Nach Skripal-Vorfall Britisches Paar nahe Salisbury mit Nowitschok vergiftet

Nach dem Fall Skripal kommt es in Südengland erneut zu Erkrankungen durch das Nervengift. Dieses Mal sind zwei Briten betroffen.
Update: 05.07.2018 - 07:32 Uhr Kommentieren

Nervengift Nowitschok nachgewiesen – Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts

Amesbury/London/SalisburyNahe der englischen Stadt Salisbury sind eine Frau und ein Mann bewusstlos aufgefunden worden. Laut der Polizei wurde bei den beiden das gleiche Nervengift gefunden, mit dem im März der frühere russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter vergiftet

Das Militärforschungszentrum Porton Down habe bei den beiden neuen Fällen ebenfalls das Nervengift Nowitschok nachgewiesen, sagte der Leiter der britischen Anti-Terror-Behörde, Neil Basu, am späten Mittwochabend.

„Wir sind nicht in der Lage zu sagen, ob das Nervenmittel aus derselben Charge stammt, der die Skripals ausgesetzt waren“, sagte Basu. „Die Möglichkeit, dass diese beiden Fälle miteinander verbunden sein könnten, ist für uns eindeutig eine Frage, der wir nachgehen.“ Es lägen keine Hinweise darauf vor, dass die beiden schwer erkrankten Opfer gezielt ins Visier genommen worden seien.

Die Nachrichtenagentur Press Association will in der Nacht zum Donnerstag von einer ranghohen Regierungsquelle erfahren haben, dass die lebensbedrohliche Vergiftung womöglich auf denselben kontaminierten Gegenstand zurückführt, mit dem der Anschlag auf die Skripals verübt wurde. Der verwendete Behälter zur Aufbewahrung des Nervengifts sei bis heute nicht gefunden worden. Denkbar sei deshalb, dass das Paar mit demselben Gegenstand in Berührung kam – ohne bis dahin selbst etwas mit dem Kriminalfall Skripal zu tun gehabt zu haben.

Der Vorfall ereignete sich am Samstag nahe der Stadt Salisbury, wo bereits die Skripals vergiftet wurden. Bei den beiden nun Betroffenen handelt es sich den Behörden zufolge um einen 45-jährigen Mann und eine 44-jährige Frau, die beide britische Staatsbürger seien. Sie befinden sich Polizeiangaben zufolge in einem kritischen Zustand und werden im Salisbury District Hospital behandelt.

Die Polizei hat vorsorglich mindestens fünf verschiedene Zonen abgesperrt, darunter einen Park und ein Grundstück in Salisbury, sowie eine Apotheke und ein Gemeindehaus der Baptistengemeinde in Amesbury. Die Gesundheitsbehörden versicherten, dass das Risiko für die Öffentlichkeit gering sei. Der Sprecher von Premierministerin Theresa May sagte, dass sich der Krisenstab der Regierung sich getroffen habe, um über den neuen Vorfall zu sprechen.

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in der südenglischen Kleinstadt bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Sie wurden Untersuchungen zufolge mit einer geringen Menge Nowitschok in flüssiger Form vergiftet. Spuren davon wurden an Orten entdeckt, die sie besucht hatten. Die höchste Konzentration stellten Experten an einer Türklinke am Wohnhaus des Ex-Spions fest.

Großbritannien macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Die Kampfstoffe der Nowitschok-Gruppe waren in der Sowjetunion entwickelt worden. Der Kreml weist die Vorwürfe von sich und verweist darauf, dass das Gift, mit dem die Skripals angegriffen wurden, in mehreren Ländern hätte produziert werden können. Westliche Staaten und Russland haben wegen der Krise zahlreiche Diplomaten gegenseitig ausgewiesen.

Gemeinsame Recherchen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR und der „Zeit“ hatten ergeben, dass der Auslandsgeheimdienst BND Mitte der 90er-Jahre durch einen Überläufer aus Russland an den gefährlichen chemischen Kampfstoff gekommen sein soll.

  • rtr
  • dpa
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