Wahl in den Niederlanden 2017

Spurensuche in Holland Das Zittern vor einem Beben

Heute wählen die Niederländer. Und wie schon vor dem Brexit-Votum und der Trump-Wahl werden die Menschen eingelullt: Der Rechtspopulist Wilders könne gar nicht an die Macht kommen, heißt es. Aber stimmt das auch?
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Geert Wilders vor der Wahl: Der niederländische Rechtspopulist gibt den Kämpfer gegen das Establishment. Quelle: dpa
Wahlen in den Niederlanden

Geert Wilders vor der Wahl: Der niederländische Rechtspopulist gibt den Kämpfer gegen das Establishment.

(Foto: dpa)

AmsterdamNein, einen Nexit wolle sie auf keinen Fall, keinen Austritt der Niederlande aus der EU. „Bitte nicht Geert Wilders wählen“, sagt die Frau mit dem dunkelroten langen Haar, die sich Marija nennt. „Sonst müssen wir Polinnen wohl nach einem EU-Austritt der Niederlande auch aus Holland raus wie wahrscheinlich auch aus Großbritannien bald nach dem Brexit.“ Im berühmten Rotlichtbezirk in Amsterdam, am Grachtenufer, ausgerechnet im Schatten der Oude Kerk, Amsterdams ältester Kirche, wartet die Polin hinter rot angestrahlten Schaufenstern auf Freier.

Marija ist mit ihrer Ablehnung gegen den EU-Hasser Wilders hier nicht allein. Auch Henk, der in einem der zahlreichen Coffee Shops in Amsterdams Altstadt dafür sorgt, dass die Gäste aus ihren Pfeifchen und Zigarettenblättern nicht nur Tabak inhalieren, lehnt den Mann mit den wasserstoffperoxid-gefärbten, an Mozart erinnernden Haaren ab: „Zum Thema Haschisch und der weiteren Freigabe hat Wilders zwar noch nichts wirklich gesagt, doch er lehnt dies alles hier ab, nennt uns schon einmal Grachtengesindel in Abgrenzung zum ‚guten‘ holländischen Volk“, erzählt der bis zum Hals tätowierte Barkeeper.

In den Niederlanden geht es um viel mehr als Hasch und Prostituierte, das beides seit Jahrzehnten für eine vermeintliche Liberalität und Offenheit des Polderstaats steht. An diesem Mittwoch steht mit der möglichen Wahl des Rechtspopulisten Wilders viel mehr auf dem Spiel: Europas Einheit, der Zusammenhalt der Kulturen, der Euro, Werte, für die die EU bisher stand und die schleichend erodieren.

Wilders Freiheitspartei PVV will die Niederlande aus EU und Euro führen, den Koran verbieten, alle Moscheen schließen und es „denen da oben“ heimzahlen. Dabei liefert er sich ein spektakuläres Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem amtierenden Premier Mark Rutte und seiner Regierungspartei VVD um den Rang der stärksten Fraktion im schlicht „Zweite Kammer“ heißenden Landesparlament in Den Haag.

Was wäre wenn Wilders gewinnt?
Rechtspopulist Wilders wird Ministerpräsident
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Das ist faktisch ausgeschlossen. Dennoch, sollte er gewinnen, würde er den Austritt der Niederlande aus der EU verfolgen. „Wir müssen wieder Herr im eigenen Land werden.“, sagte er. Alle Fragen sich, wie groß sein Einfluss in der künftigen Regierung wird.

Alleine regieren
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Wilders' PVV könnte nur dann alleine regieren, wenn sie 76 der 150 Mandate erringt. In den Umfragen liegt die PVV zur Zeit bei etwa 19-23.

Nur die Seniorenpartei
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Keine andere Partei will eine Koalition mit Wilders. Mit einer Ausnahme: die Seniorenpartei 50plus. Die aber kann höchstens auf 6 Sitze hoffen. Das reicht bei weitem nicht aus.

Premier Rutte macht's wieder
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Der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte hat trotz Verlusten beste Chancen, zum dritten Mal eine Regierung zu bilden. Doch dazu braucht er mindestens drei Partner.

Ruttes Warnung
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Rutte warnte vor einem Erfolg von Wilders Partei PVV. „Am Mittwoch haben die Niederlande die Chance, uns davor zu bewahren, am 16. März mit Ihnen als stärkster Partei aufzuwachen“, sagte er zu Wilders.

Abgehauen
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Rutte holte noch weiter gegen die PVV aus: „Das würde bedeuten, dass die größte Partei eine ist, die sich davonmacht, wenn es schwierig wird, eine, die Partei-Interessen über nationale Interessen stellt“, sagte der Regierungschef. Hintergrund ist, dass Wilders Partei 2012 Ruttes Minderheitsregierung seine Unterstützung entzog, weil er die Sparpolitik nicht mittragen wollte.

Nummer eins
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Ruttes VVD ist zur Zeit mit rund 16 Prozent oder 23-27 Sitzen die Nummer eins in den Umfragen. Mögliche Partner wären die christdemokratische CDA und die linksliberale D66.

Doch wer dort, in der Hauptstadt, die stärkste Fraktion wird, entscheidet in Wirklichkeit noch nichts. Denn Volksparteien sind in Holland längst tot, führende Parteien kommen auf kaum 20 Prozent und brauchen wohl mindestens drei Koalitionspartner, um regieren zu können. Nur mit Wilders - dem 53-jährigen früheren Abgeordneten von Ruttes VVD - will niemand zum Tandemlauf ins Kabinett.

Und Wilders selbst, der in Umfragen im Dezember noch klar führte, seine Zustimmungsraten aber inzwischen so sehr zerrinnen sieht, dass er am Dienstagabend erstmals noch schnell an einem TV- Duell fast aller Spitzenkandidaten teilnahm, könnte am Ende doch noch auf Rang eins landen. Auch wenn er im Fernsehen den Propheten Mohammed als Pädophilen und einige Türken als Abschaum bezeichnete.

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8 Kommentare zu "Spurensuche in Holland: Das Zittern vor einem Beben"

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  • Liebe Kommentatoren,
    wenn Sie folgende Bücher lesen (oder schon gelesen haben) wird man erkennen, wie sich die sogenannten etablierten Parteien über Jahrzehnte wie Kakerlaken festgesetzt haben.
    Also muss eine grundlegende Veränderung erfolgen!
    Wie?
    ICH WEIß ES NICHT!!!

    - Die Hebel der Macht
    von Hans Herbert von Arnim
    - Otto Depenheuer, Christoph Grabenwarter
    Der Staat in der Flüchtlingskrise

  • @Herr Hans Klahrin
    Zuerst sorgt jeder klar denkende Familienvater zuerst für seine eigene Familie! Erst dann und wirklich erst dann kümmert er sich vielleicht um Belange Fremder!!!
    Merkel handelt gegenteilig und verstößt permanent gegen unser Grundgesetz.
    Das ist ja nicht mehr zu topen!!!
    Übrigens, die Vergangenheit ist vorbei und unveränderlich. Komischerweise beziehen sich die Menschen immer auf diese und argumentieren mit ihren Möchtegerngutmenschensynapsenverbindungen!!!

  • Also mal im Ernst.
    Faktencheck:
    Wilders hat eine indonesisch/niederländische Mutter. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung Weltweit. Er hat eine ungarische Frau. Und er ist seit 26 Jahren in der Politik.
    Ergo - er gehört natürlich auch dem politischen Establisment an. Er ist einer von "denen da oben" Ist ja auch nicht schlimm, aber da muss man doch mal ehrlich sein.
    Und wenn er dann aus der EU und dem Euro rausgeht und alle Ausländer rauswirft.....nimmt dann seine Frau nochmal schnell die niederländische Staatsbürgerschaft an?
    Und...wäre er in dem Land, was er sich als Ziel setzt, selbst überhaupt auf der Welt? In Teilen indonesische Vorfahren...auwei.

    Viele Stimmen von Einwanderern aus (ehemaligen)afrikanischen Kolonien.
    Warum wähle ich eine Partei, deren größte Ziele entgegen meiner Interessen sind?
    Sieht man ja auch in den USA. Wie viele stramme Trump Wähler werden denn jetzt ihre Krankenversicherung verlieren? Ja...das haben sie so nicht gewollt oder kommen sehen.... Umverteilung von Arm nach Reich....war ja nie absehbar.
    Protest und Unzufriedenheit ja...natürlich soll und muss man die zum Ausrduck bringen. Aber doch dann mal vorher schauen, ob man nicht auf dem Ast sitz, an dem man gerade sägt.
    Und wer ist denn schon fehlerfrei, kein Politiker, keine Regierung und man selbst auch nicht.

  • @Herr Grutte Pier!
    So war es, ist es und wird immer so sein da die Schafherde (die Masse) nur mit System 1 (intuitiv) nicht aber mit System 2 (kognitiv) denkt, ist ja "anstrengender"

    Viel Grüße

  • "........werden die Menschen eingelullt"

    Das Problem für die etablierten Medien und die "Eliten" ist eben zwischenzeitlich, dass sich "die Menschen", oder wie die Kanzlerette sagen würde: "die Bürger draußen im Lande" oder Neudeutsch "die, die schon länger hier leben", nicht mehr länger einlullen lassen.

    Zu sehr gehen die "vermittelte Wahrheit" der "Qualitäts"-Medien und die täglich erlebte Wirklichkeit auseinander.

    Wenn man dieses Umstandes endlich bewusst ist, wird man sein Verhalten ändern und nicht weiter sein Kreuz bei den Blockparteien, die den ganzen Wahnsinn verzapft haben, machen.

    In diesem Sinne kann man Herrn Wilders für den heutigen Tag nur alles Gute wünschen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Es ist für linke Parteien wie z.B. der SPD in Deutschland (inclusive deren Kanzlerin Merkel) in ganz Europa blöd, wenn die Bürger plötzlich anderer Meinung sind. Schulz, der neue Kanzlerkandidat der SPD, schickt jetzt seinen immer hämisch grinsenden Designeranzug an die Front und will Facebook mit der Androhung von 50 000 000,- € dazu zwingen, den Bürgern die Meinungsäußerungen zu verweigern. Das Argument: In China macht Facebook das doch auch.

  • So oder so...Wilders wird gewinnen, weil seine PVV die stärkste Partei im Parlament sein wird.
    Die schwächen der anderen Parteien ist die stärke der Wilders Partei PVV. Auch wenn andere Parteien die Regierung stellen um Wilders zu verhindern, werden die anderen Parteien mit jeden Monat ihrer Regierung die PVV Partei von Wilders stärken...so oder so...Wilders hat jetzt schon gewonnen auch wenn er nicht regieren sollte.

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