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Neue Russland-Sanktionen Die Angst vor dem Wirtschaftskrieg wächst

In der Ukraine-Krise geht der Westen nun mit Sanktionen gegen russische Unternehmen vor. Das bekommen auch Europas Börsen zu spüren. Die deutsche Wirtschaft befürchtet einen Bumerang-Effekt - mit schlimmen Folgen.
Update: 17.07.2014 - 16:31 Uhr 16 Kommentare
Russlands Präsident Wladimir Putin: „Sanktionen haben einen Bumerang-Effekt und führen die amerikanisch-russischen Beziehungen zweifellos in eine Sackgasse.“ Quelle: Reuters

Russlands Präsident Wladimir Putin: „Sanktionen haben einen Bumerang-Effekt und führen die amerikanisch-russischen Beziehungen zweifellos in eine Sackgasse.“

(Foto: Reuters)

BerlinAls Helmut Schmidt vor einigen Monaten die von der Europäischen Union und den USA beschlossenen Sanktionen gegen Russland als „dummes Zeug“ bezeichnete, wollte ihm kaum einer beipflichten. Dabei war die Begründung, die er hinterherschob gar nicht so abwegig. Weiter gehende wirtschaftliche Sanktionen würden ihr Ziel verfehlen, sagte der Altkanzler damals. Auch sie hätten vor allem symbolische Bedeutung, „aber sie treffen den Westen genauso wie die Russen“. Nun scheint sich die Andeutung Schmidts zu bewahrheiten.

Angesichts der jetzt beschlossenen massiven Sanktionsverschärfungen droht eine weitere Abkühlung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Westen und Russland. In der deutschen Wirtschaft wurden am Donnerstag schon Befürchtungen laut, dass Russland die Beschlüsse zu Strafmaßnahmen mit gleicher Münze zurückzahlen könnte. „Selbstverständlich haben die aktuellen Sanktionsverschärfungen zur Folge, dass die deutsch-russischen Handelsbeziehungen weiter beeinträchtigt werden“, sagte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton F. Börner, Handelsblatt Online.

Nach Einschätzung des Deutschen Industrie-und Handelskammertags (DIHK) verhindern die EU-Sanktionen künftig Finanzierungen der Osteuropabank und der europäischen Investitionsbank. "Das unterbindet vorerst insbesondere die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland bei größeren Infrastrukturprojekten“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier Handelsblatt Online.

Stärker dürften aus Treiers Sicht deutsche Firmen von den US-Sanktionen gegen den russischen Rohstoff- und Finanzsektor betroffen sein. „Deutsche Unternehmen mit russischem und mit  US-Geschäft müssen ihre Geschäftsbeziehungen auf die zwischen USA und EU unterschiedlichen Sanktionsbestimmungen hin überprüfen und in der Folge beachten“, sagte der DIHK-Experte. „Die nicht kompatiblen Sanktionsschritte stellen diese Unternehmen vor eine zusätzliche Herausforderung.“ Betroffen davon sei etwa jedes vierte deutsche Unternehmen, das im Ausland aktiv ist.

 Die russische Führung nährte die Ängste vor einem Wirtschaftskrieg. „Sanktionen haben einen Bumerang-Effekt und führen die amerikanisch-russischen Beziehungen zweifellos in eine Sackgasse“, sagte der russische Präsident Wladimir Putin während eines Brasilien-Besuchs mit Blick auf die US-Entscheidung.

Das Finanzministerium in Washington hatte zuvor Strafmaßnahmen unter anderem gegen russische Rüstungs-, Finanz- und Energieunternehmen verhängt. Betroffen sind die Gazprombank, der Energiekonzern Rosneft, das Gasförderunternehmen Novatek und die Vnesheconombank (VEB), über die der Staat Zahlungen abwickelt. Guthaben der vier Firmen werden zwar nicht eingefroren, doch wurde ihr Zugang zum amerikanischen Kapitalmarkt beschränkt. Auch Rüstungsunternehmen wie der Hersteller von Kalaschnikow-Maschinengewehren sind betroffen.

Auch die EU legte mit neuen Sanktionen nach. Die Staats- und Regierungschefs der 28 Mitgliedsländer beschlossen, die Reise- und Konto-Sperren gegen Russen und Ostukrainer auszuweiten, denen eine Destabilisierung der Ukraine vorgeworfen wird. Bis Ende Juli will die EU eine Liste von Firmen erarbeiten, die von Strafen betroffen sind. Die europäischen Projektförderbanken EBRD und EIB wurden angewiesen, keine neuen Projekte mit Russland zu genehmigen.

Die EU begab sich mit ihren Straf-Beschlüssen einen Schritt weiter in Richtung echter Wirtschaftssanktionen, die als „Phase 3“ in der Strategie der Europäer gelten. „Wir gehen jetzt schon in den wirtschaftlichen Bereich hinein“, räumte Bundeskanzlerin Angela Merkel ein.

