Nach dem Veto Großbritannien diskutiert über EU-Austritt

Beobachter werten das britische Nein beim EU-Gipfel als Fiasko. Jetzt diskutiert das Land über den EU-Austritt. Wissenschaftler halten ihn für möglich, Politiker warnen davor, aber viele Briten hätten nichts dagegen.
Update: 12.12.2011 - 15:11 Uhr 45 Kommentare
Titelseite der britischen Boulevard-Zeitung "The Sun": Cameron als Churchill. Quelle: AFP

Titelseite der britischen Boulevard-Zeitung "The Sun": Cameron als Churchill.

(Foto: AFP)

LondonNach dem Nein zu einer EU-Vertragsreform hält der Londoner Politologe Anthony Glees einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für möglich. „Wenn man nach 50 Jahren europäischer Zusammenarbeit immer noch skeptisch ist, dann ist man eigentlich nie für die Europäische Union zu gewinnen“, sagte Glees, Professor an der Buckingham University, am Montag im Deutschlandfunk.

In der EU sei es wie in einer Ehe: „In einer Ehe müssen beide Partner glücklich sein. Wenn einer nicht mehr will, dann ist die Ehe aus.“ Mit seiner EU-skeptischen Haltung stoße Premierminister David Cameron auf viel Zustimmung in der britischen Bevölkerung. „Das ist die große Gefahr für Europa, für Cameron, aber auch für Großbritannien“, sagte Glees.

Auch der Chef der Liberaldemokraten, Nick Clegg, äußerte sich besorgt. Es bestehe nun die Gefahr, dass Großbritannien innerhalb der Europäischen Union isoliert und an den Rand gedrängt werde, sagte er in britischen Medien. Die europafreundlichen Liberaldemokraten bilden zusammen mit den konservativen Tories von Premierminister David Cameron die Regierung in London. Sie hatten bei den Koalitionsverhandlungen gegen die Anti-Europa-Haltung einiger Tories gekämpft.

Clegg betonte zwar, dass die Koalition durch die Meinungsverschiedenheit nicht in Gefahr sei. Er sagte aber auch: „Ich bin über die Ergebnisse des Gipfels von letzter Woche bitter enttäuscht. “Er werde nun alles tun, dass aus „diesem Rückschritt keine dauerhafte Trennung wird“, erklärte Clegg. „Ich glaube nicht, dass das gut für die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist, ob in der Londoner City oder sonst wo, und ich glaube nicht, dass das für das Wachstum und die Familien im Land gut ist.“

48 Prozent der Briten wollen raus aus der EU
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45 Kommentare zu "Nach dem Veto: Großbritannien diskutiert über EU-Austritt"

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  • wie will ich denn über eigene Belange entscheiden, wenn ich zuvor meine Rest-Kompetenzen abgegeben habe?

  • Europe, or an attempt of a united Europe, has been compromised, by economic incompetence of the politicians involved. There is a simple fact, proven over and over again, you cannot have a common currency without a common government. All previous attempts to use a common currency shared by different economies have failed. On top of that, to include Britain in a European get-together was another major mistake. Sometimes, when reading the Economist, they are not in Europe, they must be a powerful continent that we are not yet aware of. I lived in Europe and travelled extensively when i was a student, a United Europe already existed in the minds of young Europeans some 60 years ago. It took politicians 60 years to accomplish nothing. Just go ahead an create a United States of Europe, or whatever it's called, and it will work. Britain will come begging for admission after that. And the Euro will work. Unfortunately, all current Euro negotiations are conducted among people who know little or nothing about economics. Germany has a minister of economics who has not one second of training or experience in economics or finance. They have a foreign minister who is hardly in control of the English language, but covers up with arrogance. It is very sad that young people's dreams of a United Europe have been totally wrecked by short term thinking, or no real thinking at all, to achieve nothing but chaos in the last 60 years.

  • Ursprünglich wollte ich auf diesem Forum einen sachlichen Kommentar abgeben, aber jetzt stelle ich fest, auf welches Niveau einge Schreiberlinge abgeglitten sind - da möchte ich mich nun doch nicht einreihen!

  • Nach allen Informationen, die das "Gemeine Volk" in Deutschland vor und nach der Euro Einführung bezügl. GB und EU bekommen hat, muss man
    bezweifeln, dass zumindest in Deutschland der Anteil der Bürger, die ein Ausscheren von GB aus der EU beweinen würden, höher als 50% ist.
    Die EU scheint wirtschaftlich nicht so viel von GB zu profitieren wie umgekehrt, also bleibt nur der politische Aspekt, und auch da zieht wohl GB nicht immer an einem Strang mit der EU.

  • Diese ganze Anti-Eu, Schwarzmalerei- und Verschwörungstheorien nerven.

    Was maßen sie sich eigentlich alle an, über die Meinungen und Ansichten ganzer Völker und Nationen zu spekulieren ?

    Zum Kotzen diese ewigen Meckerdiskussionen.

    Ressourcenausbeutung, CO2-Klimabelastung,Klimawandel, alles BLABLABLA.

