Nach Abwertung durch Fitch Portugal wehrt sich gegen „Finanzanarchie“

Die Gewerkschaften lehnen sich mit einem Generalstreik gegen den harten Sparkurs der Regierung auf. Der Ratingagentur Fitch geht die Sanierung des Landes dagegen nicht weit genug - und stuft Portugal als „Ramsch“ ein.
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Gewerkschaftler beim Generalstreik in Porto. Quelle: dapd

Gewerkschaftler beim Generalstreik in Porto.

(Foto: dapd)

MadridDie Signale konnten kaum gegensätzlicher sein. Während die beiden großen portugiesischen Gewerkschaften zum Generalstreik und für den Nachmittag zu Massendemonstrationen gegen die Sparpolitik der Regierung aufrufen, schickt die Ratingagentur Fitch eine unmissverständliche Warnung an das iberische Krisenland: Fitch stufte Portugals Bonität von BBB- auf BB+ und damit auf Ramsch-Status herab.

Angesichts der schlechten Wirtschaftsaussichten und hohen Verschuldung aller Sektoren sei ein Investment-Grade Rating nicht mehr gerechtfertigt, hieß es zur Begründung von Fitch. Ebenso wie die EU-Kommission erwartet die Ratingagentur für das nächste Jahr eine Schrumpfung der portugiesischen Wirtschaft um nicht weniger als drei Prozent – das ist schlimmer als noch bei der Verabschiedung des 78 Milliarden Euro schweren Rettungspakets im Frühjahr angenommen.

Daher bestünde ein großes Risiko, dass Portugals Regierung ihr Defizit nicht wie vereinbart bis 2013 auf drei Prozent des BIP senken könne. Immerhin sei der Haushalt 2012 gut und realistisch, lobte Fitch.

Genau dieser Haushalt erzürnt jedoch die Gemüter der portugiesischen Linken derzeit besonders. Denn das Budgetgesetz, welches gerade im Parlament debattiert wird und die Neuverschuldung nächstes Jahr auf 4,5 Prozent senken soll, sieht neue Zumutungen wie die Abschaffung der Weihnachts- und Sommerzuschläge für Beamten und Rentner, die Erhöhung des Arbeitstages um eine halbe Stunde sowie die mögliche Eliminierung von vier Feiertagen vor.

Die Maßnahmen seien nötig im Krieg gegen „die Tyrannei“, der Schulden, erklärte Finanzminister Vítor Gaspar. „Nie mehr dürfen wir uns von den Verlockungen der Verschuldung verleiten lassen“, warnte in der gleichen Parlamentsdebatte Premier Pedro Passos Coelho.

Gegen die "internationale Finanzanarchie"
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18 Kommentare zu "Nach Abwertung durch Fitch: Portugal wehrt sich gegen „internationale Finanzanarchie“"

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  • Wer wenig hat, kann sich das bischen auch noch zerstören.

  • Zum sich selbst ruinieren muss ich vorher was besitzen. Ich glaube, Sie kennen die Verhältnisse des Landes nicht. Portugal ist ein Drama in unzähligen Akten, wo zwar reiche Europäer sich gerne einen Wohnsitz erwerben zu Preisen, bei dem es dem Durchhschnitsportugiesen schwindelig wird, aber wo für den Einheimischen schon seit sehr langer Zeit Armut der Alltag ist. Es ist dort nicht unüblich, um sich das Wasser am Dorfbrunnen zu holen, weil man es ansonsten nicht zahlen kann (z.B. in Monchique) und ich spreche da von der arbeitenden Bevölkerung. Für Portugal war der Euro und auch Barroso die absolute Katastrophe.

  • Warum hatte D denn gerade Probleme, um sich noch frisches Geld zu besorgen? Doch genau deshalb, weil man es als immer unwahrscheinlicher ansieht, dass D zahlungsfähig bleiben wird. Und die Zinsen steigen ja auch nun für D nicht unwesentlich (mahr als 10 % in einer Woche gemessen am Niveau von letzter Woche). Und was ist die politische Antwort: eine noch weitere Verstrickung der Verhältnisse.
    Wobei es doch viel besser wäre, um sich eben nicht mitrunter ziehen zu lassen. Dann könnte man ja nach dem doch erfolgenden Zusammenbruch hinterher vielleicht noch helfen, dass die Leute in Gr etc. zumindest nicht verhungern.
    Aber nein, lieber verhungert man gemeinsam und lässt dem Grosskapital genügend Schlupflöcher, dass die sich dann das ganze Debakel im Fernseher am Swimming Pool ansehen können.

  • Griechenland, Irland, Spanien, Italien, Ungarn....und in kürze sicher auch Frankreich und Deutschland....

    Das soll ein Zufall sein?
    "Plötzlich" merkt man das alle bis ins Mark verschuldet sin, waren sie das aber nicht auch schon vor Jahren?
    Warum hat die angeblichen "Märkte" ihr "Vertrauen" nicht schon vor Jahren in die damas bereit überschuldeten Staaten verloren? Die Schulden sind doch nicht wirklich erst ein neuzeitliches Phänomen!

