Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Nachfolge der Premierministerin Wer folgt auf May in Downing Street? Die Kandidaten und ihre Chancen

Die mit Abstand besten Chancen hat Ex-Außenminister Boris Johnson. Er könnte sich nur selbst im Weg stehen. Darauf hoffen seine Konkurrenten.
Kommentieren
Von links: der ehemalige Brexit-Minister Dominic Raab, Außenminister Jeremy Hunt, Innenminister Sajid Javid, die ehemalige Leader of the House of Commons Angela Leadsom und der ehemalige Außenminister Boris Johnson. Quelle: AFP
Aussichtsreiche Kandidaten

Von links: der ehemalige Brexit-Minister Dominic Raab, Außenminister Jeremy Hunt, Innenminister Sajid Javid, die ehemalige Leader of the House of Commons Angela Leadsom und der ehemalige Außenminister Boris Johnson.

(Foto: AFP)

LondonLetztlich ging es dann doch schnell: Am 7. Juni tritt Theresa May als Parteivorsitzende der Tories zurück. Premierministerin bleibt sie bis zur Ernennung ihres Nachfolgers. Sie sei die zweite Frau im Amt des Premiers gewesen, sagte sie, aber mit Sicherheit nicht die letzte. Ihr Nachfolger aber wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mann sein. Eine Übersicht über die aussichtsreichsten Kandidaten:

Boris Johnson

In Umfragen unter Parteimitgliedern, wer künftig das Land führen soll, schneidet der frühere Londoner Bürgermeister und ehemalige britische Außenminister regelmäßig als Spitzenreiter ab – trotz der schlagzeilenträchtigen Trennung von seiner Frau und seiner neuen Beziehung zu einer ehemaligen Mitarbeiterin.

Der 54-Jährige hatte bereits vor dem EU-Referendum 2016 für den Brexit geworben und ist seitdem einer derjenigen, die sich am lautesten für einen kompromisslosen Abschied aus der EU einsetzen. Selbst ein Ende der EU-Mitgliedschaft ohne Austrittsabkommen stellt seiner Meinung nach kein Problem für Großbritannien dar.

Seine Schwäche: In den Reihen seiner Abgeordnetenkollegen hält man Johnson für illoyal und populistisch – das könnte seinen Aufstieg vielleicht noch verhindern. Denn die Abgeordneten sind diejenigen, die das Feld der potenziellen Nachfolger einengen, bevor die Parteibasis zu Wort kommt.

Das Auswahlverfahren läuft so ab: Jeder Kandidat, der von zwei Abgeordneten unterstützt wird, kann zur Wahl antreten. Gibt es mindestens drei Kandidaten, beginnt der Auswahlprozess: In mehreren Abstimmungsrunden wählen die Abgeordneten der Partei ihren Favoriten. Der Letztplatzierte scheidet jeweils aus. Ist die Liste auf zwei Kandidaten geschrumpft, stimmen die rund 120.000 Parteimitglieder per Briefwahl über den Sieger ab.

Angesichts der drängenden Entscheidungen, vor denen Großbritannien steht, soll das Verfahren bis Mitte Juli abgeschlossen sein. Dass die Zeit für Wahlkampf so knapp ist, dürfte bekannten Politikern wie Boris Johnson in die Hände spielen.

Dominic Raab

Zu Boris Johnsons schärfsten Konkurrenten zählt Dominic Raab. Spätestens seit dessen jüngsten Auftritten im Regierungsviertel Westminster, als er über soziale Ungerechtigkeit dozierte, herrscht kein Zweifel daran, dass der ehemalige Brexit-Minister seine Ex-Chefin May gerne beerben würde.

Raab wurde Juli vergangenen Jahres von May zum Brexit-Minister befördert, nachdem David Davis aus Protest gegen ihren Brexit-Plan zurückgetreten war. Wenige Monate später, im November, folgte Raab dem Beispiel seines Vorgängers.

Seitdem kritisiert er den Kurs der Premierministerin öffentlich. Der Brexit-Hardliner vertritt die Meinung, dass die EU Zugeständnisse machen muss, damit der Brexit-Deal akzeptabel wird und prangert die „Starrköpfigkeit“ der EU an.

Für den studierten Juristen spricht, dass man ihm eine schnelle Auffassungsgabe und Ernsthaftigkeit nachsagt. Gegen ihn spricht allerdings sein Alter: Er ist erst 45 Jahre alt.

Jeremy Hunt

Wie Premierministerin May hatte auch Hunt zunächst für den Verbleib in der EU gestimmt, sich im Laufe der vergangenen Monate aber immer stärker auf die Seite der Brexit-Befürworter geschlagen. Dennoch stand der 52-Jährige bis zuletzt hinter seiner Chefin, die ihn im vergangenen Sommer, als Boris Johnson aus Protest gegen den Brexit-Kurs zurückgetreten war, zu dessen Nachfolger befördert hatte. Zuvor war der ehemalige Unternehmensberater sechs Jahre lang Gesundheitsminister gewesen.

Hunt, der am Freitag verkündete, seinen Hut in den Ring werfen zu wollen, gilt als erfahren. Als Außenminister erhielt Hunt aber nicht nur Applaus: Internationale Schlagzeilen machte seine Forderung, die EU müsse aus der Geschichte der Sowjetunion lernen und dürfe die europäische Gemeinschaft nicht „in ein Gefängnis verwandeln“.

