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Naher Osten Brennende Getreidefelder als Kriegswaffe im Irak und in Syrien

Die jahrelangen Kämpfe sind vielerorts zwar vorbei, aber die Krisengebiete im Nahen Kosten kommen nicht zur Ruhe. Feuer ist dort die neue Kriegswaffe.
31.05.2019 - 09:31 Uhr Kommentieren
Teilweise brennen die Felder in den Krisengebieten tagelang. Quelle: AP
Feuerwehr löst brennendes Feld

Teilweise brennen die Felder in den Krisengebieten tagelang.

(Foto: AP)

Erbil Zunächst sah es nach einem guten Jahr für die Bauern in Syrien und im Irak aus. Es regnete so viel wie seit langem nicht mehr, die Niederschläge sorgten für goldene Weizen- und Gerstenfelder. Und damit wuchs auch die Hoffnung der Menschen in der vom Krieg erschütterten Region.

Aber die guten Nachrichten waren nur von kurzer Dauer. Selbst in Regionen, die als befriedet gelten, wüten inzwischen Feuer auf den Feldern und bringen die Bauern um ihr wertvolles Getreide. Verantwortlich für die Brände gemacht werden sowohl Kämpfer der besiegten Terrormiliz Islamischer Staat wie auch syrische Regierungstruppen.

Hunderte Hektar Ackerland sind in Syrien und dem Irak während der bis Mitte Juni dauernden Erntesaison bereits abgebrannt. „Unser Leben hier ist schon bitter“, sagt Hussain Attija, ein Bauer aus Topsawa Kakaji im Norden des Iraks. „Wenn das so weitergeht, wird meiner Meinung nach niemand hier bleiben. Ich bepflanze jedes Jahr 200 bis 240 Hektar. Nächstes Jahr werde ich das nicht tun können, weil ich das Land nicht Tag und Nacht bewachen kann.“

Bei dem IS gehöre die Politik der verbrannten Erde zum üblichen Vorgehen, wenn sie aus einer Gegend vertrieben werde, sagt Emma Beals, eine unabhängige syrische Wissenschaftlerin. Das sei eine Kollektivstrafe für alle, die zurückblieben.

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    In seinem wöchentlichen Propaganda-Newsletter hat der IS die Verantwortung für das Abbrennen von Feldern übernommen, die hohen Beamten in sechs irakischen Provinzen gehören oder sich im kurdisch verwalteten Teil im Osten von Syrien befinden. „Es sieht nach einem heißen Sommer aus, der die Geldbeutel und die Herzen der Ungläubigen verbrennen wird“, heißt es darin.

    Vorwurf an Regierung

    Teilweise brennen die Felder über mehrere Tage, wie zuletzt im Bezirk Dakuk oder im südlichen Kirkuk. Manchmal legen die Milizen noch Landminen, bevor sie die Brände legen. Diese explodieren dann, wenn die Menschen kommen, um zu löschen. In Topsawa Kakaji wurden so kürzlich zwei Menschen schwer verletzt, wie Bewohner und Behörden berichten.

    In der ehemaligen IS-Hochburg Al-Rakka im Osten Syriens versuchen die Menschen teils verzweifelt, mit Kleidern die Flammen zu ersticken. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schätzt, dass mehr als 30.000 Hektar Ackerland in Hasaka, Al-Rakka und entlang der Strecke in die Provinz Aleppo im Westen abgebrannt wurden.

    In Al-Rakka, wo der größte Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft abhängig ist, hatten viele Menschen nach den Niederschlägen wieder begonnen, ihre Felder zu bewirtschaften. Doch aus einem verheißungsvollen sei ein schwarzes Jahr geworden, sagt Ahmed al-Haschlum von der lokalen Landwirtschaftsorganisation Inmaa.

    Am schlimmsten von den Bränden betroffen sei der Westen von Al-Rakka. Allein eine Zigarette reiche, um Heuballen in Flammen zu stecken. „Da braucht man keine Bomben oder Benzin“, sagt er. Aber auch die syrische Regierung wird für Feldbrände verantwortlich gemacht.

    Ihr Ziel sei, damit die kurdische Verwaltung in Ostsyrien zu schwächen, die unabhängig von der Zentralregierung arbeitet, lautet der Vorwurf. Die kurdischen Behörden räumen ein, dass sie kaum Möglichkeiten haben, gegen die Brandstiftungen vorzugehen.

    Auch Rebellenhochburg Idlib brennt

    Die letzte Rebellenhochburg in Syrien, die Provinz Idlib, ist ebenfalls betroffen. Dort haben Regierungstruppen eine Offensive gestartet. Mit den Bränden soll nach Einschätzung von Aktivisten und Experten den rund drei Millionen Menschen dort die Lebensgrundlage entzogen werden.

    Syrien-Expertin Beals sagt, die Regierung nutze ähnliche Vorgehensweisen wie bei der Belagerung der Rebellengebiete Daraja und Ost-Ghuta in der Nähe der Hauptstadt Damaskus. Aber auch andere Parteien in dem Konflikt hätten die Lebensmittelversorgung als Druckmittel auf die Bevölkerung eingesetzt.

    Schwere Angriffe auf Rebellenhochburg in Idlib

    Das Abbrennen der Felder in Idlib sei wahrscheinlich das letzte Kapitel, sagt Beals weiter. Und das werde Folgen für die Lebensmittelversorgung und die Fähigkeit der Menschen haben, sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Das Ausmaß der Feldbrände in Idlib sei viel größer als in anderen Gegenden.

    Nach Ansicht der Vereinten Nationen wirken sich die Brände auch auf die Zukunft von Idlib aus: Der Boden werde durch das Feuer beschädigt, zudem stelle der Rauch ein Gesundheitsrisiko für die Menschen dar, die in der überbevölkerten Provinz ohnehin schon überdurchschnittlich oft an Atemwegsproblemen litten.

    Bereits vor dem Krieg erlebte Syrien eine verheerende Dürre, die zu Engpässen bei der Versorgung führte. Das Abbrennen der Felder ist laut Beals zwar lokal begrenzt und die Auswirkungen könnten nicht mit jenen der Dürre von damals verglichen werden. „Aber das ist erst der Anfang des Sommers“, sagt sie. „Wenn das mit den Bränden so weitergeht, kann das zu einer Krise führen.“

    Mehr: Nach etwa fünf Jahren hat der Krieg gegen den IS in Syrien und im Irak vorläufig ein Ende. Die Opposition besiegt die Terrormiliz.

    • ap
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