Nach dem Nordkorea-Gipfel US-Präsident Trump jagt Japan und Südkorea Angst ein

Nach dem Gipfeltreffen mit Kim Jong Un schwärmt der US-Präsident von einem „gigantischen Erfolg“. Doch in Südkorea und Japan geht die Angst um.
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Donald Trump jagt Japan und Südkorea Angst ein Quelle: AP
Angst um Sicherheit

Seit Jahrzehnten führen die USA und Südkorea gemeinsame Militärübungen durch. Sie gelten als Sicherheitsgarantie.

(Foto: AP)

Singapur, Washington, DüsseldorfDonald Trump wäre nicht Donald Trump, würde ihm für seine „historische Leistung“ in Singapur am Tag eins nach dem Nordkorea-Gipfel nicht noch eine Steigerung einfallen.

Als „gigantischen Erfolg“ bezeichnete der US-Präsident das Treffen mit Kim Jong Un im Interview mit seinem Lieblingssender Fox News. Er schwärmte geradezu von dem nordkoreanischen Diktator, der riesige Straflager für politisch Andersdenkende unterhält und der sein Volk verarmen lässt. Kim sei „stark und lustig“. Und vor allem auch „schlau“.

Fox-Moderator Sean Hannity, ein enger Vertrauter des US-Präsidenten, konfrontierte Trump mit seinen früheren Verbalattacken gegen Kim. Noch vor einigen Monaten hatte Trump den Nordkoreaner als „kleinen Raketenmann“ verspottet und ihm mit „Feuer und Wut“ gedroht.

Nun sagte Trump, das sei alles Taktik gewesen, um endlich Bewegung in den Nordkorea-Konflikt zu bringen. Und der Präsident gab aufschlussreiche Einblicke in das, was er „Diplomatie“ nennt: Ohne Drohungen sei keine Verständigung möglich, erklärte er und ergänzte: „Ich denke, ohne meine harte Rhetorik wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen.“

Donald Trump, der große Dealmaker. Nicht überall allerdings wird die Euphorie geteilt. Führende Republikaner aus dem US-Kongress sehen den Gipfel skeptisch. Dass sich Pjöngjang tatsächlich auf nachhaltige, belastbare Zugeständnisse einlässt, daran glaubt man auf dem Capitol Hill noch nicht. Tatsächlich ist die Atombombe so etwas wie eine Lebensversicherung des Diktators.

Kritisch sehen viele Republikaner auch Trumps kumpelhaftes Auftreten mit Kim. Der republikanische Senator Marco Rubio sagte, Kim sei „ein totaler Irrer“. Der Senator Jerry Moran sagte, Trumps Lob für Kim sei „sicherlich nicht der Stil, wie ich einen Diktator, Despoten und Tyrannen beschreiben würde“, und der Senator John Kennedy bezeichnete Kim als „Schlächter seiner eigenen Leute“. Trump scheint sich die Bedenken zumindest anhören zu wollen: Als sich Vizepräsident Mike Pence am Dienstag mit republikanischen Senatoren traf, ließ sich Trump aus der Air Force One per Telefon dazuschalten.

Die Hauptsorge der Republikaner ist, dass das Weiße Haus den US-Kongress übergehen könnte. „Ein finales Abkommen mit Nordkorea sollte die Form eines  Vertrags  haben“, forderte der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell. „Dieser wird dem Kongress zur Abstimmung vorgelegt werden müssen.“ Trumps Bruch mit dem Iranabkommen hatte allen vor Augen geführt, wie schnell internationale Absprachen rückgängig gemacht werden können, wenn sie vom Kongress nur als einfaches Gesetz beschlossen werden. Eine Wiederholung wollen die Republikaner im Fall Nordkoreas vermeiden.

Aufrüstung in Japan und Südkorea?

Die größte Sorge der Republikaner allerdings ist, dass die USA langfristig ihre Truppen aus Südkorea abziehen könnten und damit einem wichtigen Verbündeten militärischen Schutz entzögen. „Das darf nicht passieren, auf keinen Fall“, warnte die Senatorin Joni Ernst.

Tatsächlich fürchten Südkorea und Japan um ihre Sicherheit. Vor allem die Tatsache, dass Trump die gemeinsamen Militärmanöver einstellen will, hat Seoul irritiert. Abgesprochen war es jedenfalls nicht.

