren. Doch die Art und Weise, wie die Trump-Administration dabei vorgeht, unterminiert die multilaterale Ordnung“, warnte Ben Rhodes, ehemaliger Sicherheitsberater des früheren US-Präsidenten Barack Obama, in München.

Ähnlich äußerte sich auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der sich auf der Sicherheitskonferenz ebenfalls für eine regel-basierte Welthandelsordnung unter Aufsicht der WTO stark machte. Der SPD-Politiker kritisierte aber nicht nur die US-Regierung, sondern auch die Führung in Peking. Zusammen mit Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), monierte er die oft undurchsichtige Kreditvergabe Chinas an Entwicklungsländer. Scholz und Lagarde forderten Peking auf, dem Pariser Club beizutreten, der Umschuldungen für in Finanznot geratene Länder regelt.

Dass ökonomische Fragen in München eine prominente Rolle spielen, zeigt, in welch engem Zusammenhang nationale Sicherheit, Technologie und Handel gesehen werden. Was nicht nur damit zu tun hat, dass US-Präsident Donald Trump seine Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte unter dem Vorwand nationaler Sicherheitsbedenken erhoben hat. Vielmehr spielen neue digitale Technologien in der Sicherheitsdebatte eine immer größere Rolle – sei es in Form von Wahlmanipulationen durch gezielte Fake News in sozialen Medien oder durch von Künstlicher Intelligenz gesteuerte Waffensysteme.

Hinzu kommt, dass der Freihandel, der in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich zu Wohlstand und Frieden in der Welt beigetragen hat, neuerdings als Waffe im geopolitischen Wettbewerb genutzt wird. „Während der Welthandel seit 1970 stark gewachsen ist, sind die militärischen Konflikte deutlich zurückgegangen“, sagte die amtierende Weltbank-Präsidentin Kristalina Georgiewa.

Zustimmung kam auch von Henry Huiya Wang, Präsident des chinesischen Zentrums für Globalisierung: „Freihandel und Auslandsinvestitionen haben mit dazu beigetragen, dass es keinen dritten Weltkrieg gegeben hat.“ Immerhin in dieser Frage sind sich alle Beteiligten einig.

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