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Neues US-Kabinett Der Anti-Trump in der Außenpolitik: Antony Blinken als US-Außenminister ist gut für Europa

Mit Antony Blinkens Nominierung zum US-Außenminister bricht Joe Biden mit Trumps „America first“-Politik. Russland und China müssten sich auf eine härtere Gangart gefasst machen.
23.11.2020 Update: 23.11.2020 - 18:24 Uhr Kommentieren
Der 58-jährige Diplomat soll neuer US-Außenminister werden. Quelle: Reuters
Antony Blinken

Der 58-jährige Diplomat soll neuer US-Außenminister werden.

(Foto: Reuters)

Berlin Deutlicher könnte der Schnitt kaum sein: Der designierte US-Präsident Joe Biden hat laut Agenturberichten wie erwartet an diesem Dienstag den 58-jährigen Diplomaten Antony Blinken als seinen Außenminister nominiert. Das ist das eine deutliche Abkehr von den nationalistischen Alleingängen seines Vorgängers Donald Trump. Blinken steht für eine multilaterale Außenpolitik und setzt dabei insbesondere auf ein enges Bündnis mit Europa.

Sollte Biden auch noch Jake Sullivan zu seinem Nationalen Sicherheitsberater küren, wie es US-Medien berichten, wäre die außenpolitische Wende komplett. Blinken und Sullivan teilen die Überzeugung, dass die USA am besten in Allianzen mit ihren Verbündeten ihre außenpolitischen Ziele erreichen können.

Beide waren in den vergangenen vier Jahren scharfe Kritiker der „America first“-Politik Trumps. Multilaterale Organisationen wie die Nato dürften unter ihrer Führung gestärkt werden.

Die Nominierung Blinkens ist keine Überraschung. Der frühere Redenschreiber von Bill Clinton hat dem neuen US-Präsidenten bereits als Sicherheitsberater gedient, als Biden noch Vizepräsident unter Barack Obama war. Später wurde der gebürtige New Yorker Blinken dann stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater und stellvertretender Außenminister in der Obama-Administration.

Während des aktuellen Wahlkampfs war Blinken der engste außenpolitische Berater des neuen Präsidenten. Biden und Blinken kennen sich seit 20 Jahren. Blinken ist gut vertraut mit der Weltsicht Europas, verbrachte er doch in den 1970er-Jahren einen Teil seiner Schulzeit in Paris, wohin er dann Ende der 1980er-Jahre als Anwalt zurückkehrte.

In Europa dürfte seine Nominierung mit Freude und Genugtuung aufgenommen werden. Rennt Blinken doch mit seiner multilateralen Überzeugung hierzulande offene Türen ein.

Eine rasche Annäherung dürfte es vor allem beim Kampf gegen den Klimawandel geben, aber auch bei neuen Verhandlungen mit dem Iran über das Nuklearprogramm Teherans. Biden hat bereits erklärt, dass die USA unter seiner Führung in das Pariser Klimaabkommen zurückkehren werden und auch zum Atomdeal mit dem Iran stehen, solange sich die Mullahs an die strikten Auflagen halten.

Multilaterale Weltsicht

„Unsere Interessen werden uns wieder in Richtung Kooperation führen“, sagte Blinken schon vor drei Jahren im Handelsblatt-Gespräch voraus. „Praktisch keine Herausforderung, vor der wir stehen, kann noch von einem Land allein bewältigt werden – egal, wie mächtig es ist.“

Auf eine härtere Gangart müssen sich dagegen Russland und China gefasst machen. Die von Noch-US-Außenminister Mike Pompeo vorangetriebene Entkopplung der amerikanischen Wirtschaft von der chinesischen hält Blinken zwar für „kontraproduktiv“.

Aber er scheut sich nicht, Menschenrechtsverletzungen offen anzusprechen, und gilt als Verfechter der liberalen Demokratie auch im Ausland. Der voraussichtlich neue US-Außenminister ist ein liberaler Interventionist, der notfalls auch für den Einsatz militärischer Mittel plädiert.

So unterstützte Blinken zusammen mit Biden den Irakkrieg, forderte ein militärisches Eingreifen in Syrien nach dem Einsatz von chemischen Waffen durch den dortigen Diktator Assad und lobte den von Trump befohlenen Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis 2017. Die Linken in der Demokratischen Partei nehmen ihm die Unterstützung des Irakkriegs bis heute übel.

In den USA wurde schon vor Blinkens Nominierung über die Rückkehr des „Blobs“ gewitzelt. Den Begriff hatte der frühere Obama-Berater Ben Rhodes geprägt, er umschrieb damit das außenpolitische Establishment, zu dem Blinken zweifellos zählt. Den designierten Außenminister allerdings als interventionslüsternen Machtpolitiker zu beschreiben wäre falsch.

Ja, Blinken ist davon überzeugt, dass amerikanische Macht viel Gutes erreichen lässt. Aber nur wenn sie strategisch und in Abstimmung mit Amerikas Alliierten eingesetzt wird.

Die Herausforderung, vor der die neue US-Regierung dabei stehen wird, die Vertrauensbeziehungen zu den europäischen Verbündeten nach den Zumutungen der Trump-Ära wiederherzustellen, hat Blinken im Handelsblatt-Interview zutreffend umschrieben:

„Der Präsident hat eine Glaubwürdigkeitskrise heraufbeschworen. Die Bedeutung unserer Zusagen steht infrage, überall, in jedem Abkommen. Jeder, der sich mit den USA auf Geschäfte einlässt, muss sich fragen, ob unsere Unterschrift mehr wert ist als das Blatt, auf dem sie steht.“ Die Folgen, sagte Blinken, seien gravierend. Und diese Folgen wird er jetzt beseitigen müssen.

Pariser Träume: Fußball, Musik und Filme

Blinken ist in einer jüdischen Diplomatenfamilie aufgewachsen. Sein Vater Donald war in den 1990er-Jahren US-Botschafter in Ungarn. Sein späterer Stiefvater Samuel Pisar ist ein Auschwitz-Überlebender. Nach seinem Studium an den Eliteuniversitäten Harvard und Columbia arbeitete Blinken zunächst als Anwalt, später ging er in die Politik und unterstützte den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis.

Während seiner Jugendjahre in Paris wurde Blinken nicht nur zu einem leidenschaftlichen Fußballfan, sondern auch zu einem exzellenten Gitarristen.

Zwei seiner Songs, „Lip Service“ und „Patiens“, kann man beim Musik-Streamingdienst Spotify finden. Sein Traumberuf war damals der eines Filmemachers.

In den sozialen Netzwerken sorgte Blinken vor allem durch ein Interview mit der Puppe Grover aus der Sesamstraße 2016 für Aufsehen: „Wir alle haben etwas voneinander zu lernen und zu gewinnen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, als hätten wir viel gemeinsam“, sagte Blinken zur Integration von Flüchtlingskindern in amerikanischen Schulen.

Mehr: Antony Blinken soll neuer US-Außenminister werden – Am Dienstag will Biden weitere Kabinettsposten bekanntgeben

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