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Donald Trump

Der US-Präsident wehrte sich zunächst per Twitter – dann auf Fox News.

(Foto: dpa)

Nach Geständnis „Geschichten ausgedacht“ – Trump wirft Ex-Anwalt Cohen Lügen und Unfähigkeit vor

Der US-Präsident zieht auf Twitter über seinen Ex-Anwalt her. Im Fall seines schuldig gesprochenen Wahlkampfmanagers Manafort denkt er offenbar an Begnadigung.
Update: 23.08.2018 - 07:51 Uhr Kommentieren

DüsseldorfDie Nacht ließ Donald Trump stumm vergehen. Kein Twitter-Kommentar vom US-Präsidenten zu den Anschuldigungen seines ehemaligen Anwalts Michael Cohen. Der hatte am Dienstag vor einem Gericht in New York ausgesagt, Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen seien „in Absprache mit einem Kandidaten für ein Bundesamt“ getätigt worden – Donald Trump.

Am Mittwochmorgen Washingtoner Zeit setzte sich der Präsident dann zur Wehr. „Wenn irgendjemand auf der Suche nach einem guten Anwalt ist, würde ich ihm stark raten, nicht die Dienste von Michael Cohen in Anspruch zu nehmen!“ Cohen habe sich „Geschichten ausgedacht“, um einen „Deal“ zu bekommen, twitterte Trump. Am Donnerstagmorgen wütete er schließlich final bei Twitter: „Keine Absprache – alles Hexenjagd!“

In einem Interview mit dem konservativen US-Sender Fox News wiedersprach Trump den eidesstattlichen Aussagen seines Ex-Anwaltes direkt. Er habe erst im Nachhinein von den Zahlungen an die beiden Frauen erfahren, sagte er in den vorab veröffentlichten Ausschnitten. Das Geld sei außerdem nicht aus den Töpfen zur Wahlkampffinanzierung gekommen. Es habe sich dabei um sein eigenes Geld gehandelt, so Trump.

Cohen, bis vor wenigen Monaten einer der engsten Vertrauten des US-Präsidenten, dürfte sich von seinem Geständnis in acht Anklagepunkten Strafmilderung versprechen. Er gab Verstöße gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung, Steuerhinterziehung und Falschaussage gegenüber einer Bank zu.

Republikanische Parteifreunde verteidigten Trump. Zu dem Zeitpunkt, als Trump von Cohen belastet worden war, gab es vom zweithöchsten Republikaner im US-Senat zwar donnernde Kritik: „Personen, die Schlechtes tun, die das Gesetz brechen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, erklärte John Cornyn. Kurz darauf schob der Senator allerdings eine Klarstellung hinterher: Der Satz beziehe sich nicht auf den Präsidenten.

Auch einer der bekanntesten Strafverteidiger der USA, Alan Dershowitz, glaubt nicht daran, dass Donald Trump gegen das Gesetz verstoßen hat. „Wir sind weit von einer amtsenthebungswürdigen Straftat oder einem kriminellen Delikt des Präsidenten entfernt“, sagte er dem Sender Fox News.

Auch zu seinem ehemaligen Wahlkampfmanager äußerte sich Trump via Twitter: „Ich fühle mich sehr schlecht wegen Paul Manafort und seiner wunderbaren Familie. Die sogenannte ‚Justiz‘ nimmt einen zwölf Jahre alten Steuerfall und wendet enormen Druck auf ihn an.“ Im Gegensatz zu Michael Cohen sei Manafort standhaft geblieben und habe sich nicht dem Druck der Ermittlungen gebeugt.

Manafort wurde in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia wegen Finanzbetrug in acht Fällen schuldig gesprochen. Zum gleichen Zeitpunkt sagte Cohen in New York aus. Manafort hatte zuvor – anders als jetzt Cohen – auf nicht schuldig plädiert. Insgesamt führten die Staatsanwälte 18 Anklagepunkte gegen Manafort an. In den anderen zehn Punkten erreichte die Jury keine Einigung.

Das Strafmaß steht noch aus, doch offenbar denkt Trump über eine Begnadigung Manaforts nach. Fox-Reporterin Ainsley Earhardt zufolge hat der US-Präsident in dem Interview mit dem TV-Sender die mögliche Begnadigung erwähnt. „Ich denke, er fühlt sich schlecht wegen Manafort. Sie waren Freunde“, sagte die Journalistin am Mittwochabend (Ortszeit) im Fox-Programm. Das vollständige Interview soll am Donnerstagmorgen ausgestrahlt werden.

Norman Eisen, ein ehemaliger Sonderberater des Weißen Hauses, bezeichnete die Verurteilung Manaforts in der „New York Times“ als bisher „größten Sieg“ von Sonderermittler Robert Mueller. Die Demokratin Nancy Pelosi twitterte, dass der Schuldspruch gegen Paul Manafort und die Aussage Michael Cohens weitere Beweise für die ungezügelte Korruption und Kriminalität von Trump und seinem nahen Umfeld seien.

Die Verfahren gegen Cohen und Manafort sind aus den Untersuchungen des FBI-Sonderermittlers Robert Mueller hervorgegangen. Dieser prüft, ob es im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Beeinflussung der Präsidentenwahl 2016 durch Russland Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gegeben hat. Trump und die Regierung in Moskau haben diese Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

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