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16 Kommentare zu "Neue Russland-Sanktionen: Die Angst vor dem Wirtschaftskrieg wächst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • WAAS machend unsere Politiker mit unseren Interessen? Ich glaubs ja nicht. Sanktionen gegen Russland weil die Amis die Ukraine als Aufmarschgebiet brauchen? Sind die von allen guten Geistern verlassen? Weil die Amis ihre Ölkonzerne vor Konkurrenz schützen wollen (und natürlich über kurz oder lang an die riesigen Bestände wollen, wie im Irak und im Iran) begehen die Deutschen Harakiri? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Wer hat bloß Merkel und die Stones (T'schuldige, Mick) gewählt? Diese Leut ab an die Front!

  • Natürlich war mein Beitrag sarkastisch und überspitzt - aber ganz ehrlich: was wollen Sie tun?
    Ich kann Ihnen Alllen nur mitteilen, was ich selbst darüber denke, aber für das "Big Play" hat das keinerlei Konsequenzen:
    die USA sind pleite, restlos pleite - finanziell und in moralischer Hinsicht. Das US-Imperium ist in das Siebte Stadium jedes Imperiums eingetreten: den Zerfall, der auch gleichzeitig den Zerfall ihrer Währung (der WeltleiDwährung) USD mit sich bringen wird:
    http://www.youtube.com/watch?v=EdSq5H7awi8&list=TLT4w7VoglJorJ4l_XBMTt4DJ7FgO5TpJ4
    Das untergehende Imperium (mit seinen allwissenden Geheimdiensten) WEISS natürlich, was ihm bald blühen wird: der Untergang des Dollar basierten Schuldgeldsystems, das sein wichtigster Stützpfeiler ist. Wir haben bereits eine Anti-Dollar-Allianz der BRICS-Staaten, und ein starker eurasischer Wirtschaftsraum, in dem der USD keine Verwendung mehr findet, ist der absolute Alptraum für die USA. Also versucht man, einen Keil zwischen Europa / EU und Asien (mit Russland als wichtigem Verbindungsglied) zu treiben. Und wenn es ein richtiger Krieg an der Grenze der beiden Wirtschaftsräume wird: noch besser. Die Amis sind weit weg und können auch noch Waffen liefern (Man bedenke: die USA wurde insbesondere erst dadurch zum Imperium, weil sie in WW1 lange Zeit unbeteiligt war, aber nach Europa Kriegsmaterial und insbesondere auch viele andere (zivile) Güter lieferte - da die Europäer ja auf Kriegswirtschaft umgestellt hatten. Und in den letzten Kriegsjahren konnten die US-Truppen die abgekämpften und vielfach auch hungernden Soldaten der Mittelmächte de facto überrollen.)
    Und wenn es hier heißt, Russland solle doch (am besten mit China zusammen) GLEICH die US-Treasuries abstoßen: vielleicht wollen das die USA ja gerade. Man bedenke: natürlich wären die Amis dann schon morgen bankrott, aber die Chinesen würden in diesem Falle ca. 4 Billionen USD verlieren. Und haben sie wirklich schon genug Gold, um den Yuan damit zu decken?

  • Die in Russland engagierten deutschen Unternehmen sind schon recht phantasielos. Mehr Mut, neue Geschäftsfelder erschließen, die Welt besteht nicht nur aus Russland!
    Aber wenn ein Ex-Bundeskanzler für einen russischen Konzern tätig ist …

    Wer in den vergangenen Jahren nur Profit aus Gier sah - und nur seine Ruhe haben wollte - für den war und ist Russland ein Geschäft gewesen.
    Wer nur Ruhe will, dem ist alles andere egal. Auch wenn dafür die Ukraine, Georgien oder das Baltikum geopfert werden müssen.
    Hauptsache, der deutsche Michel wird nicht in seinen Geschäften gestört.

  • Wenn wir als Volk es nicht schaffen diese Rabauken und Schwindler, welche sich Politiker und Volksvertreter nennen, abzuschaffen, werden wir uns schon in naher Zukunft in einem Horrorszenario befinden. Diese Leute vertreten das Volk nicht bzw lange nicht mehr. Wir müssen uns aktiv wehren und zwar sofort!

