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Neues Kabinett Ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen soll US-Finanzministerin werden

Investoren begrüßen die Wahl von Yellen als neue US-Finanzministerin. Sie gilt als brillante und kompromissfähige Ökonomin.
23.11.2020 Update: 24.11.2020 - 15:15 Uhr Kommentieren
In Washington tritt die ehemalige Fed-Chefin zu einer schwierigen Zeit ihren neuen Posten an. Durch die Coronakrise ist die Wirtschaft abgewürgt. Das Land ist hoch verschuldet. Quelle: AFP
Janet Yellen übernimmt das Finanzministerium

In Washington tritt die ehemalige Fed-Chefin zu einer schwierigen Zeit ihren neuen Posten an. Durch die Coronakrise ist die Wirtschaft abgewürgt. Das Land ist hoch verschuldet.

(Foto: AFP)

New York Janet Yellen braucht ein Podest, um ans Mikrofon zu kommen. Aber an ihrer akademischen und ökonomischen Statur gibt es keinen Zweifel. Nun soll die ehemalige Fed-Gouverneurin in der kommenden US-Regierung von Joe Biden und Kamala Harris Finanzministerin werden. 

Wenn die 74-Jährige vom Senat bestätigt wird, wird das US-Finanzministerium zum ersten Mal von einer Frau geführt. Doch Yellen ist die Rolle der Pionierin gewöhnt: Schon bei ihrer Promotion war sie die einzige Frau unter rund zwei Dutzend Männern, die bei den Nobelpreisträgern James Tobin und Joseph Stiglitz damals ihren Doktor gemacht haben. 

Zwischen 2014 und 2018 war sie außerdem die erste Frau, die die US-Notenbank geführt hat. Sie sorgte dafür, dass Amerikas Wirtschaft, die sich gerade von der Finanzkrise erholt hatte, weiter wuchs und Jobs schuf. Dennoch hielt Donald Trump sie nicht im Amt, sondern setzte Jerome Powell an ihre Stelle.

Nun könnte Yellen als Finanzministerin in die Machtzentrale in Washington zurückkehren. Sie gilt als politisch sichere Wahl: Als moderate Demokratin, die in ihrer Zeit als Fed-Chefin die Zinsen niedrig gehalten hat, wird sie voraussichtlich auch die nötigen republikanischen Stimmen im Senat bekommen können.

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    Neben Yellen wurden auch der Fed-Gouverneurin Lael Brainard gute Chancen auf den Posten eingeräumt, die sich zuletzt immer wieder auch für eine stärkere Regulierung der Banken ausgesprochen hatte.

    Joe Biden gibt erste Ministerposten seines Kabinetts bekannt

    El-Erian: „Positives Zeichen für die Märkte“

    Eine Finanzministerin Yellen wäre auch ein positives  Zeichen für die Märkte, glaubt Mohamed El-Erian, der ökonomische Chefberater der Allianz. Das Weiße Haus und die Märkte hätten unter US-Präsident Donald Trump eine „starke gegenseitige Abhängigkeit entwickelt“, gibt El-Erian zu bedenken.

    Diese könnte unter Yellen eher fortgeführt werden als unter Brainard. „Yellen neigt eher dazu, Finanzmärkte zu unterstützen“, sagte El-Erian am Montag im Gespräch mit dem Handelsblatt. Brainard dagegen hätte eher die Tendenz, „sich auf die Mainstreet als auf die Wall Street zu konzentrieren.“

    „Yellen hätte als frühere Notenbank-Chefin mehr Gravitas als andere Kandidaten, wie Fed-Gouverneurin Leal Brainard“, sagt Daniel Alpert, Mitgründer der Investmentbank Westwood Capital. „Die Biden-Regierung steht schließlich vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen“, gibt Alpert zu bedenken. Das könnte auch bei Verhandlungen mit dem Kongress helfen, etwa wenn es um ein neues Konjunkturpaket geht.

