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Nato-Vize Rose Gottemoeller „Wir müssen die Druckmittel auf Nordkorea aufrecht erhalten“

Die Nato-Vizechefin warnt im Interview davor, Kim zu viel Vertrauen entgegenzubringen. Präsident Trump beschreibt sie als Verhandlungsexperten.
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Die 65-Jährige ist Vize-Generalsekretärin der Nato. Quelle: dpa
Rose Gottemoeller

Die 65-Jährige ist Vize-Generalsekretärin der Nato.

(Foto: dpa)

SingapurDer Korea-Konflikt steht in diesem Jahr im Zentrum des Shangri-La-Dialogs in Singapur. Die hochrangig besetzte Sicherheitskonferenz in Asien findet einmal pro Jahr statt – vergleichbar mit der Sicherheitskonferenz jedes Frühjahr in München. Mit dabei ist auch Rose Gottemoeller. Die US-Militärexpertin ist seit 2016 stellvertretende Generalsekretärin der Nato.

Frau Gottemoeller, es sieht so aus, als würde der Nordkorea-Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nun wirklich stattfinden. Ist das eine gute Nachricht?
Die Nato hat sich schon immer dafür eingesetzt, dass wir als globale Gemeinschaft dieses Problem am Verhandlungstisch lösen. Wir sind deshalb mit der Entwicklung sehr zufrieden und wünschen Präsident Trump und seinem Team alles Gute für die Gespräche. Ein Erfolg wäre nicht nur positiv für die koreanische Halbinsel, sondern für die ganze Welt.

Was erwarten Sie sich von den Verhandlungen?
Ich habe sehr große Hoffnungen. Ich glaube da kann ich auch uneingeschränkt für den Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und die gesamte Allianz sprechen: Wir sind sehr zuversichtlich, dass diese Verhandlungen gelingen werden.

Ist Kim Jong Un denn wirklich bereit seine Atomwaffen aufzugeben?
Ich sehe, dass sehr ranghohe Vertreter Nordkoreas die Details diesen Gipfel in einer sehr pragmatischen Art vorbereiten. Von außen sieht es so aus, als ginge es ihnen darum, Probleme zu lösen. Das erscheint mir als hoffnungsvolles Zeichen seitens der Nordkoreaner.

Zuversicht gab es mit Blick auf Nordkorea in der Vergangenheit schon häufiger.
Wir hatten viele Fälle, in denen Verhandlungen nicht erfolgreich waren. Ich arbeite an diesem Thema seit 1994. Ich habe viele Momente der Hoffnung und viele Momente der Enttäuschung erlebt. Ich hoffe, dass wir dieses Mal auf einem Pfad der Hoffnung bleiben.

Präsident Trump sagt, dass er angesichts der Entwicklung gar nicht mehr von maximalem Druck auf Nordkorea sprechen will. Ist es wirklich schon an der Zeit, den Druck auf Nordkorea abzuschwächen?
Ich werde mir nicht anmaßen, die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten zu kommentieren. Ich verweise auf die gute Stellungnahme seines Verteidigungsminister James Mattis, der die Verhandlungen als Prozess betone, in dem es darum geht, ein gutes Resultat zu erzielen.

Japan warnt davor, Nordkorea schon allein dafür zu belohnen, dass es an Gesprächen teilnimmt.
Das ist einfach gute Verhandlungspraxis. Man muss Druckmittel aufrecht erhalten. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem man Flexibilität für neue Ideen hat und die Gegenseite zu Entscheidungen bewegen kann. Dafür braucht man die richtigen Hebel. Ich bin sehr dafür, diese zu behalten.

Vertrauen Sie Kim Jong Un?
Ich glaube in jeder Verhandlung muss es ein gewisses Vertrauen dafür geben, dass die andere Seite es ernst meint. Aber ich glaube es ist gefährlich, in einem frühen Stadium der Verhandlungen absolutes Vertrauen zu zeigen. Ich halte es mit Ronald Reagan: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Südkorea hält die Skepsis für übertrieben. In Seoul glaubt man: Dieses Mal ist alles anders.
Ich hoffe wirklich, dass das der Fall ist. Die Zukunft wird es zeigen. Noch haben die Gipfelgespräche nicht begonnen. Da ist es schwer, Schlussfolgerungen zu ziehen. Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Nordkoreaner überhaupt verhandeln wollen?
Ich glaube, das ist die Folge der harten Sanktionen. Diese sind nun besser implementiert als früher. Manche Länder in der Region, haben noch nie dagewesene Maßnahmen ergriffen, um den Druck zu erhöhen. Das hat ein Umfeld geschaffen, in dem die Nordkoreaner verstehen, dass sie sich bewegen müssen.

Ist das Donald Trump anzurechnen?
Den zunehmenden Druck durch Sanktionen gibt es schon seit längerem. Unter Präsident Trump haben sie einen Höhepunkt erreicht. Aber ich glaube, wir dürfen nicht vergessen, dass es den Druck schon vorher gab.

Sie haben über viele Jahre schwierige Verhandlungen mit den Sowjets und den Russen geführt. Haben Sie Verhandlungstipps für Trump?
Präsident Trump ist ein Verhandlungsexperte. Er hat darüber sogar ein Buch geschrieben. Ich habe über meine Verhandlungen nie ein Buch geschrieben. Ich maße mir deshalb nicht an, ihm Ratschläge zu geben.

Sie spielen auf Trumps Buch „The Art of the Deal“ an, das vor 30 Jahren in seiner Zeit als Immobilienunternehmer veröffentlicht wurde. Was ist, wenn er mit diesen Strategien keinen Erfolg hat?
Man ist natürlich immer besorgt, dass Verhandlungen auch scheitern können. Natürlich möchte man nicht, dass sich die beiden Seiten trennen, ohne irgendetwas erreicht zu haben. Aber manchmal macht es natürlich auch taktisch Sinn, den Verhandlungstisch vorübergehend zu verlassen, um der anderen Seite zu zeigen, dass man die Forderungen ernst meint und Fortschritte braucht, bevor es weitergehen kann.

Europas Verhandlungen mit Trump sind zuletzt mehrfach gescheitert – beim Iran-Abkommen oder beim Streit um Zölle. Die Nato erscheint mit Blick auf die vielen Differenzen in diesen außenpolitisch turbulenten Zeiten massiv geschwächt.
Nein, über solche Bemerkungen muss ich immer schmunzeln. Wir sind in Brüssel gerade von unserem früheren Hauptquartier umgezogen, das wir seit 1967 hatten, nachdem uns die Franzosen damals gebeten hatten, Paris zu verlassen. Das war damals eine sehr schwierige Phase für die Nato und sie ist auch dann nicht auseinandergebrochen. Die Nato ist wie eine große Familie. Wir haben Höhen und Tiefen, aber wir bleiben immer aneinander geschweißt. Wir können nicht voneinander weg.

Frau Gottemoeller, vielen Dank für das Interview.

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