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Nachruf Hergard Rohwedder: eine unbeugsame Liberale

Das Leben der engagierten Asylrichterin wurde vom Attentat auf sie und ihren Mann Detlev geprägt. Nun ist Rohwedder im Alter von 85 Jahren verstorben.
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Hergard Rohwedder im Alter von 85 Jahren gestorben
Hergard Rohwedder

Die Düsseldorferin engagierte sich mit dem „Liberalen Netzwerk“ auch politisch.

München Sie gehörte zu den Unerschrockenen im Land, unbeeinflussbar durch das, was Gesellschaft oft prägt: Statusgehabe, Machtallüren, Gruppenzwang. Hergard Rohwedder setzte dem ihr Modell gelebter Freiheit entgegen, das sich auch in ihren schwersten Stunden bewährte, nach der Ermordung ihres Mannes Detlev Karsten Rohwedder 1991 im heimischen Düsseldorf. Die bei dem Attentat auf den Chef der Treuhandanstalt selbst schwer verletzte Juristin brauchte danach zwei Jahre Rekonvaleszenz, arbeitete dann aber weiter als Asylrichterin.

Der Mord und der Mordversuch haben der leidenschaftlichen Liberalen eine extrem große, nicht gewollte Aufmerksamkeit gebracht. Ihr, die immer ihr eigenes Leben gelebt hat, die im ostpreußischen Königsberg geboren wurde und dann nach dem Krieg im Westen Karriere machte. Die als eine der ersten Frauen ein Fulbright-Studium erhielt und so an der angesehenen University of Chicago Law School studierte.

Die nach der Heirat erst in Bonn lebte und dann 1980 nach Düsseldorf zog, wo sie im Umfeld der FDP das „Liberale Netzwerk“ hochzog. Alles ganz nach dem von ihr geschätzten Leitsatz des altgriechischen Staatsmanns Perikles: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“

Hergard Rohwedder schuf so, was ihr Vorbild war: eine Salonkultur von Freisinnigen, die sich allem Obrigkeitsstaatlichem widersetzt und den kultivierten, scharfsinnigen Dialog fördert. Es ist eine Kultur, in der ihre Stärken zur Geltung kamen: unbestechliche Beobachtungsgabe, Witz, Belesenheit. Größen des politischen Geschäfts wie Angela Merkel oder Minister, Parteistrategen, Wirtschaftsgrößen und Verbandschefs fanden gerne den Weg zu dieser intellektuellen Plattform.

Bis zuletzt wirkte Rohwedder, die das Freiheitsstreben der US-Gesellschaft besonders schätzte, als Stiftungsrätin. Als private Gastgeberin habe sie „großzügig, mit Herzlichkeit und Intelligenz Türen geöffnet und Menschen zusammengeführt“, erklären die verbliebenen vier Stiftungsräte der Stiftung Liberales Netzwerk in Berlin. Rohwedder war auch Gründungsmitglied der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Mit ihrem Mann war sie nach eigenem Bekunden „30 Jahre interessant und gut verheiratet“. Zu ihrer Unerschrockenheit gehörte, auch Jahrzehnte nach dem Terroristenmord unbequeme Fragen zu stellen. Im vorigen Jahr gab sie dem Journalisten Michael Jürgs noch einmal für eine ZDF-Dokumentation ein Interview. Die Witwe kritisierte darin die Polizeiarbeit und bezweifelte die offizielle Version, wonach die Rote-Armee-Fraktion (RAF) verantwortlich gewesen sei.

Sie verwies auf die Stasi und die Tatsache, dass ihr Mann dicht davorgestanden habe, das verschwundene Parteivermögen der SED zu finden: „Dass es aber – unabhängig vom versteckten Vermögen – die Stasi war, die den Mordanschlag plante, glauben eigentlich alle Politiker, die mit der früheren DDR zu tun hatten.“ Auch CDU-Politikerin Merkel habe ihr gesagt, sie gehe davon aus, „dass es die Stasi war“.

So war Hergard Rohwedder bis zuletzt: kämpferisch, unabhängig, streitbar. Eine Frau, die auch im hohen Alter als Rechtsanwältin arbeitete. Die das gute, schöne Leben schätzte, aber auch keiner Auseinandersetzung aus dem Weg ging. Als das Düsseldorfer Schauspielhaus das Stück „Schuss“ des chilenischen Autors Guillermo Calderón aufführen wollte, protestierte sie persönlich beim Intendanten.

Das Stück, das dem „Phänomen des politischen Mordes“ auch mit Bezug auf Rohwedder nachging, wurde abgesetzt. In der vorigen Woche ist die große Liberale, Mutter zweier Kinder, im Alter von 85 Jahren in Düsseldorf gestorben.

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