    Fed-Chef Jay Powell fordert bereit seit Monaten fiskalpolitische Hilfen für die Wirtschaft. „Janet Yellen ist da ganz auf seiner Seite”, sagt der frühere Fed-Gouverneur Randal Kroszner, der heute an der University of Chicago lehrt. Yellen „muss Dinge finden, die sowohl für Demokraten als auch für Republikaner wichtig sind. Das wird keine einfache Aufgabe”, sagt Kroszner.
    Sie sei jemand, „der Dinge erreichen und auf den Weg bringen will. Sie ist immer extrem gut vorbereitet. Das wird ihr helfen, wenn sie sich mit Abgeordneten trifft und Kompromisse finden muss.“

    Auch im linken Flügel der Partei kommt Yellen gut an. Ihre letzte Amtshandlung als Fed-Chefin war, die Bank Wells Fargo nach verschiedenen Skandalen zu harten Auflagen zu verdonnern. Das hatte damals Senatorin Elizabeth Warren gefordert, die im vergangenen Jahr ebenfalls für das Amt des Präsidenten kandidierte.

    Yellen „ist smart, hartnäckig und prinzipientreu. Als eine der erfolgreichsten Fed-Chefs aller Zeiten hat sie sich gegen die Wall-Street-Banken gestellt und vor allem Wells Fargo zur Rechenschaft gezogen, die Familien betrogen haben“, lobte Elizabeth Warren.

    Brillante Ökonomin mit einem Auge auf Soziales

    Yellen gilt als brillante Ökonomin, die unter anderem in Harvard und an der London School of Economics gearbeitet hat. Sie war schon in den Jahren 1977 und 1978 als Volkswirtin bei der Fed. Für zwei Jahre leitete sie das ökonomische Beratergremium von US-Präsident Bill Clinton.

    1999 wurde sie Fed-Gouverneurin in Washington. Sie leitete 2004 bis 2010 die Fed San Francisco und wurde 2010 Stellvertreterin des damaligen Fed-Chefs Ben Bernankes.

    Auch zu Hause dreht sich alles um Wirtschaftswissenschaften. Sie ist mit Ökonomie-Nobelpreisträger George Akerlof verheiratet, den sie vor rund 40 Jahren in der Cafeteria der Fed kennengelernt hat. „Ich habe mich schon nach sechs Wochen verlobt“, verriet Yellen 2017 bei einem Gespräch vor Studenten der New York University (NYU), kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit als Fed-Chefin.

    Die Entscheidung „habe ich kein einziges Mal bereut“, versicherte sie. Dabei sei sie sonst eigentlich nicht für spontane Entscheidungen zu haben. Ihr Sohn ist ebenfalls Ökonom und lehrt an der britischen Warwick University. „Ich gebe zu, es gab Urlaube, da saßen wir alle drei am Strand und haben Ökonomie-Bücher gelesen“, verriet sie.

    Yellens persönlicher Stil ist von unerschütterlicher Freundlichkeit geprägt. Selbst bei kritischen Fragen bleibt sie ungerührt und erklärt mit großen Augen ruhig ihre Argumente. Enge Mitarbeiter versichern aber, dass sie trotzdem eine sehr zielstrebige Chefin war, die mitunter sehr persönlich einzelne Mitglieder im geldpolitischen Ausschuss ansprach, um sie auf Linie zu bringen.

    In Washington tritt sie zu einer schwierigen Zeit ihren neuen Posten an. Durch die Coronakrise ist die Wirtschaft abgewürgt. Das Land ist hoch verschuldet. Die Opposition wirft Joe Biden schon jetzt vor, den Sozialismus einführen zu wollen.

    Als Yellen 2014 als Notenbankgouverneurin antrat, versprach sie, die Fed solle für alle Amerikaner da sein und äußerte sich auch während ihrer Amtszeit mehrfach zu sozialen Themen. Besonders ist sie für die langfristigen Schäden von Arbeitslosigkeit sensibilisiert. Das ist gerade jetzt besonders relevant.

    Mehr: Wie sich die Wall Street auf Präsident Biden einstellt

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