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Moscheen in Istanbul

Viele Türken unterhalten Fremdwährungskonten, um der Inflation ein Schnippchen zu schlagen.

(Foto: dpa)

Nach US-Sanktionen Kapitalverkehrskontrollen bleiben das letzte Mittel der Türkei

Die türkische Lira verliert derzeit immer mehr an Wert. Kapitalverkehrskontrollen könnten die Krise eindämmen. Doch das hätte einen hohen Preis.
13.08.2018 - 17:40 Uhr Kommentieren

Frankfurt, Athen Noch ist es kein Bankrun, aber die türkischen Kreditinstitute melden wachsenden Andrang. Die Menschen kommen nicht, um dem Appell von Staatschef Recep Tayyip Erdogan zu folgen. Sie wollen nicht Dollar, Euro und Gold in Lira eintauschen, wie Erdogan jetzt fast täglich fordert.

Im Gegenteil: Sie stehen vor den Bankschaltern an, um Geld von ihren Devisenkonten abzuheben. Dahinter steht die Angst, das Geld könnte bei den Banken nicht mehr sicher sein. Einige Bankfilialen mussten bereits passen, weil ihnen die Devisen ausgingen.

Viele Türken unterhalten Fremdwährungskonten, um der Inflation ein Schnippchen zu schlagen. Deshalb gehören auch die Wechselstuben zum Straßenbild der türkischen Städte. Gerade in jüngster Zeit tauschen viele Geschäftsleute wegen des Währungsverfalls ihre Lira-Einnahmen möglichst umgehend in Dollar oder Euro um. „Manche kommen jetzt mehrmals am Tag“, berichtet der Mitarbeiter einer Wechselstube im Istanbuler Geschäftsviertel Beyoglu.

Finanzminister Berat Albayrak versucht, die Bevölkerung und die Wirtschaft zu beruhigen: „Einlagen werden nicht beschlagnahmt, Devisen werden nicht konvertiert“, versicherte Albayrak am Montag auf Twitter. Alles andere seien „Lügen“. Aber wenn sich die Krise weiter zuspitzt, könnte die Regierung gezwungen sein, Kapitalkontrollen zu erlassen. Das würde Beschränkungen für den Kapitalverkehr bedeuten, etwa dadurch, dass Abhebungen bei Banken und Überweisungen ins Ausland limitiert würden.

Vor allem der Internationale Währungsfonds (IWF) hat lange vehement gegen derartige Restriktionen argumentiert. Sie gelten als Hindernis für den freien Handel. Durch den elektronischen Handel und Zahlungsverkehr ist es zudem deutlich schwerer geworden, solche Maßnahmen überhaupt durchzusetzen.

Dass Länder wie jetzt die Türkei Kapitalverkehrskontrollen verhindern wollen, liegt auch daran, dass sie Gift für das Vertrauen von Investoren sind. Denn wenn Unternehmen oder Anleger nicht frei auf ihre Vermögenswerte zugreifen können, hält sie das tendenziell von weiteren Investitionen im Land ab.

Der IWF hat dennoch seine vehemente Ablehnung von Kapitalverkehrskontrollen nach der Finanzkrise revidiert. Der damalige IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard befürwortete 2010 unter bestimmten Bedingungen Eingriffe am Devisenmarkt, wenn die Entwicklung des Wechselkurses nichts mehr mit der fundamentalen Lage des Landes zu tun habe.

Zuletzt hat Island in der Finanzkrise Kapitalverkehrskontrollen eingeführt und Griechenland in der Staatsschuldenkrise 2015. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras musste damals auf massiven Druck der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank die Beschränkungen einführen, um die Kapitalflucht zu bremsen.

Die Banken blieben drei Wochen geschlossen, Auslandsüberweisungen wurden zunächst ganz verboten, Barabhebungen an den Geldautomaten anfangs auf 60 Euro am Tag begrenzt, und der Einsatz von Kreditkarten im Ausland wurde strikt limitiert.

Nach einem ähnlichen Muster könnte es in der Türkei ablaufen. Es wäre auch vorstellbar, dass die Regierung den Zugriff auf Fremdwährungseinlagen beschränkt oder Auszahlungen zwangsweise in Landeswährung konvertiert, um die Devisenreserven zu schützen.

Marktbeobachter erwarten aber, dass die Regierung nur im äußersten Notfall zum Mittel der Kapitalkontrollen greift. Denn sie würden die in hohem Maß von Importen abhängige türkische Wirtschaft schwer treffen. In Griechenland trieben die Kapitalkontrollen – die bis heute noch nicht ganz aufgehoben wurden – Tausende kleine und mittelgroße Unternehmen in die Pleite.

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