Neue Absatzmärkte Waffen, Uran, Öl – wie sich Moskau um Macht in Afrika bemüht

Nach China hat vor allem Russland in Afrika längst Fuß gefasst. Beim Waffengeschäft stört sich Moskau auch nicht an Uno-Embargos.
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Moskau findet Abnehmer für seine Maschinenbau-Ausrüstung vor allem in Afrika. Quelle: dpa
Südafrikanische Goldmiene

Moskau findet Abnehmer für seine Maschinenbau-Ausrüstung vor allem in Afrika.

(Foto: dpa)

BerlinNagelneue Ural-Panzer ließ Faustin-Archange Touadéra, der Präsident der Republik Zentralafrika, Ende März vor dem zerfallenden Palast von Berengo zu einer Militärparade auffahren. Blitzblankes Gerät in einem Land, das weitgehend in einzelne Milizengebiete zerfallen ist.

Und ein großer Schönheitsfehler: Der Stolz des 2016 gewählten Staatschefs eines Landes, gegen das ein Uno-Waffenembargo gilt, hatte – wie auch Lieferant Russland – keine Genehmigung zum Kauf der T-72-Kettenpanzer.

Touadéra, der nicht einmal eigene Leibwächter mit Pistolen haben darf und deshalb ruandische und russische Beschützer hat, habe „persönlich um Hilfe gebeten“, rechtfertigte das russische Außenministerium Moskaus Mission in Zentralafrika.

Russland trainiert inzwischen eine Spezialeinheit vor Ort mit Moskauer Militärausbildern – „kostenlos“, wie das Außenamt an der Moskwa betont. Bei der Uno sei zudem vom Kreml eine Ausnahmegenehmigung zur Lieferung von Handfeuerwaffen, Maschinenpistolen und Raketenwerfern erwirkt worden für den Präsidenten, der in der Schule Russisch gelernt hat.

Russlands Ziel: „neue Weltordnung durchsetzen“

Dabei hat es Russland inzwischen leichter: Seit Juni leitet der Vertreter Moskaus den Weltsicherheitsrat. Und ein Ziel haben Russlands Präsident Wladimir Putin und sein Außenminister Sergej Lawrow, der zuletzt zahlreiche afrikanische Länder bereist oder deren Präsidenten im Riesenreich empfangen hat: Sie wollen eine „neue Weltordnung“ durchsetzen.

Afrika, fügte Lawrow in Ruanda hinzu, „ist dabei ein wichtiger Eckstein“. Dort versprach Putins Chefdiplomat Afrika mehr Mitsprache in der Uno, und im Gegensatz zu westlichen Ländern sagte er militärische Zusammenarbeit zu ohne „Einmischung in innere Angelegenheiten“ – also ohne Diktatoren in den Arm zu fallen.

13 Prozent ihrer Exporte liefert die russische Rüstungsindustrie nach Afrika. Daneben geht es Moskau vor allem um Uranabbau, Goldminen, Öl und Gas sowie industrielle Großprojekte. Denn Abnehmer für die Projekte seiner Maschinenbauer und Ausrüster findet Moskau in entwickelten Staaten kaum.

Russlands Außenminister bereist derzeit vermehrt afrikanische Staaten. Quelle: dpa
Sergej Lawrow

Russlands Außenminister bereist derzeit vermehrt afrikanische Staaten.

(Foto: dpa)

Und im finanziell klammen Afrika hilft der Kreml mit seinen Staatsbanken nach: Die VTB, Russlands zweitgrößtes Geldhaus, hat ebenso wie die Promswjasbank, die Gazprombank und das Exportförderinstitut Eximbank Afrika-Dependencen gegründet. Sie finanzieren Pipelines, die sich die jeweiligen Staaten sonst nicht leisten könnten, und andere Infrastrukturprojekte.

An Chinas Einfluss kommt Russland nicht heran

Zwar hat Russland in der Dekade bis 2015 seine Direktinvestitionen um 185 Prozent gesteigert – doch an Chinas Einfluss kommt Moskau trotz der langjährigen guten Beziehungen der Sowjetunion zu einzelnen afrikanischen Staaten lange nicht heran.

Gefördert werden so die Aktivitäten von Rosatom, dem russischen Atomkonzern, der in Uganda ein Kernkraftwerk bauen möchte und in Afrika noch mehr Uran finden will als schon daheim. Rosatom reichert mit 36 Prozent des Urans so viel Spaltmaterial an wie kein anderer Konzern weltweit.

Lawrow nannte in Kigali die „friedliche Nutzung der Kernenergie“ als eines der wichtigsten russischen Anliegen auf dem Schwarzen Kontinent.

Bei der Jagd auf sogenannte Blutdiamanten wurde der russische Waffenschieber Viktor Bout, der heute in den USA im Gefängnis sitzt, weltberühmt. Um das in Afrika große Thema Gold kümmert sich vor allem der Oligarch Jewgeni Prigoschin, in Moskau nur „Putins Koch“ genannt.

Seine M-Invest hat im Sudan und eben in der Republik Zentralafrika Goldabbaulizenzen. Gesichert werden die Anlagen gleich von seiner „Grupa Wagnera“. Die „Wagner“-Söldnertruppe wurde durch ihre Einsätze auf der Krim, in der Ostukraine, in Libyen und Syrien ebenso berühmt wie berüchtigt.

Daneben ist auch die reguläre russische Armee in Afrika vielerorts im Einsatz: Ob Kongo, Südsudan oder Darfur – Russland ist bei allen Uno-Blauhelmeinsätzen stark dabei.

Der Dank für Moskaus Engagement kam von dem per Haftbefehl vom Internationalen Strafgericht gesuchten Präsidenten des Sudans, Omar al-Bashir: Er bietet dem Kreml ein Versorgungszentrum für die russische Marine unweit des Suezkanals. Russlands Ansatz in Afrika, sagt Ronak Gopaldas, Direktor von Signal Risks in Südafrika, sei „harte Machtpolitik, angeführt durch militärisches Engagement, kombiniert mit Energie-Diplomatie“.

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