    Das gabs vor 500 Jahren auch schon und damals besaß noch keiner 2,5 Tonnen schwere, 500 PS starke Geländewagen.

    Dass der Klimawandel durch CO2 verursacht wird ist wissenschaftlich nicht bewiesen und es gibt genauso viele Forscher, die eine andere Meinung vertreten.
    Diese werden nur leider nicht gehört.

  • Liebe(r)Wienchen,16.47: 60 Jahre Frieden in Europa sind unprecedented, absolut und unbedingt zu verteidigen.
    Auch die Menschen auf dem Sechsten Kontinent (Britannien) freuen sich darüber.
    Ich bin selber nicht mehr jung. Aber als Blair den Krieg in den Irak brachte(Saddam hätte anderweitig beseitigt werden können), der eine Büchse der Pandora öffnete und sechshunderttausend Menschen den Tod brachte (es gibt da unterschiedl. Schätzungen, einige noch höher), hat er Europa gespalten u. den Krieg ausgelagert, eine alte brit. Spezialität. Merkel hätte mitgemacht.
    Ich finde persönlich zwei Prinzipien sehr nützlich: Heftige Debatten und Konflikte sollten nicht gescheut werden, auch negative Gefühle dürfen auf den Tisch.
    So munter und leidenschaftlich die Debatte auch sein mag, so gibt es (zweitens) einen Grundrespekt. Den setze ich voraus und sehe ich in den obigen Kommentaren nicht verletzt.
    Es ist hingegen gerade die schreckliche Harmoniesoße, die immer wieder zu falscher Symbolpolitik geführt hat - wie die vorschnell verbreitete Einheitswährung. Ich hätte eine wirkliche Macht für die gewählten Vertreter im EU-Parlament vorgezogen, mit e in e m Finanzminister, jetzt erzwingt die Krise so etwas ähnliches.
    So empfand ich beispielsweise die 70er Jahre in Großbritannien als beinahe idyllisch: Es war ein enorm entspanntes, lockeres Land, in dem sich die Menschen gegenseitig geachtet haben. Dann kam Thatcher und eroberte die Malvinas. Heute regieren Angst, Unsicherheit und falscher Stolz dort; Leute aus der verachteten Unterschicht, die während der riots Shampoo oder sonstwas geklaut haben, sind zu J a h r en im Gefängnis verurteilt worden.
    Yes, indeed, Britannia waives the rules.

  • Diese Diskussionen zeigen nur, dass die Kommentatoren noch nicht so lange auf der Welt sind um zu begreifen, was 60 Jahre und mehr Frieden auf dem Kontinent ausmachen.
    Wenn man dann noch bedenkt in diesen 60 Jahren selbst gelebt zu haben (die Eltern und Ureltern hatten 2 Weltkriege) dann wäre es doch nicht zuviel einmal nachzudenken, wie dies erreicht wurde. Mit Viel Tamtam um leere Worthülsen bis hin zur Beleidigung. Ich wüßte zu gerne einmal den Altersdurchschnitt der Diskutanten.
    Viel Freude noch beim sinnlosen ereifern.

  • @StefanS
    Also von mir aus... erst den Euro auf "die Müllhalde der Geschichte" werfen, dann nachschauen was von der EU noch am Friedlichen und Sonstigen übrig bleibt, und eventuell einen - ganz, ganz vorsichtigen, von imperialer Sucht befreiten und Deutschland nicht diskriminierenden - Neuanfang wagen.

  • @Naschfreudiger: Und ich lehne Menschen mit Ihrem Sprachjargon ab. Sie eröffnen grunsätzlich Diskussionen in denen sie provozieren und gezielt diskreditieren. Solche Leute gehen mir gehörig gegen den Strich, Dampfplauderer und ander Schwätzer, die mit "EU-Dreck", "EUdssr" oder "Elitenprogramm" inhaltsleere Kampagnen fahren und damit gezielt Ängste schüren.

    Nun zu Ihrem angeblich sachlichen Beitrag. Erstens, der Euro ist nicht die EU. Die EU geht in ihren Wurzeln bis ins Jahr 1952 zurück. Der Euro wurde erst in den 90ern geschaffen. Wir haben 27 Länder in der EU, aber nur 17 im Währungsraum.

    Zweifelsohne gibt es Probleme innerhalb der Währungsunion. Deshalb aber die gesamte EU in Frage zu stellen ist schon selten dämlich. Immerhin hat die EU den Einigungsprozess vorangetrieben. Aus diesem Integrationsprozess sind große gemeinsame Projekte, wie Airbus, die ESA oder der EUGH hervorgegangen. Die EU garantiert den Verbraucherschutz, hat Grenzen beseitigt und Europa in einer neuen Welt mit aufstrebenden Regionen (Indien, China, Südamerika) eine gewichtete Stimme verliehen. Gerade beim Umweltschutz gäbe es ohne die EU kaum Fortschritte.

    Und nun kommen sie daher und stellen diese 60 Jahre Erfolg in Frage, nur weil sie mit der Währungsunion unzufrieden sind. Das ist einfach nur armselig!

  • richtig, nur das Eis ist halt sehr dünn.

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