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Neuer britischer Premier Hunt gegen Johnson: Siegt die Vernunft über die Leidenschaft?

Die Tories haben jetzt eine echte Wahl: Außenminister Jeremy Hunt hat es mit Favorit Boris Johnson im Rennen um den Parteivorsitz unter die letzten zwei geschafft.
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Einer der beiden wird Tory-Chef und damit Premierminister werden. Quelle: AP
Jeremy Hunt (l.) und Boris Johnson

Einer der beiden wird Tory-Chef und damit Premierminister werden.

(Foto: AP)

London Im Kampf um den Tory-Parteivorsitz wird Außenminister Jeremy Hunt im Finale gegen seinen Vorgänger Boris Johnson antreten. In der fünften Abstimmungsrunde unter den 313 konservativen Abgeordneten baute Spitzenreiter Johnson am Donnerstag seinen Vorsprung auf 160 Stimmen aus. Hunt wurde Zweiter mit 77 Stimmen. Umweltminister Michael Gove erhielt zwei Stimmen weniger und schied aus. Zuvor war bereits Innenminister Sajid Javid ausgeschieden.

Damit haben die 160.000 Tory-Mitglieder in der Urwahl ihres neuen Parteichefs und Premierministers nun eine echte Wahl. Auf der einen Seite steht der schillernde Sprücheklopfer Johnson, der Wortführer des Brexit-Flügels, der einen Austritt aus der EU bis zum 31. Oktober verspricht. Auf der anderen Seite steht der blasse, aber seriöse Hunt, der 2016 für den Verbleib in der EU stimmte und bis zuletzt den Kompromisskurs von Theresa May mitgetragen hat.

Johnson ist laut Umfragen der klare Favorit. Denn aus Sicht der konservativen Basis ist Hunt der Vertreter des alten Regimes von Theresa May. Als „Remainer“ hat er den gleichen Makel wie die bisherige Premierministerin. Die Parteimitglieder wollen endlich einen „Brexiteer“ in der Downing Street, einen Neuanfang.

In den kommenden Wochen werden sich Johnson und Hunt auf 16 Regionalkonferenzen den Mitgliedern stellen. Das erste Aufeinandertreffen ist am Samstag in Birmingham. Abgestimmt wird per Briefwahl, die Entscheidung soll in der Woche vom 22. Juli fallen.

Die Lebensläufe der beiden Kandidaten weisen viele Parallelen auf. Beide stammen aus der britischen Oberschicht. Johnsons Vater war Europapolitiker, Hunts Vizeadmiral. Beide studierten in Oxford, der Uni, die die meisten Premierminister hervorgebracht hat. Beide suchten sich Berufe mit großer Freiheit: Johnson wurde Journalist, Hunt Unternehmer - mit einer Suchmaschine für Studiengänge wurde er zum Multimillionär. Beide sind liberale Konservative.

Doch vom Typ her sind sie höchst unterschiedlich. Hunt war sechs Jahre Gesundheitsminister, bevor er Außenminister wurde. Er schlug sich mit komplexen Reformen herum, wurde zum Sachpolitiker. Johnson hingegen war acht Jahre Bürgermeister von London, ein Job ohne echte Macht, aber mit großer Außenwirkung.

Johnson will ungeordneten Brexit riskieren

Wird am Ende die Leidenschaft siegen oder die Vernunft? Der Charismatiker Johnson versteht es, die Säle zum Kochen zu bringen. Er zeichnet große Visionen und nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau. Hunt tritt eher leise und diplomatisch auf. Als er vergangenes Jahr auf dem Parteitag die EU mit der Sowjetunion verglich, kam dies nicht nur für seine europäischen Außenministerkollegen als Schock. Auch die Parteifreunde wunderten sich.

Die unterschiedliche Herangehensweise zeigt sich auch beim Brexit. Johnson verkündet vollmundig, das Land müsse bis zum 31. Oktober aus der EU austreten. Eine weitere Verlängerung führe zu einem „katastrophalen Vertrauensverlust“. Er will auch einen ungeordneten Brexit riskieren. Ob er es tatsächlich so weit kommen lassen würde, wird bezweifelt. Aber er hatte noch nie ein Problem damit, etwas zu versprechen, was er nicht halten kann.

Hunt hingegen will sich nicht auf ein Ausstiegsdatum festlegen. Er weiß, dass eine weitere Verlängerung wahrscheinlich ist. Auch warnt er vor den wirtschaftlichen Schäden eines ungeordneten Brexits.

Die Europäer werden hoffen, dass der bedächtige Hunt die Urwahl gewinnt. Doch schon aus diesem Grund hat er keine Chance. Die konservative Basis will keinen politischen Vegetarier, sondern einen Fleischfresser. Alle Zeichen stehen daher auf Johnson. Der sagte am Donnerstag bereits dem „Evening Standard“, die Politik müsse wieder aufregender werden.

Mehr: Der Europa-Chef der Citigroup bereitet die US-Bank auf einen ungeregelten Brexit vor und expandiert in Frankfurt. Im Interview erklärt David Livingstone, warum er vom „extremsten“ Brexit-Szenario ausgeht.

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