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Nach Festnahmen Polizeichef Istanbuls verliert Posten

Millionen Dollar in Schuhkartons, eine Banknoten-Zählmaschine bei einem Ministersohn: Der Korruptionsskandal in der Türkei weitet sich aus. Ministerpräsident Erdogan spricht von einer Kampagne gegen seine Regierung.
19.12.2013 - 16:58 Uhr Kommentieren
Der Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Zusammenhang mit den Untersuchungen über Schmiergeldzahlungen nimmt zu. Quelle: ap

Der Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Zusammenhang mit den Untersuchungen über Schmiergeldzahlungen nimmt zu.

(Foto: ap)

Istanbul Nach den Festnahmen wegen Korruptionsvorwürfen in der Türkei ist der Istanbuler Polizeichef seines Postens enthoben worden. Hüseyin Capkin bestätigte seine Abberufung als Polizeichef der größten türkischen Stadt am Donnerstag Medienberichten zufolge. Der Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Zusammenhang mit den Untersuchungen über Schmiergeldzahlungen nahm indes zu. Zu den Festgenommenen zählen drei Ministersöhne, darunter der Sohn von Innenminister Muammer Güler, der der Polizei vorsteht. Erdogan sprach am Mittwochabend von einer „sehr dreckigen Operation“ gegen seine islamisch-konservative Regierung.

Unter den Dutzenden Festgenommenen sind auch der Direktor der staatlichen Halkbank, Süleyman Aslan, ein Bürgermeister der Regierungspartei AKP und regierungsnahe Geschäftsleute. Bereits am Mittwoch waren mehrere leitende Polizisten versetzt worden, darunter auch solche, die mit der Anti-Korruptions-Operation befasst gewesen waren. Bei den Untersuchungen geht es unter anderem um Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit illegal erteilten Baugenehmigungen und mögliche illegale Geschäfte mit dem Iran zur Umgehung internationaler Sanktionen.

Türkische Medien werteten die Razzien als einen Angriff der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen auf die Erdogan-Regierung. Gülen wird großer Einfluss innerhalb der Polizei und Justiz in der Türkei nachgesagt. Zwischen der mächtigen Gülen-Bewegung und Erdogan-Anhängern eskaliert seit Wochen ein Konflikt, der das islamische Lager spaltet. Die zur Gülen-Bewegung gehörende Zeitung „Today's Zaman“ berichtete am Donnerstag, der Prediger weise jede Verantwortung für die Razzien zurück.

Erdogan sagte Medienberichten zufolge, die jüngste „sehr dreckige Operation“ habe dasselbe Ziel wie die landesweiten Proteste im Sommer, nämlich den Sturz seiner Regierung. Den Verschwörern aus dem In- und Ausland gehe es darum, den wirtschaftlichen Aufstieg der Türkei zu unterminieren. Die größte Oppositionspartei CHP forderte den Rücktritt Erdogans.

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    Örtliche Medien berichteten am Donnerstag über potenziell belastende Funde der Polizei bei den Razzien, darunter große Mengen Bargeld. „Today's Zaman“ meldete unter Berufung auf Justizkreise, bei Bankmanager Aslan seien 4,5 Millionen US-Dollar (3,3 Millionen Euro) in Schuhkartons gefunden und beschlagnahmt worden. Die Zeitung veröffentlichte zudem ein Foto, auf dem neben Bargeldstapeln eine Banknoten-Zählmaschine abgebildet ist. Sie wurde dem Blatt zufolge beim Sohn des Innenministers entdeckt.

    • dpa
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