Auch sein Versprecher auf einer Staatsreise nach China, als er seine chinesisch-stämmige Ehefrau als Japanerin bezeichnete, kam nicht gut an. Zudem gilt der dreifache Vater als zu blass für das Amt des Premierministers.

Sajid Javid

Der aktuelle Innenminister hat beim EU-Referendum ebenfalls für „Remain“ gestimmt, seine Meinung aber seitdem geändert. Der Sohn pakistanischer Einwanderer hat in den vergangenen Monaten immer wieder Kritik einstecken müssen: So wurde Javid zum Vorwurf gemacht, er habe zu zögerlich reagiert, als über den Jahreswechsel mehrere Dutzend Flüchtlinge mit Booten über den Ärmelkanal nach Großbritannien kamen.

Auch dass er seinen Luxusurlaub in Afrika damals wohl nur widerwillig abbrach, um sich dem Thema zu widmen, wurde ihm vorgeworfen. Sein Umgang mit der ehemaligen IS-Anhängerin Shamima Begum, der Javid kurzerhand die Staatsbürgerschaft entzogen hatte, wurde ebenfalls kontrovers diskutiert. Gleichwohl zählt der 49-Jährige zu den aussichtsreichsten Gegenkandidaten von Boris Johnson.

Michael Gove

Der 51-Jährige ist der Landwirtschafts- und Umweltminister im Regierungskabinett. An dem gebürtigen Schotten haftete lange der Makel des „Königsmörders“. Denn Gove war enger Vertrauter von Boris Johnson und hatte diesen bei der Wahl zum Premierminister 2016 unterstützt – bis Gove sich plötzlich umentschied und selbst (nicht sehr erfolgreich) kandidierte. Mittlerweile sind einige Parteimitglieder offenbar bereit, ihm diesen Fehler zu verzeihen.

Als sein Name nun in der Debatte über Mays Nachfolger kursierte, beeilte er sich, Ambitionen auf den Posten zurückzuweisen. „Es ist nicht der richtige Moment um den Kapitän auszuwechseln. Was wir jetzt tun müssen, ist den richtigen Kurs festzulegen“, sagte er.

Für ihn spräche aus Sicht der Brexit-Befürworter, dass Gove schon vor dem EU-Referendum für den Austritt aus der EU eintrat. Doch gleichzeitig warnte er zuletzt davor, die Folgen des Brexits zu unterschätzen und warb für den bei Brexit-Befürwortern so verhassten Deal seiner Chefin.

Andrea Leadsom

Als Andrea Leadsom am Mittwochabend überraschend ihren Rücktritt als Fraktionschefin verkündete, wurde das in Großbritannien als letztes Zeichen dafür gewertet, dass die Regierung von Theresa May kurz vor dem Kollaps steht. Die 56 Jahre alte Leadsom hat erklärt, für den Posten zu kandidieren.

Es wäre nicht das erste Mal: Als David Cameron nach dem Referendum 2016 zurückgetreten war und sein Nachfolger gesucht wurde, waren Leadsom und May die letzten zwei Kandidaten.

Leadsom wurde jedoch nach unsensiblen Bemerkungen über die kinderlose May heftig kritisiert und zog sich aus dem Rennen zurück. Sie zählte zu den Brexit-Befürwortern im Kabinett, gilt aber nur als Außenseiterin im Rennen um den Spitzenposten.

Amber Rudd

Auch Amber Rudd werden keine guten Chancen eingeräumt – vor allem, weil die 55-Jährige stets für ein möglichst enges Verhältnis zu der EU eingetreten war. Die aktuelle Arbeitsministerin hat jedoch einige Erfahrung in der Regierung vorzuweisen, wenngleich sie nach einem Skandal im Innenministerium 2017 schon einmal ihren Posten räumen musste.

Esther McVey

Die ehemalige Arbeitsministerin war nach nicht einmal einem Jahr von ihrem Amt zurückgetreten, aus Protest gegen den Brexit-Kurs der Regierung. Die 51-Jährige hat nicht viel Regierungserfahrung – aber auch Theresa Mays Aufstieg 2016 hatte viele Briten überrascht, weswegen McVey nicht vorschnell ausgeschlossen werden kann.

Weitere Kandidaten

Die Liste der möglichen Kandidaten ist noch länger, mehr als ein Dutzend Politiker sollen mit dem Amt des Premierministers liebäugeln: So haben noch Entwicklungsminister Rory Stewart, Verteidigungsministerin Penny Mordaunt Interesse geäußert, auch über eine Kandidatur von Gesundheitsminister Matt Hancock oder den Brexit-Hardliner Steve Baker und dem einflussreichen Abgeordneten Graham Brady wird gemunkelt.

Klar ist bisher nur: Boris Johnson ist Favorit. Und ernsthafte Chancen wird angesichts der aktuellen Stimmung im Land nur ein Brexit-Befürworter haben.

Mehr: Nach dem Rücktritt von Theresa May ist Boris Johnson der aussichtsreichste Kandidat für ihre Nachfolge. Ob er das Land einen kann, ist fraglich.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Nachfolge der Premierministerin - Wer folgt auf May in Downing Street? Die Kandidaten und ihre Chancen

0 Kommentare zu "Nachfolge der Premierministerin: Wer folgt auf May in Downing Street? Die Kandidaten und ihre Chancen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote