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Naturkatastrophe Tsunami hinterlässt Chaos in Indonesien

Erneut wird Indonesien von einer verheerenden Tsumani-Katastrophe erschüttert. Die Zahl der Todesopfer dürfte noch weiter steigen.
Update: 24.12.2018 - 03:31 Uhr Kommentieren

Flutwelle trifft Indonesien – Mindestens 220 Todesopfer bestätigt

JakartaEine Tsunami-Katastrophe auf den indonesischen Inseln Sumatra und Java hat mindestens 281 Menschen das Leben gekostet und schwere Schäden angerichtet. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde vom Sonntag wurden zudem mehr als 1000 Menschen verletzt, weitere galten als vermisst. Es wurde befürchtet, dass die Zahlen noch steigen könnten. Die Flutwellen waren mitten in der Urlaubssaison über beliebte Touristenstrände hereingebrochen.

Getroffen wurden Küstenstriche zu beiden Seiten der als Sundastraße bekannten Meerenge zwischen Sumatra und Java. Laut der Indonesischen Agentur für Geophysik war die Ursache vermutlich ein Ausbruch des in der Meeresenge liegenden Vulkans Anak Krakatau, der wiederum einen Unterwasser-Erdrutsch zur Folge hatte. Demnach ereignete sich die Eruption am Samstagabend um 21.03 Uhr (Ortszeit), 24 Minuten später sei der Tsunami auf Land getroffen.

Nach Angaben des Geoforschungszentrums Potsdam erschütterte ein Beben der Stärke 5,1 in etwa einem Kilometer Tiefe die Sundastraße. Außerdem sei etwa zeitgleich der Anak Krakatau ausgebrochen, sagte der GFZ-Experte Jörn Lauterjung am Sonntag. Ihm zufolge sei jedoch noch unklar, ob der Vulkanausbruch oder das Beben den Erdrutsch ausgelöst haben, der vermutlich die Ursache für den Tsunami war. 90 Prozent der Tsunamis entstünden durch starke Erdbeben, daher löse das Frühwarnsystem erst ab einer Stärke von 6,5 bis 7 Alarm aus.

Verschlimmert wurde die Situation dadurch, das gleichzeitig Flut herrschte, wie Katastrophenschutz-Sprecher Sutopo Nugroho erklärte. Nach seinen Worten kamen sowohl in der zu Sumatra gehörenden Provinz Lumpang auf der nördlichen Seite der Sundastraße Menschen zu Tode als auch in Javas Provinz Banten, die südlich der Meeresenge liegt und an die indonesische Hauptstadt Jakarta grenzt.

Die Höhe der Flutwelle wurde laut GFZ an vier Messstellen erfasst. An dreien davon sei die Flutwelle 35 Zentimeter, an der vierten etwa 90 Zentimeter hoch gewesen, sagte Lauterjung weiter. Je nach Beschaffenheit des Meeresbodens könne die Welle aber an manchen Orten auch deutlich höher gewesen sein, betonte der Experte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Betroffenen ihr Beileid ausgesprochen. „Die Nachrichten und Bilder aus Indonesien sind bestürzend. Wir trauern mit den Familien der Opfer - und hoffen, dass nun viele Menschen gerettet werden können“, schrieb die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Sonntag im Namen der Kanzlerin auf Twitter. Merkel drücke Präsident Joko Widodo „das tief empfundene Beileid der Deutschen“ aus.

Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass Deutsche unter den Opfern seien, teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Sonntag auf Twitter mit.

Auch Papst Franziskus kondolierte. „Meine Gedanken gehen in diesem Moment an die indonesische Bevölkerung, die von gewaltigen Naturkatastrophen getroffen wurde“, sagte das Katholikenoberhaupt nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. Er beklagte die verlorenen Menschenleben, die zahlreichen Vermissten und Obdachlosen sowie die beträchtlichen Schäden. „Ich rufe alle auf, sich mir in meinem Gebet für die Opfer und ihre Lieben anzuschließen.“

Im Internet kursierten Filmaufnahmen vom Auftritt der Band „Seventeen“ unter einem Zelt am Strand. Zwischen zwei Songs, während der Schlagzeuger noch spielte, stürzte die Bühne plötzlich nach vorn und schleuderte die Band mit ihrem Instrumenten ins Publikum. Das Management teilte mit, der Bassist und ein Manager der Band seien tot geborgen worden. Vier weitere Bandmitglieder würden vermisst.

Einige der am heftigsten getroffenen Gegenden befinden sich in Banten, wo es viele Strandunterkünfte für Touristen gibt. Alleine hier starben nach Angaben von Nugroho 126 Menschen. Angesichts der Urlaubssaison herrschte dort Hochbetrieb. Nugroho zufolge wurden mindestens 430 Häuser, neun Hotelanlagen, zehn Schiffe und Dutzende Autos beschädigt. Schwere Tsunami-Schäden wurden unter anderem vom Urlauberstrand Carita gemeldet. Nugroho verbreitete über seine Twitter-Seite Videoaufnahmen, auf denen Trümmerhaufen vor zerstörten Häusern und völlig demolierte Autos zu sehen waren.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Für die Einwohner sind Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche keine neue Erfahrung. Der Inselstaat hat so viele aktive Vulkane wie kein anderes Land der Welt.

Beim Mega-Tsunami an Weihnachten 2004 starben dort mehr als 160.000 Menschen, so viele wie nirgendwo sonst in der Region. Insgesamt kamen damals in den östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 230.000 Menschen ums Leben.

Vor knapp drei Monaten wurde die bei Urlaubern beliebte indonesische Insel Sulawesi von einem schweren Erdbeben und einem dadurch ausgelösten Tsunami heimgesucht, der mehr als 2200 Menschen das Leben kostete. Damals machte sich unter vielen Indonesiern Verbitterung breit über die aus ihrer Sicht zu langsame Reaktion der indonesischen Behörden auf die Katastrophe.

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  • dpa
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