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US-Soldaten in Syrien

Ein Telefonat zwischen Trump und Erdogan soll zu dem Rückzug geführt haben.

(Foto: AFP)

Naher Osten Der Rückzug der USA aus Syrien entfacht einen neuen Machtkampf

Kritiker fürchten, die Türkei und der Iran werden das Machtvakuum füllen, das der US-Truppenabzug hinterlässt. Im Kern der Kritik: Donald Trump.
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Berlin, IstanbulVia Twitter hat Donald Trump das Ende des Kampfeinsatzes der USA in Syrien angekündigt. „Wir haben den IS in Syrien besiegt, für mich der einzige Grund, während der Trump-Präsidentschaft dort aktiv zu sein“, schrieb der US-Oberkommandeur am Mittwoch.

Die Amerikaner ziehen 2 000 Soldaten aus dem Bürgerkriegsland ab. Sie hinterlassen, auf fast einem Viertel der Landfläche Syriens, eine immer noch vorhandene Restmenge an Terroristen – und ratlose Bündnispartner, die nicht wissen, wie und womit sie diese Lücke füllen wollen.

„Die Entscheidung des Weißen Hauses ist Anlass zur Sorge“, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). „Der IS ist zwar territorial unter Kontrolle, aber als Gefahr keineswegs besiegt. Im Osten Syriens wird weiter um Widerstandsnester des IS gekämpft“, sagte sie.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warnte vor einem vorschnellen Rückzug. „Es besteht die Gefahr, dass die Konsequenzen dieser Entscheidung dem Kampf gegen den IS schaden und die erreichten Erfolge gefährden“, sagte Maas.

Klar ist: Das Gebiet ist lukrativ. Es beherbergt die größten Ölvorkommen des Landes. Und die Region ist strategisch wichtig, vor allem für die syrische Regierung, sowie die Regierungen in Ankara und Teheran. Nach dem Kampf gegen den IS könnte in Syrien künftig wieder verstärkt um Kontrolle von Territorium gekämpft werden.

Von der Leyen hoffte, dass „die Amerikaner nicht Hals über Kopf abziehen, sondern sich Ihrer Verantwortung nicht nur gegenüber den eigenen Truppen, sondern auch gegenüber anderen bewusst sind“.
Aus US-Kreisen hieß es, der Beschluss zum Rückzug der Amerikaner sei nach einem Telefonat zwischen Trump und Erdogan entstanden. Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, verteidigte das Vorgehen.

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„Dass wir uns aus Syrien zurückziehen, sollte niemanden überraschen.“ Der Rückzug bedeute auch nicht, dass die USA jetzt dem Iran das Feld in der Region überließen. Im Nordosten Syriens droht jetzt ein Krieg an mehreren Fronten – und mittendrin die kurdisch geprägte Miliz der PYD/YPG.

Die Gruppe hat im Nordosten Syriens ein Gebiet föderaler Selbstverwaltung ausgerufen und wurde im Kampf gegen den IS von den USA unterstützt. In der Vergangenheit haben PYD-Mitglieder auch Anschläge in der Türkei geplant. Ankara will daher Fakten schaffen. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar erklärte, das Militär werde die von Kurden beherrschte syrische Stadt Manbidsch östlich des Flusses Euphrat ins Visier nehmen.

Die Türken könnten nun von Norden einmarschieren, während die YPG im Osten den letzten Rest IS bekämpft. Offen wäre dann die Südwestflanke des YPG-Protektorats: Dort stehen syrische Regierungstruppen bereit, die wichtigste Ölregion des Landes wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Wie der Iran vorgehen wird, ist unklar. Beobachter befürchten, die iranische Schiitenmiliz Hisbollah könne nun weiter nach Osten vorstoßen, um die Grenze zum Irak zu kontrollieren. Dann wäre es dem Iran gelungen, einen gesicherten Landweg von der libanesischen Hauptstadt Beirut bis nach Teheran zu etablieren – was kaum im Sinne Trumps sein dürfte, der den Iran zu einem seiner Erzfeinde erklärt hat.

Beim Besuch des iranischen Präsidenten Ruhani in Ankara am Donnerstag kam das Thema nur verkürzt zur Sprache. „Wir werden gemeinsam Machenschaften unterbinden, die die regionale Sicherheit gefährden“, so Erdogan. Ruhani forderte Respekt für Syriens territoriale Integrität.

US-Verteidigungsminister Jim Mattis hatte bis zuletzt vor einem frühen Rückzug gewarnt. Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton versicherte Ende September: „Wir werden uns nicht zurückziehen, solange iranische Truppen außerhalb der iranischen Grenzen sind.“

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