Neues Staatsoberhaupt in Liechtenstein Die Fürstenhaus AG

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Daran soll sich unter Alois nichts ändern. Der Erbprinz, den Schulfreunde gerne „Lui“ nennen, ist ein oft schüchtern auftretender Mann. Alles an ihm wirkt kontrolliert, auch wenn er lacht, was nicht so häufig vorkommt. Seine Vorfahren trugen Ritterrüstungen, auch Alois hält erstmal Distanz. Einer, der mit ihm auf dem Gymnasium in die gleiche Klasse ging, sagt: „Er ist irgendwie ein glatter Typ, eloquent und smart, nicht unangenehm, aber unnahbar, wie so viele Banker hier.“

Tatsächlich ist der Erbprinz einer von ihnen, er hat bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Banken gearbeitet. Bezogen auf seine neue Aufgabe sagt er: „Die Erfahrungen im Wirtschaftsleben helfen mir einerseits bei der Verwaltung des Vermögens, und andererseits halte ich ein gutes wirtschaftliches Verständnis in der Politik für wichtig.“ Und er fügt hinzu: „Ich wäre dumm, wenn ich nicht bei wichtigen Angelegenheiten auf die große Erfahrung meines Vaters zurückgreifen würde“ – eine Aussage, die die Leute in Vaduz schon öfter von Alois gehört haben, und die sie zweifeln lässt, ob der Sohn Manns genug ist, den Vater wenigstens hin und wieder zu überstimmen.

„Liechtenstein ist sein Produkt“, sagt Robert Allgäuer und blickt nach oben, dorthin, wo Hans-Adam gewöhnlich im Bürotrakt des Schlosses über der Hauptstadt Vaduz seinen Geschäften nachgeht. Der Unternehmerfürst residiert hinter Steinquadern und Kanonen, die wehrhaft ins Tal zeigen.

Es gibt nicht viele Leute außerhalb der blaublütigen Familie, die sich auf Schloss Vaduz gut auskennen. Allgäuer, 67, der elf Jahre als Kabinettsdirektor persönlicher Sekretär der Fürstenfamilie war, gehört dazu. Hans-Adam, dessen Hochzeit Allgäuer noch Ende der sechziger Jahre organisiert hatte, setzte ihn 1984 als eine seiner ersten Amtshandlungen „liebenswürdig an die Luft“ und bedachte ihn zum Abschied mit dem Titel „Fürstlicher Rat“. „Das hat ihn nichts gekostet“, sagt Allgäuer.

Der untersetzte Mann mit dem wuscheligen grauen Vollbart und dem wirren grauen, noch recht vollen Haar hockt auf einem Klappstuhl inmitten von Bücherbergen, Karrikaturen und Aquarellen. Zu Fuß wären es vielleicht dreißig Minuten von seiner Wohnung hoch zum Schloss, aber Allgäuer ist seit 20 Jahren nicht mehr dort gewesen, aus Enttäuschung über seinen Rausschmiss, wie er sagt. Stattdessen pflegt er die geistige Auseinandersetzung mit der Herrscherdynastie.

Auch von der Kunstsinnigkeit der Familie oben im Schloss ist er nicht überzeugt. Sicher, das Museum in Vaduz profitiert von den Rembrandts und Rubens, die der Herrscher verwahrt und als Leihgaben hin und wieder hinunterschickt ins Tal. Andere Werke sind nun im kürzlich für mehr als 20 Millionen Euro renovierten Gartenpalais der Familie in Wien fürs Volk zugänglich. „Aber Hans-Adam hat die Gemälde und Skulpturen nie als Kunstgegenstände, sondern immer als Bestandteil seines Portefeuilles begriffen“, moniert der fürstliche Berater.

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