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Nach Giftanschlag Nawalny nach Ankunft in Russland festgenommen

Der Kremlkritiker ist in Russland festgenommen worden. Noch vor Abflug in Berlin hatte er sich zuversichtlich gegeben.
17.01.2021 Update: 18.01.2021 - 00:43 Uhr Kommentieren
Journalisten umgeben Alexej Nawalny im Flugzeug, mit dem er von Berlin Schönefeld aus nach Moskau fliegt. Quelle: dpa
Kremlgegner Nawalny kehrt nach Russland zurück

Journalisten umgeben Alexej Nawalny im Flugzeug, mit dem er von Berlin Schönefeld aus nach Moskau fliegt.

(Foto: dpa)

Moskau Erst musste die Maschine länger über Moskau kreisen, um dann auf einem anderen als dem geplanten Flughafen zu landen. Dort durften die Passagiere längere Zeit nicht aussteigen. Als sich die Türen des Fliegers der russischen Billigfluglinie Pobeda mit der Flugnummer DP 936 öffneten, wurde der mit einer giftgrünen Jacke bekleidete Kremlkritiker Alexej Nawalny noch am Flughafen verhaftet.

Direkt vor dem Abflug in Berlin hatte er sich zuversichtlich gezeigt, nicht festgenommen zu werden: „Das ist unmöglich, ich bin ein unschuldiger Mann“, sagte der russische Oppositionspolitiker am Terminal des Berliner Flughafens BER. Er sei „sehr glücklich“, sagte er beim Boarding.

Die russische Justiz hatte zuvor einen Haftbefehl ausgefertigt und ihn zur Fahndung ausgeschrieben. Nawalny werden zwei Dinge zur Last gelegt, seit er nach seiner Vergiftung im August in Deutschland behandelt worden ist: Er habe Bewährungsauflagen, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden, nicht eingehalten. Und er soll laut den Ermittlungsbehörden Spendengelder für seine im Kampf gegen Korruption engagierte Organisation für sich selbst verwendet haben.

Vor knapp fünf Monaten war der schärfste Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin Opfer eines Giftanschlags geworden: Er war vor dem Heimflug aus dem sibirischen Tomsk mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden und brach auf dem Flug nach Moskau zusammen. Nur eine Notlandung in Omsk und das schnelle Eingreifen der Ärzte dort retteten sein Leben, wie ein Geheimdienstmitarbeiter in einem späteren Telefonat einräumte.

Tage später wurde er in die Berliner Charité ausgeflogen und dort geheilt. In deutschen, schwedischen und französischen Labors wurde dann das Nervengift Nowitschok als Ursache der Vergiftung nachgewiesen.

Nawalny warf Putin persönlich vor, den Auftrag zum Mordanschlag erteilt zu haben. Der Kremlchef wies dies zurück und sagte, der russische Geheimdienst hätte Nawalny getötet, wenn er es gewollt hätte. Investigativjournalisten und Nawalny legten indes die Namen mehrerer russischer Geheimdienstler offen, die ihn jahrelang verfolgt und drei Giftanschläge auf ihn verübt hatten.

Auch im britischen Salisbury war zuvor ein KGB-Überläufer von zwei russischen Geheimdienstlern mit Nowitschok vergiftet worden. Er überlebte wegen der schwierigen Dosierung knapp.

Vor seiner Verhaftung auf dem Flughafen Scheremetjewo hatte Nawalny Putin vorgeworfen, mit Drohungen und Haftbefehlen alles dafür zu tun, dass der Oppositionsführer nicht in seine Heimat zurückkehre. Er aber liebe sein Land und wolle dort alles zur Änderung der politischen Verhältnisse tun.

Die Maschine war um 18.15 Uhr deutscher Zeit in Scheremetjewo gelandet, einem der vier Moskauer Flughäfen, obwohl er planmäßig nach Wnukowo fliegen sollte. Dorthin waren Hunderte Anhänger gekommen, um Nawalny in Empfang zu nehmen. Wie bei der Heimkehr des sowjetischen Dissidenten Alexander Solschenizyn 1994 in der Jelzin-Ära wollte die Opposition ihrem Anführer einen würdigen Empfang bereiten. Aber die Nawalny-Anhänger waren von der Polizei vertrieben, einige festgenommen worden. Später dann auch ihr Anführer.

EU-Ratschef Charles Michel verurteilte die Verhaftung des 44-Jährigen unmittelbar nach seiner Ankunft in Moskau scharf. Auf Twitter schrieb er am Sonntag: „Ich rufe die russischen Behörden auf, ihn sofort freizulassen.“ Ihm schloss sich der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell an. Er schrieb auf Twitter, eine politische Instrumentalisierung der Justiz sei nicht akzeptabel.

Der künftige US-Sicherheitsberater Jake Sullivan schrieb auf Twitter, „Herr Nawalny sollte umgehend freigelassen werden“. Zudem müssten die Verantwortlichen für Nawalnys Vergiftung in Sibirien vor fünf Monaten zur Rechenschaft gezogen werden. „Die Angriffe des Kremls auf Herrn Nawalny sind nicht nur eine Verletzung der Menschenrechte, sondern ein Affront gegen das russische Volk, das sich Gehör verschaffen will.“

Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen fordern die EU zu einem raschen Handeln auf. Die Festnahme des 44-Jährigen Kremlkritikers sei „völlig inakzeptabel“, hieß es am Sonntagabend in einer gemeinsamen Erklärung der drei an Russland grenzenden EU- und Nato-Länder im Nordosten Europas. Sollte Nawalny nicht freigelassen werden, müssten Sanktionen in Erwägung gezogen werden.

Mit Agenturmaterial

Mehr: Mut oder Selbstüberschätzung?: Nawalny wusste, was ihn in Russland erwartete – ein Kommentar

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