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Neuseeland Angriff auf Moscheen in Christchurch: Was wir wissen – und was nicht

Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch ist noch vieles unklar – besonders zu den Hintergründen. Ein Überblick.
Update: 15.03.2019 - 20:18 Uhr Kommentieren
Bei den Angriffen auf zwei Moscheen in Christchurch sind mindesten 49 Menschen ums Leben gekommen. Quelle: AFP
Ein Polizist sichert das Gebiet vor der Masjid-al-Noor-Moschee

Bei den Angriffen auf zwei Moscheen in Christchurch sind mindesten 49 Menschen ums Leben gekommen.

(Foto: AFP)

ChristchurchBei einem mutmaßlichen Terrorangriff auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind am Freitag mindestens 49 Menschen getötet worden. Den Gesundheitsbehörden zufolge wurden 48 weitere Menschen mit Schusswunden in Krankenhäuser gebracht.

Was wir wissen

Die Tat: Der Angriff hatte gegen 13.45 Uhr (1.45 Uhr MEZ) in der Al-Nur-Moschee begonnen, die in der Innenstadt liegt. Zur Zeit des Freitagsgebets drang ein bewaffneter Mann in die Moschee ein und schoss mit einer Schnellfeuerwaffe um sich.

In dem Gebäude hielten sich nach Augenzeugenberichten etwa 300 Menschen auf. Auf seinem Kopf trug der Mann eine Helmkamera, die seine Tat filmte. Die erschütternden Bilder waren dann auch längere Zeit im Internet zu sehen. Die Polizei fand in und vor dem Gotteshaus insgesamt 41 Leichen.

Einige Zeit später fielen dann auch in einer anderen, etwa sechs Kilometer entfernten Moschee Schüsse, ebenfalls in Christchurch. Dabei gab es nach Angaben der Polizei mindestens sieben Tote. Ein Verletzter starb später im Krankenhaus. Die Polizei wollte sich nicht näher dazu äußern, ob es sich um denselben Attentäter handeln könnte. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem „terroristischen Angriff“.

Die Festnahmen: Als mutmaßlicher Haupttäter wurde ein 28-jähriger Australier festgenommen. Er wurde von Beamtem in seinem Auto gestoppt und soll am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Australiens Premierminister Scott Morrison bestätigte, dass einer der Verdächtigen Australier sei. Er sprach von einem „rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen“. Zwei weitere Verdächtige, die ebenfalls im Besitz von Schusswaffen waren, wurden festgenommen. Eine vierte Person kam wieder auf freien Fuß. Nach Polizeiangaben wurden an Autos auch Sprengsätze entdeckt.

Das Video: Der Haupttäter zeigte den Angriff live auf Facebook aus der Ich-Perspektive in einem Video. Der Attentäter trägt einen Tarnanzug. Im Video ist auch zu sehen, dass mehrere Waffen und Magazine mit Namen und Schriftzügen versehen sind. Nach der Tat sagt der Angreifer, dass er bedauere, die Moschee nicht noch abgebrannt zu haben. Facebook teilte mit, das Video nach einem Hinweis der Polizei entfernt und die Profile des Attentäters sowohl auf Facebook als auch auf Instagram gesperrt zu haben. Die Ermittler forderten die Öffentlichkeit dazu auf, die Aufnahmen nicht im Internet zu verbreiten.

Das Lied: Im Video ist vor der Tat im Auto des Angreifers ein serbisch-nationalistisches Kampflied zu hören. Das bestätigte der bosnische Botschafter in Neuseeland, Mirza Hajric. Das Lied „Karadzic, führe deine Serben“ kursiert im Internet seit einigen Jahren im Zusammenhang mit einem anti-muslimischen Meme. Als Memes werden Bilder und Videos bezeichnet, die im Internet vielfach verbreitet werden.

Die Folgen: Neuseeland ist geschockt – die Polizei spricht von einem „nie dagewesenen Ereignis“. Alle Moscheen im Land wurden aufgerufen, ihre Türen zu schließen. Der Öffentlichkeit wurde geraten, sich bis auf Weiteres von Moscheen fernzuhalten. Eine zwischenzeitliche Ausgangssperre an den Schulen in Christchurch wurde aufgehoben.

Was wir nicht wissen

Die Hintergründe: Dazu äußerte sich die Polizei bislang nicht. „Wir sind in dieser Phase nicht in der Lage, Details dazu bekanntzugeben, was zu den Angriffen geführt hat“, teilte sie mit.

Das Manifest: Im Netz - auf Twitter und einem Online-Diskussionsforum mit vielen rechtsextremen Beiträgen - kursiert zudem ein 74-seitiges „Manifest“, in dem sich mutmaßlich der Täter zu seinen Beweggründen äußert. Er betont darin seine rechtsextreme und fremdenfeindliche Motivation und wollte eine „Atmosphäre der Angst“ schaffen – und kündigt damit die Tat an. Das Schreiben nimmt auch Bezug auf den norwegischen rechtsextremen Massenmörder Anders Behring Breivik.

Die neuseeländische Polizei hat sich dazu bisher nicht geäußert. Im Manifest heißt es auch, der Attentäter habe kurz Kontakt mit Breivik gehabt. Dazu erklärten sowohl das Gefängnis im norwegischen Skien als auch Breiviks Anwalt, es sei nahezu unmöglich, dass der Täter direkten Kontakt mit Breivik gehabt haben könnte.

Der Täter: Neuseeländische Medien berichten unter Berufung auf die australische Polizei mit Namensnennung, dass es sich bei dem Angreifer um einen weißen gebürtigen Australier handle. Die neuseeländischen Ermittler äußerten sich dazu bislang nicht. Der Täter soll wenige Monate vor der Tat mehrere Länder auf dem Balkan bereist haben, darunter Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Serbien. Auf seinen Waffen sollen Namen von Kämpfern gegen die Osmanen eingraviert sein – daher ermitteln bulgarische Ermittler, ob der Täter die Waffen eventuell durch Kontakte in Bulgarien erhalten haben könnte.

Die Opfer: Bislang liegen keine genauen Angaben zu den Opfern vor. Unter den Verletzten sind nach Worten des türkischen Außenministers Mevlüt Çavusoglu auch zwei türkische Staatsbürger. Auch zwei Indonesier – Vater und Sohn – sind nach Angaben des Außenministers des Landes verletzt worden.

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  • dpa
  • rtr
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