Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Nachschub benötigt Syrische Armee muss Reservisten mobilisieren

Durch Verluste und geflohene Soldaten ist die Armee von Präsident al-Assad geschwächt. Nun wird die Reserve mobilisiert. Sogar erklärte Regierungsgegner werden einberufen. Doch viele verweigern den Dienst.
1 Kommentar
Freiwillige der Oppositionsgruppe: Kaum jemand entgeht in diesen Tagen dem syrischen Militär. Quelle: AFP

Freiwillige der Oppositionsgruppe: Kaum jemand entgeht in diesen Tagen dem syrischen Militär.

(Foto: AFP)

DamaskusSie ist eine der bestausgerüsteten Armeen im Nahen Osten und verfügt über weitaus stärkere Waffen als die Opposition: Die Streitkräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Doch auch nach 17 Monaten hat sie den Aufstand nicht niederringen können. Syrien versinkt immer tiefer im Bürgerkrieg.

Unter dem Eindruck der in den letzten Wochen immer heftigeren Gefechte mobilisiert die Regierung in Damaskus nun ihre Reserve, wie Reuters von zahlreichen geflohenen Reservisten und einem aktiven Offizier erfuhr. Es sind normale Männer, die ihren zweijährigen Armeedienst geleistet haben und als Reservisten für einen Einsatz prinzipiell bereitstehen müssen. Doch viele weigern sich. Wollen in keiner Armee dienen, der - wie in kleinerem Umfang auch den Rebellen - Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wird. Ein Offizier in Homs schätzt, dass sich nur die Hälfte der Einberufenen zum Dienst gemeldet hat.

Dabei hätten viele Einheiten schwere Verluste erlitten. Die Armee benötigt Nachschub. "Es mangelt an Männern. Viele wurden getötet und es setzten sich Soldaten ab", sagt der Offizier. Wie viele es genau sind, lässt sich nur schätzen, weil die Armee keine offiziellen Zahlen herausgibt. Der oppositionellen Beobachterstelle für Menschenrechte zufolge sind knapp 6000 Soldaten und Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet worden.

Viele haben das Gefühl, nur zwischen Pest und Cholera wählen zu können. "Wir haben zwei Möglichkeiten: Entweder wir bleiben und töten andere Syrer. Oder wir desertieren und fliehen vor den Militärgerichten", sagt ein in Damaskus einberufener Rechtsanwaltsgehilfe, der seinen Namen nicht nennen will. Bewohner von Damaskus berichten, an den Kontrollposten würden nun junge Männer darauf kontrolliert, ob sie als Reservist einberufen wurden und nicht etwa auf der Flucht sind. Einige junge Syrer haben Angst, das Haus zu verlassen. Sie fürchten den Verrat durch ihre eigenen Nachbarn.

Auch Oppositionelle sollen nun dienen


Der Artillerist Fadi sorgt sich, in der Nachbarschaft als Verräter zu gelten, sollte er seinen Plan wahr machen und sich der Einberufung entziehen. Fadi gehört wie Assad und sein Machtzirkel zur Glaubensgemeinschaft der Alawiten. "Sollte meine Gemeinde herausfinden, was ich machen will, würde ich als Verräter gelten. Keiner würde mich verstecken." Doch die Aussicht auf einen Dienst in der Armee sei für seine Familie schrecklich. "Ich will nicht, dass mein Baby ohne Vater aufwächst. Meine Frau kann gar nicht mehr mit dem Weinen aufhören."

Der Rechtsanwaltsgehilfe hat den Schritt in die Illegalität gewagt. Er berichtet, an einem Kontrollposten in der Hauptstadt angehalten und an eine Kaserne außerhalb der Stadtgrenzen gebracht worden zu sein. Dort sollte er zwei Wochen lang ausgebildet werden. Eines Nachts gelang ihm die Flucht. Nun versteckt er sich.

Kaum jemand entgeht in diesem Tagen dem Militär. Wer gedient hat, braucht etwa die Zustimmung der Armee, um einen Pass zu beantragen, eine Arbeit im öffentlichen Dienst zu bekommen oder zu heiraten. Einberufen werden sogar erklärte Regierungsgegner. Der Dramatiker Tamus wurde wegen seiner Oppositionsarbeit in diesem Jahr bereits festgenommen.

Dennoch wurde er vergangene Woche einberufen, setzte sich aber noch am nächsten Tag ab. Seinen Armeedienst hatte er in der Infanterie geleistet. Für ihn auch das ein Grund, dem Staat die Gefolgschaft zu verweigern. "Heutzutage kommt das praktisch einem Todesurteil gleich."

Brexit 2019
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Nachschub benötigt - Syrische Armee muss Reservisten mobilisieren

1 Kommentar zu "Nachschub benötigt: Syrische Armee muss Reservisten mobilisieren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • gleichfalls
    Nachschub benötigt
    "Rebellen" müssen Söldner mobilisieren

Serviceangebote