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Nachruf Mit dem Tod von George Bush endet eine Ära

George H.W. Bush war ein Politiker der Mäßigung, ein Freund Deutschlands, ein Mann mit Stil. Der ehemalige US-Präsident hinterlässt ein anderes Amerika.
01.12.2018 - 13:36 Uhr Kommentieren
Der ehemalige US-Präsident verstarb am Freitag, dem 30. November, im Alter von 94 Jahren in Texas. Auf seinen Wunsch wird es keinen Trauerzug durch Washington geben. Bush wird voraussichtlich am Donnerstag auf dem Gelände seiner Präsidentenbibliothek in College Station an der Seite seiner Ehefrau Barbara und seiner 1953 verstorbenen Tochter Robin beigesetzt. Quelle: dpa
George H. W. Bush

Der ehemalige US-Präsident verstarb am Freitag, dem 30. November, im Alter von 94 Jahren in Texas. Auf seinen Wunsch wird es keinen Trauerzug durch Washington geben. Bush wird voraussichtlich am Donnerstag auf dem Gelände seiner Präsidentenbibliothek in College Station an der Seite seiner Ehefrau Barbara und seiner 1953 verstorbenen Tochter Robin beigesetzt.

(Foto: dpa)

Houston Moderat, konservativ und zugleich unkonventionell. Wer wissen wollte, was für ein Mensch George H.W. Bush war, der musste nur auf seine Kleidung schauen. Immer korrekt und dezent im Anzug, nie zu modisch. Aber seine Socken waren ausgefallen: Rot-weiß geringelt, mit Büchern oder Cowboys bedruckt. „Ich bin ein selbsternannter Sockenmann“, sagte Bush einmal.

Es zeigte seine Persönlichkeit: Auch als Politiker war der 41. Präsident der USA ein Mann der Mäßigung, der sich neuen Ideen aufgeschlossen zeigte. Jetzt ist George H.W. Bush mit 94 Jahren gestorben. Er folgt nur wenige Monate später seiner Ehefrau Barbara Bush in den Tod. Die Beiden waren 73 Jahre verheiratet, hatten sechs Kinder.

Eine offizielle Todesursache ist bislang nicht bekannt. Der 41. Präsident der USA litt an Parkinson, wie er 2012 bekannt gab. Auch wurde er in den vergangenen Jahren immer wieder im Krankenhaus behandelt. Vor rund zweieinhalb Jahren brach er sich bei einem Sturz in seinem Ferienhaus einen Halswirbel und musste im Rollstuhl sitzen.

Bush wurde am 12. Juni 1924 geboren. Er kam aus privilegierten Verhältnissen. Sein Vater war Senator Prescott Sheldon Bush. Sohn Bush war der jüngste Kampfpilot der US-Navy im Zweiten Weltkrieg, studierte Wirtschaftswissenschaften an der renommierten Yale-Universität und verdiente Millionen im texanischen Ölgeschäft.

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    Nach vergeblichen Anläufen zum US-Senat schickte ihn Präsident Richard Nixon als amerikanischen Botschafter zu den Vereinten Nationen in New York, wurde später Chef der CIA. In dem Amt machte er Ronald Reagan auf sich aufmerksam, der ihn zum Vizepräsidenten ernannte. In der Funktion von 1981 bis 1989 baute er enge Beziehungen zum Kreml und später zum neuen KP-Chef Michail Gorbatschow auf.

    Bush war ein Freund Deutschlands. Er war mit Kanzler Helmut Kohl befreundet und trank leidenschaftlich gern deutsches Bier. Er nahm als erster das Wort „Wiedervereinigung“ in den Mund, überredete Gorbatschow, Margaret Thatcher und François Mitterrand beim Treffen am 3. Dezember 1989 in Malta, dem Plan zu zustimmen. Kohl nannte ihn einmal einen „Glücksfall“.

    Nach der Invasion von Kuwait durch den Irak führte Präsident Bush 1991 eine Militärische Allianz an, die das Gebiet im ersten Golfkrieg in kurzer Zeit zurück eroberte. Anders als sein Sohn stoppte er aber die Panzer an der Grenze zum Irak.

    Mit Bush geht eine politische Ära des Konsens und Mäßigung zu Ende. Als Vize von Präsident Ronald Reagan und als sein Nachfolger und als Präsident setzte er sich in den Achtzigerjahren und Anfang der Neunzigerjahre für eine moderate Politik gegenüber der Sowjetunion und China ein, unterstützte die Einheit Deutschlands gegen die Bedenken von Großbritannien oder Frankreich.

