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Naher Osten Angriffe auf saudische Pipeline befeuern den Iran-Konflikt

Ein mutmaßlicher Drohnenangriff auf eine Pipeline gefährdet das fragile Gleichgewicht am Persischen Golf. Iran und Saudi-Arabien drohen sich bereits gegenseitig.
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Laut Saudi-Arabiens Ölminister Khalid Al-Falih hat Saudi-Arabien den Betrieb einer wichtigen Ölpipeline aus Sicherheitsgründen eingestellt. Quelle: dpa
Khalid Al-Falih

Laut Saudi-Arabiens Ölminister Khalid Al-Falih hat Saudi-Arabien den Betrieb einer wichtigen Ölpipeline aus Sicherheitsgründen eingestellt.

(Foto: dpa)

Berlin, FrankfurtDer Konflikt am Persischen Golf zwischen Saudi-Arabien und Iran droht weiter zu eskalieren. Saudi-Arabien hat wegen eines Drohnenangriffs den Betrieb der wichtigen Ost-West-Pipeline eingestellt. Zwei bewaffnete Drohnen sollen Pumpstationen des Ölkonzerns Saudi Aramco angegriffen haben, in einer sei Feuer ausgebrochen. Das teilte Saudi-Arabiens Ölminister Khalid Al-Falih mit, der auch Vorstandschef von Aramco ist.

Aus Sicherheitsgründen sei die Pipeline abgestellt worden. Sie pumpt das Rohöl aus der wichtigen Förderregion in der Ostprovinz ans Rote Meer. Mit fünf Millionen Barrel am Tag geht fast die Hälfte der Fördermenge des weltgrößten Ölriesen durch das 1200 Kilometer lange Rohrleitungssystem in den Hafen Janbu.

Die von Irans Revolutionsgarden unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen erklärten am Dienstag, sie hätten mit mehreren Drohnen Ziele in Saudi-Arabien angegriffen. In der Vergangenheit hatten die schiitischen Rebellen mehrfach das sunnitische Königreich Saudi-Arabien angegriffen – vermutlich mit iranischen Raketen.

Die Ölpreise legten als Reaktion auf die mutmaßliche Attacke deutlich zu: Die Nordseesorte Brent, der wichtigste Referenzpreis, verteuerte sich um rund 1,4 Prozent auf über 71 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) – auch wenn Al-Falih am Dienstag versuchte, Befürchtungen über die saudi-arabische Ölproduktion zu zerstreuen.

Die jüngste Attacke wäre, falls sie sich bestätigt, eine gefährliche Eskalation der Lage am Persischen Golf. Am frühen Dienstagmorgen berichtete die „New York Times“, die US-Regierung plane, 120.000 Soldaten an den Golf zu verlagern. Dies gelte für den Fall, dass der Iran bereits am Persischen Golf stationierte US-Truppen angreife oder seine Arbeit an Atomwaffen vorantreibe.

Anfang der Woche hatten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) „Sabotageakte“ auf vier Tanker und Handelsschiffe, darunter ein norwegisches, gemeldet. Auf Websites staatlicher Medien der Region wurden aber Tanker-Codes von bis zu doppelt so vielen Schiffen veröffentlicht. Auch das nährte Zweifel am Wahrheitsgehalt der Berichte, die auch die Bilder von den Tanker-Beschädigungen nicht vollständig ausräumen können.

Der Iran will im Nervenkrieg am Golf indes mit ähnlichen Bildern Unterstützer auf seine Seite ziehen. So ist auch der Wahrheitsgehalt von Berichten über einen Anschlag auf eine iranische Öl- und Gaspipeline unklar. Bilder der brennenden Rohrleitung gibt es zwar. Ob allerdings ein Anschlag oder ein technischer Defekt Ursache der Havarie war, wurde bis jetzt nicht öffentlich gemacht.

Saudi-Arabien und die VAE fliegen ihrerseits regelmäßig Kampfeinsätze mit Bombern gegen die von den Huthis gehaltenen Gebiete im Jemen. Dort tobt zwischen den Rebellen und der in weiten Teilen entmachteten Führung des Landes ein Bürgerkrieg.

In Irans Süden, wo große Öl- und Gasvorkommen liegen, leben vor allem sunnitische Araber. Saudi-Arabiens Osten, wo die Hauptölfördergebiete gelegen sind, ist vor allem von der schiitischen Minderheit besiedelt. In beiden Regionen kommt es häufig zu Aufständen, die beide Staaten immer wieder niederschlagen. Ende April hatte Saudi-Arabien in einer Massenexekution schiitische Oppositionelle hingerichtet.

Bisher gibt es für alle Anschläge noch keine offiziellen Anschuldigungen gegen konkrete mutmaßliche Täter oder Staaten. Doch Iran auf der einen Seite und Saudi-Arabien sowie die VAE andererseits beschuldigen sich seit Jahren feindlicher Einmischungen im jeweils anderen Gebiet. Iran habe „Aktivitäten zur Eskalation der Spannungen“ durch „Hardliner sowohl in der US-Regierung als auch in der Region“ erwartet, sagte Teherans Außenminister Mohammed Javad Zarif.

Sein Land habe Bedenken wegen der verdächtigen Aktivitäten und Sabotage, die in der Region stattfänden, geäußert. Und er fügte hinzu: „Wir hatten früher erwartet, dass sie diese Art von Aktivitäten durchführen würden, um die Spannungen zu eskalieren“, sagte der iranische Außenminister bei einem Treffen mit seinem indischen Amtskollegen.

Der mächtige saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte bereits betont, dass ein nächster Krieg im Nahen Osten auf iranischem Territorium stattfinden würde. Irans Revolutionsgarden hatten indes immer wieder gedroht, Anschläge auf Ölfördereinrichtungen bei den arabischen Rivalen auszuführen. Auch würden sie nach eigenen Angaben die Straße von Hormus sperren, wenn die USA und die Golfmonarchien Iran bedrohen sollten.

Durch die wichtige Meerenge, die an der engsten Stelle nur zwei Fahrrinnen von je etwa drei Kilometer Breite aufweist und teilweise durch iranische Hoheitsgewässer läuft, wird ein Drittel der global verschifften Ölmenge transportiert.

Die USA haben bereits den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln, das Kriegsschiff USS Arlington sowie eine B-52-Langstreckenbomberstaffel in die Region verlegt. In Katar, wo die B-52 stationiert wurden, ist das Hauptquartier der US-Armee für die gesamte Region. Auf der Insel Bahrain ist die 5. US-Flotte stationiert. Auch in Saudi-Arabien, Kuwait und in Irans Nachbarland Irak haben die USA schon jetzt nennenswerte Truppenkontingente.

Iran hat 350.000 Soldaten sowie 125.000 Mann in den berüchtigten paramilitärischen Revolutionsgarden. Das Land verfügt fast ausschließlich über selbstentwickelte Raketen und Kampfjets. Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Katar geben jedes Jahr Milliarden für Waffen vor allem aus den USA, aber auch aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland aus.

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  • Sender Gleiwitz. Wenn man einen Krieg vom Zaun brechen will, werden Gruende fabriziert.