    Was uns als Sparmaßnahmen verkauft wird bezieht sich doch ausschließlich nur auf die kleinen Leute.
    Während Finanzindustrie und Großindustrie weiterhin mit Milliarden Summen subventioniert werden.
    Gerade hat Deutschlands oberster Sklaventreiber-Lobbyist -von den Medien auch gern verharmlosend Arbeitgeberpräsident Hundt genannt- mal wieder den "mahnenden Finger" der Vernunft erhoben. Er will das das Kurzarbeitergeld fortgeführt wird. Natürlich nur damit er keine armen Mitarbeiter entlassen muss. Es geht ihm natürlich nicht um die fette Tränke des Kurzarbeitergeldes.....natürlich nicht....
    Stimmt schon, alle profitieren von diesem "friedlichen" Europa und seiner Euro-Religion...zumindest alles was "oben sitzt"...

    Allmählich wird jedes Land in Europa "vernünftig sparend" in die düsteren sozialen Ver-hältnisse zur Zeit der Industriealisierung zurück gebeamt.

    Ganze Regierungen werden von Brüssel abgesetzt und ohne Wahlen der Völker gegen "Vernünftige" Lobbyisten ausgetauscht!

    Alles auf Wunsch und drängen unseres fürsorglichen Brüsseler "Politbüros".Alles nur zu unser aller "Besten".

    Wann wachen Europas Bürger endlich auf und stoppen diesen Brüsseler Hintertür-Kommunismus a`la EU?

  • @empire2002 ... und 2010 hätte das tausende von Schweizern fast den Job gekostet! Da haben die Schweizer beschlossen auch den Euro einzuführen (quasi) ...

  • Generalstreiks und Massendemos werden nun sicher nicht die wirtschaftliche Leistung von Portugal verbessern. Im Gegenteil, die Einkommen und die Steueraufkommen werden sinken.

    Falls die Gewerkschaften ihre Drohungen wahrmachen, dürften wohl auch die Exporte von Tourismusumsätzen abnehmen. Man kann sich auch selbst ruinieren.

  • Leider kommen die "europäischen" Politiker meist aus der Provinz, in den meisten Ländern. Deshalb denken Sie auch in Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik eher wie die Agrarier mit den größten Feldfrüchten. Sie können schlicht nicht nachvollziehen, dass so manch anderer Ihrer Kollegen das Wort "Kredit" mit "Geschenk" übersetzt und treuhänderischer Umgang mit dem Vermögen der Staatsbürger als "Ach, alles für mich?! Fein!".
    Regionale Vielfalt zum Vorteil der Gemeinschaft einzusetzen erfordert eben Kreativität, Vorstellungskraft, Überzeugung und Mut. Mit so gewaltigen und kraftvollen Wurzeln wie der des "alten" Europas müsste es doch mehr als armselig sein, keinen wertschöpfenden Platz für jeden Europäer in der Gemeinschaft zu finden.
    Ein schwindendes Währungsvertrauen weist zwar grundsätzlich auf Armseligkeit hin, aber das kann sich auch wieder ändern. Eines allerdings ist leider nur zu wahr: Kollektive Konsenssosse oder Wechsel auf die organisierte Verantwortungslosigkeit in Form von Eurobonds beliebiger Höhe wird diese Veränderung nicht bewirken.

  • Es soll wohl auf eine Art EU "Laenderfinanzausgleich" hinaus laufen? Schmeisst alle Einnahmen in einen Topf und lasst die Mehrheit der armen Laender demokratisch entscheiden, wie das Geld verteilt werden soll...

    In der Natur muessen kranke Bueffel halt sterben. Denn die ganze Herde leidet, wenn sie nocht weiter zieht, sondern bei den Kranken und Schwachen bleibt.

    Das Allerletzte ist aber der unfassbar naive Versuch, den Glaeubigern die Zinsen vorschreiben zu wollen, zu denen sie Geld verleihen! Seht CH und GB an und zu welchen Konditionen diese Laender sich langfristig Geld leihen koennen. Weder ESFS noch die EZB kommt dagegen an. Schon der Versuch ist aberwitzig und spiegelt die Arrogranz gepaart mit Unwissenheit der Politiker wieder.

    Ja wer muss denn bald die Verluste der EZB tragen? Richtig, zu > 25% die Bundesbank. Wobei sich der Club Med bereit hunderte Milliarden geliehen hat, ueber die nur selten berichtet wird. Die aufgekauften Anleihen verloren doch bereits an Wert. Diese Verluste steigen, wenn die Zinsen weiter steigen. Zehn Jahre mal 6% oder mal 7,23%, was ist wohl interessanter fuer den Markt beim gleichen Schuldner? Jenseits einer Legitimation wird auch hier durch die EZB Volksvermoegen vernichtet.
    Der Markt duerfte bald Deutschland als ebenfals schwach einstufen und dann koennten sich die zu zahlenden Zinsen verdoppeln. Wer erklaert dann unseren Enkeln, weshalb das Land anderen Laendern und auslaendischen Banken helfen musste? Ach ja - wer wird denn in GR gerettet? Vielmehr werden die Glaeubiger gerettet, die Bonds gekauft haben! GR verkaufte ja diese Bonds und bekam hunderte Milliarden dafuer...

  • Immer dieser Mist mit dem Euro. Kein mensch weiß, wo wir stehen würden, wenn es noch die Einzelwährungen gäbe.
    Wir haben eine Überschuldung fast aller Länder. Was hat das mit dem Euro zu tun ?
    Wir lassen uns ständig von den Angelsachsen einreden, es läge am Euro. Wollen wir allen erstes die Einzelwährungen zurück ? Das kann ich einfach nicht glauben.

  • Zeig mir jemand mal ein einziges Land, welches wegen seiner starken Währung kaputt gegangen ist....richtig, es gibt keins denn es hat alle Mittel zur Regulierung selbst in der Hand. Der Euro ist kollektiver Untergang.

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