Nach den Anschlägen von Paris Brüsseler Appartement diente Pariser Terroristen als Bombenfabrik

Eine Wohnung in Brüssel soll die Bombenfabrik für die Terroranschläge von Paris gewesen sein. Das teilte die belgische Staatsanwaltschaft am Freitag mit.
Update: 08.01.2016 - 11:41 Uhr
In Belgien wurden die Anschläge von Paris vorbereitet. Quelle: dpa
Polizei in Brüssel

In Belgien wurden die Anschläge von Paris vorbereitet.

(Foto: dpa)

BrüsselEine Wohnung in Brüssel soll die Bombenfabrik für die Terroranschläge von Paris gewesen sein. Das teilte die belgische Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Bei der Terrorserie am 13. November waren 130 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft teilte darüber hinaus mit, bei einer Razzia Anfang Dezember seien Spuren eines flüchtigen Verdächtigen der Terroranschläge entdeckt worden. Es seien Fingerabdrücke des mutmaßlichen Mittäters Salah Abdeslam sowie drei selbst hergestellte Gürtel gefunden worden, die zum Transport von Sprengstoff hätten benutzt werden können. Salah Abdeslam soll bei den Angriffen für die Logistik zuständig gewesen sein.

Die sozialen Brennpunkte der Republik
Soziale Brennpunkte
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Sinnbilder gescheiterter Integration: In den französischen Banlieues – urbanisierte Bereiche in den Randgebieten der Großstädte – herrscht Armut, Hass und Hoffnungslosigkeit. Die Bewohner der Banlieues fühlen sich ausgegrenzt und diskriminiert und lassen ihrer Wut regelmäßig freien Lauf.

Zuflucht für Migranten
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Viele Bewohner der Vorstädte – wie hier in Bobigny nahe Paris – haben einen Migrationshintergrund. Ein großer Teil der Bevölkerung stammt aus den ehemaligen französischen Kolonien in Nordafrika. Plattenbauten und Hochhäuser sind charakteristisch für das Leben in dieser Region.

Wut und Hass
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Bilder wie diese sieht man häufig: Unzufriedene Jugendliche, die ihren Unmut öffentlich kundtun. Arbeitslosigkeit ist nach wie vor ein großes Problem: Durchschnittlich ist jeder Vierte ohne Job, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt die Quote bei über 40 Prozent.

Kriminalität
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Dementsprechend groß ist die Gefahr für Jugendliche, innerhalb der Banlieues auf die schiefe Bahn zu geraten. Angst und Gewalt gehören zum Alltagsleben dazu. Eine amtliche Kriminalitätsrate gibt es nicht, die Dunkelziffer dürfte allerdings erschreckend hoch sein. In der Vergangenheit wurde in Frankreich darüber diskutiert, Kriminellen mit Migrationshintergrund die französische Staatsbürgerschaft zu entziehen – was wiederum wütende Reaktionen der Bewohner der Randzonen hervorrief.

Clichy-sous-Bois
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Hier, in Clichy-sous-Bois, entlud sich die Gewalt 2005 in einem großen Knall: In dieser Randgemeinde östlich von Paris flüchten am 27. Oktober zwei Jugendliche mit maghrebinischem Migrationshintergrund vor der Polizei. Während der Verfolgung erleiden sie in einem Transformationshäuschen einen tödlichen Stromschlag. Es folgen schwere Unruhen in den französischen Banlieues: Aufgebrachte Bewohner – vorwiegend Jugendliche – liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei, zünden Autos an und zerstören alles, was sie nur zerstören können.

Unruhen in den Vorstädten
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Die Unruhen in den Banlieues dauern rund drei Wochen an: Zunächst in Clichy-sous-Bois, dann in anderen Pariser Vorstädten und schließlich im gesamten Land. Nachts verwandelt sich Frankreich in ein Schlachtfeld. Schulen, Kindergärten, Rathäuser und andere öffentliche Gebäude werden beschädigt und zerstört, Polizisten und Feuerwehrleute gezielt attackiert. Es ist eine Form des gewalttätigen Protestes, die Frankreich überrascht.

Ausgebrannte Autos
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Stellvertretend für die Gewaltspirale: Eine Reihe ausgebrannter Autos. Mehr als 10.000 Autos gingen landesweit in Flammen auf. Zeitweise musste gar der öffentliche Nahverkehr eingestellt werden, da zahlreiche Busse beworfen und angezündet worden waren.

Die Polizei habe zudem Material zur Herstellung von Sprengstoff sowie Spuren des hochexplosiven Acetonperoxid gefunden, hieß es. Die Durchsuchung der Wohnung in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek habe bereits am 10. Dezember stattgefunden. Das Appartement sei von einer Person mit falscher Identität gemietet worden. Diese falsche Identität könne von einer der zehn Verdächtigen genutzt worden sein, die in Belgien in Zusammenhang mit den Anschlägen vom 13. November in Paris festgenommen worden seien.

Unter den Angreifern waren drei Selbstmordattentäter, darunter Abdeslams Bruder Brahim. Einige der Attentäter von Paris hatten in Belgien gewohnt, darunter der mutmaßliche Drahtzieher der Angriffe, Abdelhamid Abaaoud. Er war im November bei einer Razzia in Paris von der Polizei getötet worden.

  • ap
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