  • Die Dinge sind ganz einfach: Die USA sind bankrott; der US$ ist dabei, die Funktion als Weltleitwährung zu verlieren und damit die Grundlage der USA, auf Kosten des Rests der Welt leben zu können - so wie früher Großbritannien. Das Ponzi-Schema der FED ist am Ende. Deshalb braucht die US-Administration einen Krieg, um von der Malaise abzulenken und das Volk und die europäischen Vasallenstaaten hinter sich zu scharren. Brzezinski und Wolfowitz googlen, um die US-Geopolitik zu verstehen. Alles Andere ist Schubiduba für die Mainstreamberichtserstattung. Schmidt, den ich in wirtschaftlichen Fragen verachte als Hyperkeynesianisten, kapiert als einer der wenigen, in welch prekärer Situation die Deutschen mit dem €, der EU und dem Status eines besetzten Lands mit stark eingeschränkter Souveränität sich befinden. Gäbe es keine Nuklearwaffen, hätten wir längst Krieg. Die US-Neocons gehen von der Führ- und Gewinnbarkeit eines Atomkriegs aus. Danach wären die Russen so schwach, dass sie entwaffnet werden könnten. Der Raketenschirm für zumindest due USA zucerlässig schützen. Und selbstverständlich würden die USA nach der Vernichtung der größten Teile Europas nach einem Krieg selbstlos mittels eines neuen Marshallplans Wiederaufbauhilfe leisten. Zum Glück rüsten die Russen und die Chinesen nuklear auf. Vielleicht bringt das die Neocons zur Besinnung - denn nicht nur Europa würde zerstört, sondern eben auch die USA. Die Zukunft wird spannend. Was wird passieren, wenn die FIAT-Währungen kollabieren? Schade, dass meine Glaskugel in der Spülmaschine milchig geworden ist. Ich weiß nicht mehr als andere. Aber: Geschichtsbücher lesen hilft. Aber nicht nur die "westlichen" Narrativa! Denn die Wahrheit gibt es nirgends - im Westen schon lange nicht mehr!

  • Mit dem Argument der Selbstbestimmung für Bosnien Herzegowina, das 1914 im Besitz der K&K- Monarchie war
    gschah der Mord in Sarajevo an dem östereichischen Thronfolger und einen Monat später befand sich Europa im WKI.

    Die Endbilanz 1918 waren Millionen Tote und Verstümmelte

  • Die russischen Palladiumbestände sollen aufgebraucht sein- sagen "Experten", ein sicheres Zeichen dass das Gegenteil war ist. Die Frage ist, was hat Russland vor? die Torschlusspanik in der Autoindustrie nutzen, um zu hohen Preisen zu verkaufen, kanadische Konkurrenz zu riskanten Investitionen verleiten, und in der nächsten Phase durch Niedrigpreise die Konkurrenz in die Pleite treiben?
    So würde ich es machen.

  • Wenn der Druck weiter zunimmt, wird Putin eine militärische Lösung suchen. Dies ist von den USA durchaus gewollt. Die Frage ist, was Frau Merkel und Herr Steinmeier dann tun werden. Frau von der Leyen an die Front!? Herr Wellmann und Frau Harms können sich dann freiwilig melden.

  • @Frau Margrit Steer: Also ich kenne nur 5 Kontinente: Amerika, Europa, Asien, Australien, Afrika. Hat man an den Schulen und Universitäten die Geographie geändert? Seit wann gibt es einen russischen Kontinent? Gilt die "Lex Putin", so wie auf der Krim? Was gibt Putin das Recht, die Krim zu annektieren? Haben die Ukrainer kein Selbstbestimmungsrecht? Gönnt man den Ukrainern nicht die Wahl zwischen EU und Russland? Woher nehmen Sie das Recht, Andersdenkende als "dumm" zu bezeichnen? Ist es der scheinbar moralischen Überlegenheit geschuldet? "Diese Frage muss doch mal gestellt werden". Auch die Polen haben die Wahl gehabt, und nach über 40 Jahren "paradiesischer" Zustände sich für die Nato und EU entschieden. Warum wohl? Trotz NSA, Goldman Sachs etc. sind mir die Amis eine Trillionen mal lieber, als die Russen. Punkt.

  • @ Herr Helmut Metz

    Sie haben recht. Mit moralischen Bewertungen ändern wir nicht viel. Spekulieren ist allerdings erlaubt.

    Ich verstehe nichts von Short- oder Longspekulationen, höchstens, dass ich noch mal an die Tankstelle fahren oder meinen Öltank im Keller auffüllen lassen würde, aber wenn man schon auf fallende Kurse setzen würde, dann, so meine ich, sollte man alle deutschen Aktiengesellschaften, die nennenswerte Geschäfte mit Russland machen, auf Short setzen.

    Dass sich die deutsche Regierung den US-diktierten Sanktionen anschließen will, zeugt von in meinen Augen von ihrer grenzenlosen Dummheit (die sich ja auch schon in der Energiewende austobt). Die Regierung schadet mit ihren Sanktionen vor allem uns selbst.

    Zum Schluss doch noch eine moralische Einschätzung meinerseits: Der Westen ist der Hauptschuldige an der Entwicklung in der Ukraine. Er hat die Ukraine destabilisiert (wie vorher schon den Irak und Lybien). Russland dagegen zeigt, obwohl die Ukraine einen mörderischen Krieg mit Panzern und Granaten gegen die russischsprachige Bevölkerung führt, bisher eine bemerkenswerte Zurückhaltung.

    Meine Angst ist, dass Putin seine zögerliche und verantwortungsvolle Haltung aufgeben muss, weil die öffentliche Meinung in Russland ihn dazu zwingt, und damit beginnt, die Aufständischen mit modernen Waffen zu beliefern. Dann könnte sich der bisherige innerukrainische Bürgerkrieg zu einem für ganz Europa gefährlichen Konflikt ausweiten.

    Fazit: Der Westen spielt mit dem Feuer. Und wir in Deutschland haben viel mehr zu verlieren als die Amerikaner.

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