Neuer EZB-Chef Mario Draghi, bitte übernehmen Sie!

Der neue Chef der Europäischen Zentralbank ist Pragmatiker, aber kein Stabilitätspolitiker deutschen Schlages. Mit dem Kauf von Staatsanleihen durch die EZB hat er kein Problem – was in Deutschland für Skepsis sorgt.
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Auf Mario Draghi kommen aufregende Monate und Jahre zu. Quelle: dapd

Auf Mario Draghi kommen aufregende Monate und Jahre zu.

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Es war sein letzter Tag an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). Und Jean-Claude Trichet verbrachte ihn damit, den Märkten Interpretationshilfe für seinen Nachfolger Mario Draghi zu geben. Der Italiener, der heute sein Amt an der EZB-Spitze antritt, hatte sich dafür ausgesprochen, die „unkonventionellen Maßnahmen der EZB so lange weiterzuführen, wie nötig.“ Die Märkte verstanden darunter die Fortführung des Aufkaufs von Staatsanleihen durch die EZB.

Trichet sah sich genötigt, zu erklären, was sein Nachfolger wirklich gemeint haben könnte. Jüngste Äußerungen Draghis seien vom Finanzmarkt „nicht richtig verstanden worden“, sagte Trichet der Nachrichtenagentur Reuters. Tatsächlich hatte Draghi konkret nur die großzügige Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken und die Neuauflage des Pfandbrief-Aufkaufprogramms genannt. Trotzdem wirft Trichets „Nachhilfe“ einen Schatten auf Draghis Start in Frankfurt. Denn die Kommunikation mit den Märkten gehört zur Schlüsselqualifikation von Notenbankpräsidenten.

Klar ist überdies, dass der neue EZB-Chef keine Schonzeit eingeräumt bekommt. Schon in zwei Tage muss Draghi die Sitzung des 23-köpfigen EZB-Rats leiten, bei der es wieder einmal hoch her gehen wird. Soll die EZB ihr kräftig zurückgefahrenen Käufe von Staatsanleihen wieder hochfahren, wie das Italiens Premier Silvio Berlusconi gerne hätte. Oders soll die EZB die Staatsanleihenkäufe beenden, wie es die deutschen Vertreter im EZB-Rat und deren Verbündete fordern? Und soll die EZB umgehend den Leitzins von 1,50 Prozent senken, um Rezessionsgefahren einzudämmen? Oder würde ein solcher Schritt das Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber der Notenbank und ihrem neuen italienischen Präsidenten nur noch verstärken?

Hohe Erwartungen
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12 Kommentare zu "Neuer EZB-Chef: Mario Draghi, bitte übernehmen Sie!"

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  • Alle hier sind sich einig, dass es falsch ist, wenn die EZB Staatsanleihen aufkauft. Keiner sagt, was stattdessen richtig wäre.

    Fakt ist doch, das gegenwärtig von Italien 6,5% Zinsen zu zahlen sind und in den nächsten Monaten über 400 Mia. refinanziert werden müssen. Das soll möglich sein mit diesen Zinssätzen? Das kann ich nicht glauben.

    Was also ist die Alternative, etwa sparen? Da steht erst mal Berlusconi im Weg. Einnahmen, also Steuern drastisch erhöhen, welcher Premier sollte das wohl politisch überleben.

    Wer sich gegen Anleihenkäufe durch die EZB ausspricht, der verkündet m. E. gleichzeitig, dass er für die Abschaffung des Euro plädiert.

  • Dracula ist der Super-GAU!

    Ein Italiener, der die deutschen Ersparnisse inflationiert.

    Aus Stammtischgerede (vor der Euroeinführung), ist leider alptraumartige Wahrheit geworden!

    Die Stammtische hatten leider recht.

  • Hat die Politik überhaupt eine Informationslage, auf der sie agieren kann?

    Hat man einen solchen Status überhaupt schon einmal eingefordert? Normalerweise hätten alle Abgeordnete vor ihren Abstimmungen einen solchen einfordern müssen, um überhaupt eine eigene Entscheidung begründen zu können. Oder geht man dort schon davon aus, dass der Euro nur noch Spielgeld, alles nur statistisch ist?

    Der Eindruck drängt sich auf.

    Das wäre bedauerlich, aber den Eindruck hat man, wenn man bedenkt um welche Summen es sich hier handelt und offensichtlich keiner weiß über was er abstimmt.

    Es ist auch nicht vorstellbar, dass sich die Kanzlerin keinen Rat bei Axel Weber und Jürgen Stark eingeholt hat. Sie feiert offensichtlich lieber Geburtstag mit Herrn Ackermann.

  • Wenn der Hund auf die Wurst aufpassen soll. Wie kann man jemand aus den Südstaaten als Währungshüter installieren. Die deutsche Zustimmung zu dieser Personalie hat schon volksverräterische Züge. Deutschland muss aus dem Euro raus, das ist jetzt alternativlos geworden. Es wird Zeit, dass diese Horrorveranstaltung ein Ende nimmt.

  • Tja - am ersten Tag seiner Amtszeit hat die EZB angefangen im grossen Stil italienische Staatsanleihen aufzukaufen. Es hat nicht wirklich lange gedauert bis er sein wahres Gesicht gezeigt hat; es ist ein unglaublicher Skandal was hier egspielt wird.

  • Seine Aufgabe wird darin bestehen, im nächsten Jahr für ca. 500 Mrd. Euro Schrottanleihen (hauptsächlich italienische) aufzukaufen. Italien weiss seine Interessen zu vertreten.

  • Natürlich wird die EZB weiter ital. Anleihen kaufen. Eigentlich schon ein absoluter Skandal, dass sie dies überhaupt tun darf. Italien ist ja in keiner Notlage! 6% Zinsen bei 3% Inflation sind real 3%! Das ist doch extrem günstig! Erwarten die Länder eigentlich dass man Ihnen das Geld langfristig zum Nulltarif anbietet? Wo man doch weiß, dass es nicht produktivitätssteigernd eingesetzt wird?

  • Die Quadratur des Kreises
    oder
    die Wandlung vom Bock zum Gärtner!
    Dieser Typ wird doch auch nur das Wohl seines „Bella“ im Fokus haben!

  • Wo sind die deutschen Spitzenkräfte in der EU / EZB ?

    Merkel hat sie alle ausgebootet .

    Mit den Versagern aus den Euro-Bankrottländern hat sie weniger Kontrapolitik zu erwarten .

    Trichet war doch der größte Versager .

    Draghi ist auch Ackermanns-Gehilfe .

    Wie sollte es auch anders sein !

  • Nord- und Südeuropäer passen von der Mentalität her nicht in eine gemeinsame Währung.
    Das haben alle Experten schon vorher gesagt, aber die Euro-Ideologen wollen ja von der Realität nichts hören.
    Wer nicht hören will, muss fühlen.
    Herr Draghi wird die Kaufkraft des Euro noch mehr zerstören.

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