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Naftali Bennett Dieser frühere Start-up-Gründer will Netanjahu an Israels Regierungsspitze ablösen

Einst waren der Ex-Software-Unternehmer und Netanjahu Verbündete. Jetzt kann Bennett seinen ehemaligen Weggefährten dem Amt verdrängen – mit einem Deal, der seinesgleichen sucht.
31.05.2021 - 17:44 Uhr Kommentieren
Bevor der 49-Jährige in die Politik einstieg, gründete er in den USA ein Software-Unternehmen. Quelle: Reuters
Naftali Bennett

Bevor der 49-Jährige in die Politik einstieg, gründete er in den USA ein Software-Unternehmen.

(Foto: Reuters)

Naftali Bennett ist ein ehemaliger Verbündeter und ideologischer Zwilling von Benjamin Netanjahu – und soll, wenn es nach seinem Willen geht, bald an der Spitze der nächsten Regierung in Israel stehen. Bennett ist der Chef der ultrarechten Jamina-Partei und will jetzt ein Bündnis mit Oppositionsführer Jair Lapid von der Zukunftspartei schmieden, um Netanjahus Regierung abzulösen.

Käme eine solche Regierung tatsächlich zustande, wäre die Ära Netanjahu beendet. Der heute 71-Jährige ist seit 2009 Ministerpräsident.

Bennett wie Netanjahu ist der wirtschaftliche Erfolg der Start-up-Nation wichtig, und beide träumen davon, die Westbank ganz oder zumindest teilweise zu annektieren. Gemeinsam ist ihnen auch das Faible für die USA, nachdem beide dort gelebt und gearbeitet haben. Sowohl „Bibi“ als auch Bennett sind zudem die ersten Regierungschefs, die in Israel auf die Welt gekommen sind.

Bevor der heute 49-jährige Naftali Bennett in die Politik einstieg, hatte er in den USA ein Software-Unternehmen gegründet, das Betrügereien im Onlinebanking aufdeckte. 2005, sechs Jahre später, verkaufte er das Start-up für 145 Millionen Dollar, kehrte nach Israel zurück und wurde Berater, danach Stabschef des damaligen Oppositionsführers Netanjahu. Das Verhältnis zwischen den beiden war damals so eng, dass Bennett seinem Sohn den Namen Yoni gab, zum Andenken an Netanjahus Bruder, der 1976 bei einer Kommandoaktion in Entebbe ums Leben gekommen war.

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    Doch trotz der Gemeinsamkeiten kam es zum Zerwürfnis, das in bitterbösen Vorwürfen und Spotttiraden mündete. Als Netanjahu im Mai 2020 eine neue Koalition zimmerte, offerierte er Bennett, der zuvor mehrere Ministerposten bekleidet hatte, trotz ihrer ideologischen Übereinstimmungen kein Ministerium und zeigte damit, wie tief er Bennett verachtet und misstraut. Während der Coronakrise dehnte Bennett sein Themenspektrum über dasjenige der Siedler aus, indem er Netanjahus Gesundheitspolitik scharf kritisierte.

    Jetzt kann Bennett seinen ehemaligen Weggefährten nicht nur aus dem Büro des Regierungschefs verdrängen. Wenn in den nächsten Tagen nichts dazwischen kommt, geht der zum Politiker mutierte Hightech-Unternehmer zudem einen Deal ein, der seinesgleichen sucht. Er wird Premier, obwohl er auf lediglich sechs Mandate in der Knesset zählen kann. Rein rechnerisch verfügt er damit über bloß fünf Prozent der Macht.

    Heterogene Zusammensetzung

    Damit wird er der schwächste Regierungschef, den Israel je hatte. Aber ohne Bennett könnte der bisherige Oppositionsführer Yair Lapid, dessen Zukunftspartei bei den Wahlen das zweitbeste Resultat erzielt hatte, keine mehrheitsfähige Koalition zimmern. Bennett soll nach zwei Jahren von Lapid als Regierungschef abgelöst werden.

    Das sich anbahnende Regierungsbündnis könnte kaum heterogener zusammengesetzt sein. Neben dem Rechtsaußen-Politiker Bennett ist der moderate Lapid ebenso vertreten wie die beiden Linksparteien Meretz und die Arbeitspartei, die einen Kompromiss mit den Palästinensern anstreben.

    Doch obwohl sich insgesamt sieben Parteien an der Koalition beteiligen sollen: Sie bringen es in der Knesset nicht auf eine Mehrheit. Deshalb ist die Koalition auf die Unterstützung (oder die Stimmenthaltung) arabischer Parteien angewiesen. Unter ihnen findet sich auch der Islamist Mansour Abbas.

    Bennett zeigt sich pragmatisch. Sowohl die Rechte als auch die Linke werden in ideologischen Fragen Kompromisse anstreben müssen, sagt er. Damit deutet der ehemalige Elitetruppen-Offizier an, dass er seine nationalistische Ideologie zurückstellen könnte, um das Überleben der Koalition zu sichern.

    Das Zurückstecken seiner national-religiösen Weltanschauung dürfte ihm nicht leichtfallen. Bennett war zuvor Chef des Yesha-Councils, der Lobbyorganisation der Siedler in der Westbank. Die Zulassung eines Staates Palästina, gab er sich überzeugt, würde die Sicherheit Israels gefährden – und käme einem nationalen Selbstmord gleich.

    Mehr: Die Wiederkehr des Nahost-Konflikts – Bidens schwere Fehler

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