Neuer EU-Kommissionspräsident CSU-Vize Weber wird Spitzenkandidat für Europas Konservative

Die EVP schickt Manfred Weber als Spitzenkandidat in die Europawahl 2019 und damit ins Rennen um das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Ob er Erfolg hat, hängt von zwei Faktoren ab.
Update: 08.11.2018 - 12:54 Uhr Kommentieren
CSU-Vize Weber wird wohl Spitzenkandidat für Europas Konservative Quelle: AP
Manfred Weber

Der CSU-Vize ist zum Spitzenkandidaten der EVP gewählt worden.

(Foto: AP)

HelsinkiEr greift nach dem mächtigen Amt in Brüssel und könnte als erster Deutscher seit 50 Jahren an die Spitze der EU-Kommission rücken: Der Deutsche Manfred Weber soll nach dem Willen der Europäischen Volkspartei 2019 neuer EU-Kommissionspräsident werden.

Die EVP wählte den stellvertretenden CSU-Chef am Donnerstag in Helsinki nach Angaben aus Parteikreisen mit rund 79 Prozent der Delegiertenstimmen zu ihrem Spitzenkandidaten für die Europawahl 2019 und nominierte ihn damit für das EU-Spitzenamt in Brüssel. Der 46-Jährige wird Gegenspieler des Sozialdemokraten Frans Timmermans, der ebenfalls Kommissionschef werden will.

Weber setzte sich innerhalb seiner Parteienfamilie, zu der auch CDU und CSU gehören, am Donnerstag zunächst gegen den ehemaligen finnischen Regierungschef Alexander Stubb durch. In seiner Bewerbungsrede präsentierte sich Weber, derzeit Fraktionschef der EVP im Europaparlament, als mitfühlender Konservativer.

„Ich träume von einem Europa, das niemanden abhängt und wo wir härter arbeiten, um bessere Lebensbedingungen für alle Europäer zu schaffen“, erklärte Weber. Als seine großen Themen nannte er den Schutz der Außengrenzen und europäischer Werte, aber auch den Traum, dass Europäer als erste eine Heilung für Krebs finden. „Für uns bei der EVP ist jeder Mensch wichtig“, meinte Weber.

Ob Weber tatsächlich EU-Kommissionspräsident wird, hängt von zwei Faktoren ab: Er müsste bei der Europawahl Ende Mai 2019 ein gutes Ergebnis für die EVP einfahren, so dass sie wie bisher die größte Fraktion im Europaparlament stellt. Zum zweiten braucht er die Rückendeckung der EU-Staats- und Regierungschefs, die das Recht zur Nominierung des Kommissionschefs haben.

In der EVP und im Parlament ist Weber bestens vernetzt, und er hat breiten Rückhalt, auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Politisch unterscheiden haben sich Stubb und Weber ohnehin nicht – was die beiden EVP-Bewerber auch unumwunden zugegeben haben.

Das Amt gilt als das wichtigste in der EU. Die Kommission kann Gesetze vorschlagen, Verträge aushandeln und die Einhaltung von EU-Recht überwachen. Die Riesenbehörde beschäftigt 32.000 Menschen. Der erste und einzige deutsche Kommissionschef war Walter Hallstein in den 1960er Jahren, damals allerdings für die viel kleinere und anders organisierte Europäische Gemeinschaft.

  • dpa
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