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Neue Runde im Handelsstreit USA führen Zölle auf Matratzen und Bierfässer ein – „Nackter Wirtschaftsterrorismus“

Keine Anzeichen für Entspannung: Mit harschen Worten und neuen Zöllen haben China und die USA ihren Handelsstreit weiter angefacht. Auch Deutschland ist betroffen.
Update: 30.05.2019 - 12:29 Uhr 1 Kommentar
Die Behältnisse aus rostfreiem Stahl aus Deutschland, Mexiko und China werden von den USA mit neuen Zöllen belegt. Quelle: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer
Hochregallager mit Bierfässern

Die Behältnisse aus rostfreiem Stahl aus Deutschland, Mexiko und China werden von den USA mit neuen Zöllen belegt.

(Foto: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer)

Washington, Peking, HannoverIn einer neuen Runde des Handelsstreits erheben die USA Strafzölle auf chinesische Matratzen sowie Bierfässer aus rostfreiem Stahl aus Deutschland, Mexiko und China. Exporteure aus den entsprechenden Ländern hätten die Produkte zu Dumpingpreisen in den USA verkauft, begründete das US-Handelsministerium am Mittwoch den Schritt.

Deshalb würden Matratzen aus China künftig mit einem Strafzoll von bis zu 1732 Prozent belegt. Bei Bierfässern aus rostfreiem Stahl werde auf chinesische Produkte ein Zoll von bis zu knapp 80 Prozent erhoben. Für Produkte aus Deutschland liege der Aufschlag bei 8,61 Prozent, für mexikanische Fässer bei 18,48 Prozent. Die Unterstützung hatten mehrere amerikanische Firmen, etwa die Matratzen-Hersteller Serta Simmons Bedding and Tempur Sealy oder der Fass-Produzent American Keg, beantragt.

„Diese Art, Handelskonflikte bewusst zu schüren, ist nackter Wirtschaftsterrorismus, ökonomischer Chauvinismus, ökonomische Schikane“, sagte Chinas stellvertretender Außenminister Zhang Hanhui am Donnerstag in Richtung USA. Der Handelsstreit werde der Weltwirtschaft sehr schaden, jeder sei ein Verlierer.

In dem seit Monaten tobenden Handelsstreit haben sich die Fronten verhärtet. Am Dienstag hatte China gedroht, als Reaktion auf US-Strafzölle die Ausfuhr Seltener Erden zu beschränken. Diese Gruppe von 17 chemischen Elementen wird in nahezu allen Bereichen der Unterhaltungselektronik wie Smartphones eingesetzt, aber auch in militärischen Geräten.

Das Parteiorgan der Kommunistischen Partei hatte zuletzt angedeutet, dass die Volksrepublik die Ausfuhr in die USA beschränken könnte. „Sagt nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt“, betonen die Autoren von „Renmin Ribao“ an die Adresse der Vereinigten Staaten. „Werden Seltene Erden eine Gegenwaffe Chinas zu dem ohne jeden Grund aufgebauten Druck der USA? Die Antwort ist kein Geheimnis.“

Ein Besuch von Präsident Xi Jinping in einer Produktionsstätte für Seltene Erden in der vergangenen Woche hatte Spekulationen ausgelöst, dass China seine dominante Position als größter Exporteur dieser heiß begehrten Rohstoffe in die Vereinigten Staaten als Hebel im Handelskrieg nutzen würde.

China will ungeachtet des Handelsstreits mit den USA eine „angemessene“ Nachfrage anderer Länder nach Seltenen Erden decken. Es wäre aber inakzeptabel, wenn diese Staaten die begehrten Rohstoffe zur Produktion nutzten und dann China unterdrückten, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums am Donnerstag in Peking.

Deutsche Wirtschaft muss wohl keine Lieferengpässe befürchten

Die Wirtschaft in Deutschland muss keine Lieferengpässe bei Seltenen Erden befürchten, falls sich der Handelskrieg zwischen den USA und China verschärfen sollte. Zu dieser Einschätzung kommt die Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe in Hannover (BGR). „Wir sehen die Gefahren kurz und mittelfristig als eher niedrig an“, sagte Harald Elsner, Wirtschaftsgeologe bei der BGR, der Deutschen Presse-Agentur.

Deutschland habe 2018 rund 9724 Tonnen seltene Erdmetalle und -verbindungen importiert. Unter dem Strich stammten davon 80 Prozent aus China und 20 Prozent aus Russland. Diese Zahlen seien in den vergangenen Jahren relativ konstant gewesen, sagte Elsner.

Große Unternehmen kauften für die Produktion in Deutschland direkt in China ein und hätten langfristige Lieferverträge, die von der Auseinandersetzung nicht betroffen seien. Unternehmen, die auch in den USA produzieren, könnten aber durchaus die Auswirkungen des Handelskriegs zu spüren bekommen. „Deutsche Firmen wären durchaus betroffen im internationalen Kontext, aber nicht unbedingt hier in Deutschland“, sagte der Wirtschaftsgeologe.

Kleinere Unternehmen in Deutschland hätten zunächst noch genügend Vorräte an Seltenen Erden, sie würden vor allem von einem österreichischen Zwischenhändler versorgt.

China dominiert den Markt, von den in die USA importierten Seltenen Erden kommen rund 80 Prozent aus der Volksrepublik. Das US-Verteidigungsministerium fordert Gelder aus dem Staatsbudget, um die heimische Produktion zu stärken und die Abhängigkeit von China zu verringern.

Der Handelsstreit zwischen den beiden weltgrößten Wirtschaftsmächten hatte sich verschärft, nachdem die USA den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt und von Staatsaufträgen ausgeschlossen hatte. Zudem verhängte Washington Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar.

China setzte am Donnerstag seinerseits weitere Nadelstiche und startete eine Prüfung von Importen von Polyphenylensulfid aus Japan, den USA, Südkorea und Malaysia auf unrechtmäßige Wettbewerbsvorteile. Die Zölle auf einen anderen chemischen Stoff, Tetrachlorethylen, verlängerte China für Importe aus den USA und der Europäischen Union bis Ende Mai 2020. „Wir sind gegen einen Handelskrieg, aber wir haben keine Angst vor einem Handelskrieg“, sagte Zhang.

Der Zollstreit hat auch die Börsen fest im Griff: Rund um den Globus sorgten die Ängste vor einer Rezession der Weltwirtschaft für sinkende Kurse. „Die Aktienmärkte preisen einen langen Handelskrieg ein“, sagte Soichiro Monji, Aktienstratege bei Sumitomo Mitsui Asset Management. Hoffnungen ruhten auf dem für Ende Juni geplanten G20-Treffen in Japan. „Die USA und China könnten das Event für neue Verhandlungen über den Handel nutzen.“

Mehr: Droht ein Währungskrieg zwischen China und den USA? Lesen Sie hier, warum viele Experten befürchten, dass China seine Währung weiter abwerten könnte.

Brexit 2019
  • rtr
  • dpa
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1 Kommentar zu "Neue Runde im Handelsstreit: USA führen Zölle auf Matratzen und Bierfässer ein – „Nackter Wirtschaftsterrorismus“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die USA grenzen sich aus. Auch wenn diese Massnahmen evtl zurueckgenommen werden,
    der Vertrauensverlust bleibt. Mittelfristig bleiben 2 Bloecke - die USA und die anderen.

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