Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Nach Explosion Demonstranten stürmen Ministerien in Beirut – ein Toter und mehr als 200 Verletzte

Nach der verheerenden Explosion im Libanon entlädt sich die Wut auf die Regierung. Ministerpräsident Hassan Diab schlägt vorgezogene Wahlen vor.
08.08.2020 Update: 09.08.2020 - 15:24 Uhr Kommentieren
Die Demonstranten im Libanon machen die staatliche Führung für die Situation im Land verantwortlich. Quelle: dpa
Proteste in Beirut

Die Demonstranten im Libanon machen die staatliche Führung für die Situation im Land verantwortlich.

(Foto: dpa)

Berlin, Beirut Vier Tage nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut haben Tausende Libanesen um die Opfer getrauert und gegen die politische Elite des Landes protestiert. Sie versammelten sich am Samstag auf dem Märtyrer-Platz im Zentrum der libanesischen Hauptstadt. Im libanesischen Sender MTV war zu sehen, wie Demonstranten versuchten, die Absperrungen zum Parlament zu durchbrechen. Sprechchöre waren zu hören, unter anderem „Revolution, Revolution“.

Bei den Protesten fielen zudem Schüsse. Einem Polizeisprecher zufolge wurde ein Polizeibeamter getötet. Nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes wurden mehr als 200 Menschen verletzt. Ins Krankenhaus seien 32 Personen eingeliefert worden, zitieren örtliche Medien die Hilfsorganisation.

Einige Demonstranten stürmten das Gebäude der Bankenvereinigung. Andere drangen in das Außen-, das Wirtschaft- und das Energieministerium ein, wie lokale Medien meldeten. Der getötete Polizist habe Menschen helfen wollen, die in einem Hotel im Zentrum Beiruts festgesessen hätten, erklärten die Sicherheitskräfte.

Viele Menschen im Libanon machen die Regierung für die Explosion mit mehr als 150 Toten und rund 5000 Verletzten verantwortlich. „Der Aufstand und die Revolution gehen weiter“, sagte einer der Demonstranten zu MTV. Präsident Michael Aoun, Regierungschef Hassan Diab und die gesamte politische Führungsspitze seien für die Katastrophe verantwortlich. Bereits im vergangenen Oktober hatte es Massenproteste gegen die Regierung gegeben. Die Demonstranten fordern weitgehende politische Reformen. Sie werfen der politischen Elite Korruption vor.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ministerpräsident schlägt vorgezogene Wahlen vor

    Der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab schlug daraufhin vorgezogene Wahlen vor. Er werde einen entsprechenden Gesetzesentwurf einbringen, kündigte Diab an. Dies sei der einzige Weg, um die tiefe Krise des Landes zu überwinden, erklärte er. Diab wies eine Verantwortung für die wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes aber zurück.

    Alle politischen Parteien sollten ihre Differenzen beilegen und zusammenarbeiten. Er selbst sei bereit, für zwei weitere Monate im Amt zu bleiben. Dadurch solle die Politik genügend Zeit bekommen, Strukturreformen durchzusetzen, ergänzte Diab. Einen möglichen Termin für Neuwahlen nannte er nicht. Die nächsten Wahlen ständen eigentlich im Jahr 2022 an.

    Unterstützung aus Deutschland

    Zu der internationalen Geberkonferenz für den Libanon werden nach französischen Angaben Vertreter von rund 30 Staaten und Organisationen erwartet. An der Videoschalte am Sonntag (14.00 Uhr) wolle auch US-Präsident Donald Trump teilnehmen, wie der Élyséepalast unmittelbar vor dem Treffen mitteilte. Von Seiten der Vereinten Nationen, die das Treffen gemeinsam mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron organisieren, werden UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock und Vize-Generalsekretärin Amina Mohammed erwartet. Deutschland werde durch Außenminister Heiko Maas (SPD) vertreten.

    Teilnehmen werden nach Pariser Angaben auch mehrere europäische Regierungschefs, unter ihnen Giuseppe Conte aus Italien oder Pedro Sanchez aus Spanien. Auch der libanesische Staatschef Michel Aoun steht auf der Teilnehmerliste. Für Deutschland nimmt Außenminister Heiko Maas teil.

    Das Deutsche Rote Kreuz hat bereits 43 Tonnen Hilfsgüter in die libanesische Hauptstadt geflogen. Ein Airbus mit der Fracht hob am Samstag auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld ab und sollte in der Nacht in Beirut landen. Nach Angaben des DRK umfasst die Hilfslieferung Verbandsmaterialien, Decken, Erste-Hilfe-Sets und Werkzeuge für den Bau von Notunterkünften. Auch Küchenutensilien, Eimer, Hygienepakete sowie medizinische Güter und Covid-19-Schutzausstattung wie Masken und Schutzanzüge gehören dazu.

    „Die Lage vor Ort ist katastrophal“, sagte DRK-Generalsekretär Christian Reuter. „Bis zu 300.000 Menschen haben durch die Explosion ihre Wohnungen verloren. Deshalb wird dieser Hilfstransport sicherlich nicht der letzte sein.“ Reuter verwies darauf, dass das Auswärtige Amt das DRK mit 1,5 Millionen Euro unterstütze. Der Bedarf an internationaler Hilfe für die Menschen im Libanon bleibe auf Monate hinaus sehr groß. Daher rufe das DRK zu Spenden auf.

    Auch Bundesaußenminister Heiko Maas kündigte zehn Millionen Euro Soforthilfe für den Libanon an. „Die Menschen in Beirut brauchen unsere Hilfe und sie brauchen Anlass zur Hoffnung“, sagt Maas der „Bild am Sonntag“ einem Vorabbericht zufolge. „Ich freue mich sehr, dass ich heute von Seiten der Bundesregierung weitere zehn Millionen Euro für Soforthilfemaßnahmen zusagen kann.“ Dem Bericht zufolge spricht sich Maas auch für Reformen im Libanon aus, ohne die es weder nachhaltigen Wandel noch Stabilität geben werde.

    EU stellt 63 Millionen Euro bereit

    Die EU stellt über ihren Gemeinschaftshaushalt zusätzliche 30 Millionen Euro für Nothilfen für den Libanon bereit. Das Geld ergänzt den Betrag von 33 Millionen Euro, der bereits direkt nach der Explosionskatastrophe in Beirut zugesagt worden war, wie die EU-Kommission am Sonntag zur Online-Geberkonferenz mitteilte. Es solle über die Vereinten Nationen und andere Organisationen unter strenger Überwachung in den Libanon fließen und zur Versorgung der am stärksten betroffenen Menschen eingesetzt werden.

    „In diesen kritischen Stunden stellt die EU Unterkünfte, medizinische Notversorgung, Wasser- und Sanitärversorgung sowie Nahrungsmittelhilfen bereit“, erklärte der für Krisenhilfe zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic. Die Europäische Union sei entschlossen, dem libanesischen Volk kurz- und langfristig zu helfen.

    Mehr: Führende Vertreter des Beiruter Hafens sind festgenommen worden, die Ermittlungen dauern an. Doch für den Wiederaufbau benötigt der Libanon internationale Hilfe.

    • dpa
    Startseite
    Mehr zu: Nach Explosion - Demonstranten stürmen Ministerien in Beirut – ein Toter und mehr als 200 Verletzte
    0 Kommentare zu "Nach Explosion: Demonstranten stürmen Ministerien in Beirut – ein Toter und mehr als 200 Verletzte"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%