„Nachtwölfe“ Russische Biker auf dem Weg nach Berlin

Die „Nachtwölfe“ sind auf dem Weg nach Berlin, wo sie an die Erfolge der Roten Armee erinnern wollen. Weil Warschau den Bikern die Einreise verweigert, ist Moskau verärgert. Der Kreml hat die Botschafterin einbestellt.
Der Präsident des russischen Rockerklubs gilt als Vertrauter des Präsidenten Wladimir Putin. Quelle: dpa
Alexander Zaldostanow

Der Präsident des russischen Rockerklubs gilt als Vertrauter des Präsidenten Wladimir Putin.

(Foto: dpa)

MoskauTrotz eines polnischen Einreiseverbots und internationaler Kritik hat der russische Rockerclub „Nachtwölfe“ seine Motorrad-Tour zum Weltkriegsgedenken nach Berlin gestartet. Clubpräsident Alexander Saldostanow alias „Chirurg“ brach mit rund 20 Mitstreitern am Freitagmorgen mit wehenden roten Fahnen in Moskau auf, berichtete die Agentur Tass. Saldostanow gilt als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Bereits in den Jahren zuvor hatten sich die Rocker anlässlich des Jahrestages des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland auf den Weg nach Berlin gemacht. 2015 hatte die Reise jedoch für Aufsehen gesorgt: Polen hatte die Tour als Provokation kritisiert und den Rockern zeitweilig die Einreise verweigert. Auch Berliner Behörden hatten die Visa mehrerer Mitglieder annulliert.

Wie russische Soldaten zum Kult werden
Soldaten ohne Hoheitsabzeichen
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Im März 2014 waren auf der ukrainischen Halbinsel Krim plötzlich Soldaten ohne nationales Hoheitsabzeichen aufgetaucht und stellten den Westen und Kiew damit vor vollendete Tatsachen. Erst kürzlich hat der russische Präsident Wladimir Putin im russischen Staatsfernsehen bestätigt, was zu Anfang nur Vermutung war: Er gab den Befehl zur Eroberung der Krim.

„Höfliche Menschen“
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In Russland nennt man die Soldaten in den ungekennzeichneten grünen Kampfanzügen nur „höfliche Menschen“. Der Begriff wurde geprägt durch russische Staatsmedien, die statt von bewaffneten Maskierten auf der Krim lieber von „höflichen Menschen“ sprach.

Für 17 Euro zu haben
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Die T-Shirts werden von der russischen Jugendmarke „Anyavanya“ hergestellt und kosten 1200 Rubel, umgerechnet 17 Euro. Verkauft werden sie unter anderem als Souvenir auf der Krim und in Russlands größtem Einkaufszentrum, dem GUM in Moskau.

Putin der „Höflichste“
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Neben Aufdrucken mit Soldaten zeigen die „Anyavanya“-Motive auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin, hier mit der Unterschrift: „der höflichste aller Menschen“. Ein anderes T-Shirt zeigt Putin mit Hawaiihemd und Cocktail in der Hand. Darunter ist zu lesen: „Greetings from Crimea“.

Judo mit Obama
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Wieder ein anderes T-Shirt bildet Putin offenbar im Judokampf mit US-Präsident Barack Obama ab. Darunter der Text: „Unsere Antwort auf die Sanktionen“.

Für alle Altersklassen
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Der Designer der T-Shirts sagte der russischen Zeitung „Komsomolskaja Prawda“, es gebe derzeit sehr viele Bestellungen aus dem Ausland. „Das kann eine 18-Jährige sein, aber auch eine 55-jährige Rentnerin.“

Auch Tassen verfügbar
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Nicht nur T-Shirts, auch Tassen gibt es in Russland mit dem Aufdruck „höfliche Menschen“. Der Begriff hat sich zu einem popkulturellen Phänomen entwickelt. Bei der Vorstellung der T-Shirts im Moskauer Kaufhaus GUM waren auch Prominente aus dem russischen Showbusiness anwesend.

Die Fahrt soll in diesem Jahr wieder durch Weißrussland, Polen, die Slowakei, Österreich und Tschechien bis nach Berlin führen, wo sie am 9. Mai endet. Dort wollen die „Nachtwölfe“ Kränze niederlegen. Zusätzlich sei eine Demonstration mit rund 200 Teilnehmern angemeldet, wie die Berliner Polizei bestätigt. Die Veranstalter planten auch eine Fahrt quer durch die Stadt. „Ob das so stattfindet, ist noch völlig unklar“, sagte eine Polizeisprecherin.

Clubpräsident Saldostanow begleitet die „Nachtwölfe“ nur bis zur weißrussischen Grenze. Sein Schengen-Visum wurde annulliert, weil er wegen der Ukraine-Krise auf der Sanktionsliste der EU steht. Die Biker unterstützen Positionen der prorussischen Separatisten in der Ostukraine. „Uns aufzuhalten wird nur noch mehr Widerstand hervorbringen“, sagte Saldostanow. „Wir haben vergangenes Jahr versprochen, wieder nach Berlin zu kommen - und so wird es auch sein.“

Die Reise der übrigen „Nachtwölfe“ könnte an der polnischen Grenze enden. Ein Sprecher des Warschauer Außenministeriums sagte, die russische Botschaft in Warschau sei über das Einreiseverbot für die „Nachtwölfe“ informiert worden. Der Sprecher begründete dies mit der „Sicherung der öffentlichen Ordnung“. Russland betreibe eine Desinformationskampagne über Polens Umsetzung eines Vertrages der Kriegsgräberfürsorge.

Das russische Außenministerium bestellte die polnische Botschafterin in Moskau ein. Die Entscheidung Polens sei eine Verhöhnung der Opfer im Kampf gegen den Faschismus und werde die bilateralen Beziehungen belasten, hieß es.

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  • dpa
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