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Naftali Bennett Seriengründer und Reformer: Dieser Mann führt Israels neue Regierung

Israels neuer Premier will die Bürokratie verschlanken und überflüssige Ministerien abbauen. Sein wirtschaftspolitisches Vorbild ist Singapur.
15.06.2021 - 14:18 Uhr Kommentieren
Der neue Regierungschef Israels führt eine Koalition an, in der es große ideologische Differenzen gibt. Quelle: dpa
Naftali Bennett

Der neue Regierungschef Israels führt eine Koalition an, in der es große ideologische Differenzen gibt.

(Foto: dpa)

Tel Aviv Israels neuer Premier Naftali Bennett, 49, hätte nach dem Verkauf seiner Start-ups in den USA ein Leben als vermögender Hightech-Unternehmer führen und, wie er in einem Interview sagte, „Cocktails in der Karibik“ genießen können. Doch es kam anders: Einen Tag nach dem Verkauf seines jungen Unternehmens, am 11. Juli 2006, brach der Zweite Libanonkrieg aus.

Bennett flog zurück nach Tel Aviv, zog die Uniform an und führte als Kommandant eine Elitetruppe, die im Libanon gegen die Hisbollah-Milizen kämpfte. Es war ein prägendes Erlebnis. Auf dem Schlachtfeld habe Bennett begriffen, dass mangelnde Kompetenz und unmoralisches Verhalten ein Desaster im Libanon verursacht hatten, erklärte er später einmal.

Er wollte es besser machen – und beschloss, fortan nicht wie geplant weitere Start-ups zu gründen, um mit Exits Geld zu verdienen. Ehrgeizig, wie er ist, nahm er sich nicht weniger vor, als Premierminister von Israel zu werden.

In einer verblüffend kurzen Zeit hat Bennett nun sein Karriereziel erreicht. Denn erst seit 2013 engagiert er sich in der nationalen Politik. Fortan wunderten sich viele über seinen schnellen Aufstieg, wobei die einzelnen Abschnitte jeweils nur kurz waren.

Nach sechs Jahren in einer Eliteeinheit lebte er sieben Jahre lang als Tech-Gründer in den USA, wurde dann vorübergehend Cheflobbyist der Siedlerbewegung. Anschließend gründete Bennett in kurzer Abfolge mehrere politische Parteien, ging Partnerschaften ein, zunächst mit Benjamin Netanjahu, später mit Jair Lapid, nur um sich dann mit ihnen zu überwerfen oder – wie soeben mit Außenminister Jair Lapid – wieder zu versöhnen. Bennett ist Risiken nicht abgeneigt, sagt ein Freund, der mit ihm im Libanon im Einsatz war. Er drücke gern aufs Gaspedal und brauche jemanden neben sich, der ihn bremse.

Bennett schien schon am Ende der politischen Karriere

Bennetts Weg an die Spitze verlief nicht geradlinig. Noch vor zwei Jahren schien er am Ende seiner politischen Karriere zu sein, weil es seiner Partei bei den Parlamentswahlen nicht gelang, genügend Stimmen für ein Knessetmandat zu erhalten. Doch er ließ sich nicht unterkriegen, auch nicht von Benjamin Netanjahu, der sein Mentor war und in dessen Regierungen er mehrere Ministerposten bekleidet hatte.

Er stehe politisch rechts von Netanjahu, betonte Bennett bei seinen Wahlkampfauftritten, was er als Kritik an seinem ehemaligen Chef verstand. Vor allem aber distanzierte sich Bennett von Netanjahus „Politik des Hasses und der Spaltung der Nation“, wie er sagte.

Dass er nicht polarisieren will, beweist Bennett jetzt mit der kunterbunt zusammengesetzten Koalition. Im Kabinett vertreten ist das breite Spektrum der Politik – nicht nur rechte Parteien, sondern auch linke, diejenigen der Mitte und von Arabern. Für einen Anhänger des Groß-Israel-Traums ist das fürwahr keine Selbstverständlichkeit.

Bennett ist zwar Ideologe, aber er kann auch pragmatisch sein und weiß, mit Widersprüchen umzugehen. So lebt er, obwohl er den Ausbau der Siedlungen in der Westbank unterstützt, mit seiner sechsköpfigen Familie nicht in einer
Siedlung auf der Westbank, sondern im vornehmen Tel Aviver Vorort Raanana.

Als wirtschaftspolitisches Vorbild schwebt ihm Singapur vor. Die Start-up-Nation Israel sei zwar erfolgreich, aber der Rest der Wirtschaft sei bisher schlecht gemanagt worden, meint Bennett, der die Bürokratie verschlanken und überflüssige Ministerien abbauen will. Der ehemalige Tech-Unternehmer hat seinen Finanzminister beauftragt, die Steuerlast zu reduzieren, um das Wirtschaftswachstum zu beleben, und die Staatsausgaben für die nächsten vier Jahre einzufrieren.

Mehr: Auf Israels neue Regierungskoalition warten heikle Aufgaben. Immerhin: Der neue Premier Bennett erhält Vorschusslorbeeren.

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