    Trotz seiner Parteizugehörigkeit suchte er das Gespräch mit dem politischen Gegner, den Demokraten. „Sein Charakter war von höchster Güte“, sagte sein Sohn Georg W. Bush, der als 43. Präsident ebenfalls die USA regierte.

    Das Leben von George H.W. Bush in Bildern
    In der Marine
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    An seinem 18. Geburtstag, sofort nach der Schule, meldete Bush sich freiwillig bei der Marine. Es war der Sommer 1942, ein halbes Jahr nach dem Angriff auf Pearl Harbour. Er flog 58 Einsätze und wurde einmal sogar abgeschossen, als gerade jemand einen japanischen Sendemasten bombardiert hatte. Ein U-Boot rettete Bush, seine zwei Kameraden an Bord der Maschine kamen ums Leben.

    (Foto: dpa)
    Mit der Familie
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    Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg, im Januar 1945, heiratete Bush seine Jugendliebe Barbara Pierce. Mit ihr hatte er sechs Kinder, George W. Bush (l.), der ebenfalls Präsident wurde, Jeb Bush (u.l.), den ehemaligen Gouverneur von Florida sowie die Söhne Neil und Marvin und Tochter Dorothy Bush LeBlond. Eine weitere Tochter, Robin, starb kurz vor ihrem vierten Geburtstag an Leukämie.

    (Foto: Reuters)
    Universität
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    In nur zweieinhalb Jahren hatte Bush sein Studium an der Eliteuniversität Yale abgeschlossen. Dort war er unter anderem Kapitän des Baseballteams. 1953 gründete er mit Partnern in Texas das Ölunternehmen Zapata Petroleum Corp. Sechs Jahre später zog er nach Houston und wurde in der Republikanischen Partei aktiv.

    (Foto: dpa)
    CIA
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    Im Jahre 1966 wurde George H. W. Bush erstmals in den Kongress gewählt. Der damalige Präsident Richard Nixon ernannte ihn später zum UN-Botschafter und zum Vorsitzenden der Republikanischen Partei. Unter Präsident General Ford (r.) wurde Bush schließlich CIA-Chef. Links zu sehen, seine Frau Barbara Bush.

    (Foto: AP)
    Vize-Präsident
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    1980 kandidierte George H.W. Bush (2.v.r.) als Präsidentschaftskandidat. Der Wahlsieger Ronald Reagan (2.v.l.) ernannte ihn aber kurzerhand zum Vize-Präsidenten.

    (Foto: Reuters)
    Wahl 1988
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    1988 trat George H.W. Bush erneut als Präsidentschaftskandidat an. Obwohl er kurz zuvor noch 17 Prozentpunkte hinter dem Demokraten Michael Dukakis (r.) lag, konnte er mit seinem Fokus auf patriotische Themen den Wahlsieg erringen.

    (Foto: The LIFE Images Collection/Getty Images)
    Der zweite Golfkrieg
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    George H.W. Bush beim Thanksgiving-Dinner mit Soldaten in Saudi-Arabien. Der zweite Golfkrieg stellte eine Bewährungsprobe für den US-Präsidenten dar. Statt im Krieg weiter nach Bagdad zu ziehen, beendete er den Kampfeinsatz vorzeitig – ein Fehler, wie er später sagte. Der Erfolg in Kuwait ließ jedoch seine Beliebtheitswerte steigen. Eine Wiederwahl konnte er jedoch nicht erlangen, da er als Präsident sein Wahlversprechen nicht halten konnte: „Lest es von meinen Lippen ab: Keine neuen Steuern.“

    (Foto: action press)

    Im Wahlkampf seines Sohns George W. Bush zeigte sich im Jahr 2000 dagegen das neue, hässliche und radikale Gesicht der amerikanischen Politik. Politikberater wie Karl Rove führten Schlammschlachten und persönliche Angriffe im Wahlkampf ein, die zwar zum Wahlsieg von Sohn Bush führten - aber unter H.W. Bush undenkbar gewesen wären und die heute mit Donald Trump zur Tagesordnung gehören.

    Eine bittere Ironie für H.W. Bush war da die Kontroverse zwischen Trump und seinem Sohn und Präsidentschaftskandidaten 2016, Jeb Bush. Er „schläfere“ die Wähler ein, sagte Trump, sein Programm sei „Babykram“ und „erbärmlich“. Nach seiner Niederlage sagte Jeb Bush, er erkenne das heutige Amerika nicht wieder. Das hätte auch sein Vater sagen können.

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