Deutlich wurde Japans Regierung, die weiter auf harte Sanktionen gegen Nordkorea drängt. „Die Übungen und die Stationierung des US-Militärs in Asien spielen eine vitale Rolle in Ostasiens Sicherheitsstruktur“, mahnte Japans Verteidigungsminister Itsunori Onodera. Und er hoffe, diese Sicht mit den USA und Südkorea zu teilen.

Auch Sicherheitsexperten teilen die Sorge. „Die Absage der US-Beteiligung an den Manövern und das Gerede vom Abzug der US-Streitkräfte gefährdet die US-Südkorea-Allianz und den Nichtverbreitungsvertrag von Atomwaffen“, warnt Bruce Bennett vom US-Thinktank Rand Corporation. Denn im Falle eines Truppenabzugs könnte Südkorea zur Atombombe greifen, ebenso Japan.

Der US-Regierung ist die Verunsicherung ihrer Verbündeten bewusst. US-Außenminister Mike Pompeo flog am Mittwoch nach Südkorea. Dort wird er zuerst den Kommandeur der US-Truppen, Vincent Brooks, informieren. Südkoreas Präsident Moon Jae In muss sich bis Donnerstag gedulden, genauso Japans Außenminister Taro Kono.

Das einzige Land, in dem die Euphorie über den Singapurgipfel keine Grenzen kennt, ist Nordkorea. Die Untertanen Kim Jong Uns erfuhren aus den Parteizeitungen von dem „Treffen des Jahrhunderts“. Ihr Führer im entspannten Gespräch mit dem US-Präsidenten: Von einer solchen Aufwertung des Landes hätte noch vor drei Monaten in Nordkorea niemand zu träumen gewagt.

Das war der Gipfel – diese Bilder von Trump und Kim gehen aus Singapur um die Welt
Historisches Abkommen
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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump reichen sich nach der Unterzeichnung der gemeinsamen Vereinbarung in Singapur die Hand. Noch nie ist ein amtierender US-Präsident mit einem amtierenden nordkoreanischen Staatschef zu offiziellen Gesprächen zusammengetroffen.

Neustart der Beziehungen
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In der Vereinbarung wird zudem die vollständige Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel angestrebt.

Von Pjöngjang nach Singapur
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Mit einer von Air China gecharterten Boeing 747 reiste Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am Sonntagabend nach Singapur.

Ankunft in der Nacht
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Ebenfalls am späten Sonntagabend kam US-Präsident Donald Trump mit der Air Force One in Singapur an.

Ein Selfie mit dem Dikator
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Am Montag wurden Donald Trump und Kim Jong Un – getrennt voneinander – von singapurischen Spitzenpolitikern empfangen. Dabei entstand dieses Selfie, welches Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan (l.) auf seinem Twitter-Account geteilt hat.

Präsidiale Kolonne
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Am Morgen vor dem Gipfeltreffen wird US-Präsident Trump mit seiner Wagenkolonne, bestehend aus mehreren gepanzerten Limousinen des US-Herstellers Cadillac, zum Luxushotel auf der Insel Sentosa gebracht.

Kim Jong Un auf dem Weg zum Gipfel
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Der nordkoreanische Machthaber setzt auf deutsche Wertarbeit. Er wird in einem gepanzerten Mercedes-Benz S600 Pullman zum Gipfeltreffen gefahren, begleitet von einer Limousine aus dem Hause Maybach.

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3 Kommentare zu "Nach dem Nordkorea-Gipfel: US-Präsident Trump jagt Japan und Südkorea Angst ein"

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  • @Herr Hans Henseler
    13.06.2018, 19:04 Uhr

    "Nordkorea hat weder Interesse noch Potential fuer einen Angriffskrieg."

    Nortkorea hat eine der größten Armeen der Erde

    https://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea#Milit%C3%A4r

    und

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Streitkr%C3%A4fte#Liste

  • Glaubt denn jemand ernsthaft, dass Trump nur Mercedes und BMW unsympathisch findet? Weshalb sollte er KIA oder Hyundai mehr mögen?

    Trump weiß genau, wie er seine Wirtschaftsgegner, Südkorea ist einer davon, schädigt.

  • Was aus dem "deal", der noch keiner ist, wird weiss niemand - nicht einmal Trump. Aber ich
    bin sicher, die "Angst" vor Nordkorea in Suedkorea oder Japan ist herbeigeredet. Nordkorea
    hat weder Interesse noch Potential fuer einen Angriffskrieg. Lassen wir die Dinge auf uns
    zukommen - schlechter oder bedrohlicher ist die Situation auf keinen Fall.

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