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Neuer Brexit-Minister Dominic Raab ist Theresa Mays neuer Verhandlungsführer – und ihr Konkurrent

Völlig überraschend trat der Mann zurück, der Großbritannien aus der EU führen sollte zurück. Sein Nachfolger könnte Theresa May gefährlich werden.
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Auf Raab ruht die Hoffnung der britischen Konservativen. Quelle: Bloomberg
Dominic Raab

Auf Raab ruht die Hoffnung der britischen Konservativen.

(Foto: Bloomberg)

LondonEs war eine Entscheidung, bei der sich die britische Premierministerin Theresa May keinen Fehler erlauben durfte. Nachdem ihr Brexit-Minister David Davis Knall auf Fall zurückgetreten war, stand sie vor der Frage, wer den Posten übernehmen soll. Die Briten verfolgten ihre Wahl mit Argusaugen.

Denn seitdem das EU-Referendum Großbritannien in zwei Lager gespalten hat, muss die Regierungschefin auch in ihrem Kabinett eine fein austarierte Balance zwischen Brexit-Befürwortern und -Gegnern einhalten, um keine Rebellion auszulösen. Ihre Wahl fiel auf Dominic Raab, den bisherigen Staatssekretär für Bau- und Wohnungswesen.

Eine Entscheidung, die für die Regierungschefin nicht ohne Risiko ist: Denn mit Raabs Ernennung könnte May einem ihrer gefährlichsten Konkurrenten einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

Raab, der smart wirkende Sohn eines tschechischen Einwanderers, ist wie sein Vorgänger ein Befürworter des Brexits, hatte zuletzt aber moderatere Töne angeschlagen. In den vergangenen Monaten hatte Raab sich immer wieder loyal hinter seine Regierungschefin gestellt.

Vertreter der jungen Konservativen

Sein größter Vorteil ist aber auch sein größter Nachteil für May: Der 44-Jährige gilt als Vertreter einer neuen, jungen Generation konservativer Politiker. Auf ihm ruhen viele Hoffnungen der Parteigranden. Raabs Name fällt deswegen auch immer, wenn über Mays Nachfolge spekuliert wird – die am Montagnachmittag dann auch noch den Rücktritt von Außenminister Boris Johnson hinnehmen musste.

Schon als am Freitag gemunkelt wurde, dass Minister aus Protest gegen die Brexit-Pläne zurücktreten könnten, stand Raab weit oben auf der Liste möglicher Nachfolger. Doch vielen Briten ist Raab trotz seiner langen Jahre in der Regierung und Ämtern als Staatssekretär nicht bekannt, ihm fehlte das öffentliche Profil eines Ministers. Bei den letzten Neubesetzungen im Kabinett war er noch leer ausgegangen.

Böse Zungen behaupten, dass May ihren Konkurrenten nicht zu sehr fördern wollte. Denn dass der Jurist ehrgeizig genug ist, um in der Politik Karriere zu machen, denken die Briten nicht erst, seit eine seiner Sekretärinnen vor Kurzem peinliche Details über ihren Chef ausplauderte.

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Dazu kommt, dass Raab und May nicht immer gut miteinander konnten. Als May noch Innenministerin war, hatte sie ihn öffentlich gerügt für seinen Kommentar, Feministinnen seien bigott, und die Beschwerde, dass Männer von Frauen benachteiligt würden.

Dass Raab „nicht gut mit Frauen könne“, erzählte auch seine Sekretärin. Sie hatte einem Reporter pikante Details aus dem Büroalltag berichtet. „Arrogant“ sei Raab, schilderte die Britin, die auch zugab, nebenbei mit Sex Geld zu verdienen. Zudem lästerte sie, dass sie ihm jeden Tag das „Dominic Raab Spezial“ einer bestimmten Sandwichkette kaufen müsse: ein Baguette, belegt mit Huhn und Bacon, dazu einen Smoothie und eine kleine Obstbeilage.

Die Zeit läuft gegen Raab

Wenn Raab in den kommenden Tagen auf den Kontinent reist, um den Brexit-Plan der Regierung zu erklären, wird er auf seinen Lieblingslunch verzichten müssen. Aber der Posten als Brexit-Minister hat noch schwerwiegendere Nachteile: Wenn die Verhandlungen mit der EU schlecht laufen, fällt das auf denjenigen zurück, der die Gespräche offiziell geführt hat.

Zum anderen aber – und das war auch der Hauptgrund, weswegen Raabs Vorgänger Davis zurückgetreten war – steuert die britische Regierung gerade auf einen „soften Brexit“ zu, obwohl Davis diese Linie nicht vertrat.

Davis fühlte sich seit Langem übergangen. Nicht nur, weil sich May selbst in den Verhandlungen immer stärker engagierte, sondern auch nachdem sie vor einigen Monaten ihrem Berater Olly Robins die Leitung der Brexit-Verhandlungen in Brüssel übertragen hatte.

Damit muss nun auch Raab klarkommen. „Dominic ist sehr fähig“, lobte ihn der Konservative Jacob Rees-Mogg. „Aber die Frage ist, wer wird die Verhandlungen führen? Wird es 10 Downing Street bleiben oder wird es Dominic übernehmen?“

Zudem läuft mit dem Brexit in 262 Tagen auch die Zeit für das extra dafür geschaffene Brexit-Ministerium ab. Für jemanden wie Raab sind das keine verlockenden Perspektiven. Aber womöglich hat der Box-Fan schon längst die nächste Runde im Blick.

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