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Nikolaus Meyer-Landrut Deutschlands Botschafter in Paris ist gerade besonders gefordert

Pipeline-Streit, Handelskonflikte und Verteidigung: Nikolaus Meyer-Landrut ist gerade nicht nur als Diplomat, sondern auch als Pädagoge gefordert.
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Der Diplomat schrieb seine Promotion zum Thema „Frankreich und die deutsche Einheit“. Quelle: ddp/INTERTOPICS/pa
Nikolaus Meyer-Landrut

Der Diplomat schrieb seine Promotion zum Thema „Frankreich und die deutsche Einheit“.

(Foto: ddp/INTERTOPICS/pa)

ParisAls er im Sommer 2015 nach Paris kam, da konnte Nikolaus Meyer-Landrut nicht ahnen, wie turbulent es in den kommenden Jahren für ihn an der Seine werden würde.

Als deutscher Botschafter in Frankreichs Hauptstadt erlebte er, wie die Terroranschläge in seinen ersten Monaten im Amt das ganze Land veränderten. Und wie die Flüchtlingskrise und auch die Wahl von Emmanuel Macron 2017 zum neuen Präsidenten ganz Europa beeinflussten.

Auch in diesen Tagen ist Meyer-Landruts diplomatisches Geschick gleich mehrfach gefordert. Bei der Frage einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik etwa, beim Handelsabkommen mit den USA – und beim Streit über die deutsch-russische Gaspipeline Nord Stream 2.

Lange Zeit hatte Frankreich in der Pipeline-Frage an der Seite Deutschlands gestanden, dann aber eine Kehrtwende vollzogen, um am Freitag schließlich doch noch einen für Berlin gütlichen Kompromiss zu finden.

Auch wenn die Blamage damit ausblieb, fest steht: Es gibt derzeit wieder Spannungen im deutsch-französischen Verhältnis. Darüber kann auch die Neuauflage des Élysée-Vertrags in Aachen vor wenigen Wochen nicht hinwegtäuschen. Das macht den Job für Meyer-Landrut zu einer Herausforderung.

Erfahrung bringt der Historiker aus einer Diplomatenfamilie reichlich mit. Meyer-Landrut begann nach seinem Studium seine Karriere beim Auswärtigen Dienst, arbeitete unter anderem in der Botschaft in Wien und bei der Ständigen Vertretung der EU in Brüssel.

Der 58-Jährige gehört seit Langem zu den engsten Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel und war vor seinem Wechsel nach Paris im Bundeskanzleramt zuständig für Europaangelegenheiten. Der ehemalige französische Präsident Valéry Giscard d‘Estaing lobte ihn einst als „kompetenten Diplomaten, präzise und offen“. Er und Meyer-Landrut hatten ab 2002 an einem Vertrag für eine europäische Verfassung zusammengearbeitet.

Meyer-Landrut gilt als Vordenker. Dabei gibt sich der gebürtige Düsseldorfer immer etwas zurückhaltend, macht um seine Person wenig Aufhebens. Wie es sich für einen Spitzendiplomaten gehört, bleibt Meyer-Landrut stets höflich und gelassen, auch wenn es schwierig wird.

Der Posten in Paris ist dem Deutschen eine Herzensangelegenheit. Meyer-Landrut, der seine Promotion zu dem Thema „Frankreich und die deutsche Einheit“ schrieb, ist mit einer Französin verheiratet, die er an der Eliteuni Sorbonne kennen gelernt hat. Gemeinsam haben sie vier Kinder.

Nicht nur Diplomat, sondern auch Pädagoge

Doch es ist nicht immer die große Politik, die ihn umtreibt. Er reist gerne durch Frankreich, um den Puls des Landes zu fühlen. Im südfranzösischen Albi war er beispielsweise Jurypräsident bei einem Redewettbewerb von Schülern zum Thema Europa.

Dabei erklärte er, was der Freundschaftsvertrag von Aachen bedeutet: „Wir verstärken unsere Kooperation in den Bereichen der Zukunft: Europapolitik und internationale Politik“, sagte er da. Aber es ginge eben auch um Innovation, Ausbildung und Arbeit.

Er selbst residiert in Paris in der goldverzierten Botschaftsresidenz „Palais Beauharnais“ aus dem 18. Jahrhundert in der Nähe der Nationalversammlung, und er besitzt einen Zweitwohnsitz in der mittelfranzösischen Region Berry.

Meyer-Landrut ist Pro-Europäer. Und er ist der Ansicht, dass es im Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich auch in Zukunft Erklärungsbedarf gibt. Europa komme nur dann voran, wenn beide Länder zusammenarbeiten. Er sieht sich daher nicht nur als Diplomat, sondern auch als Pädagoge.

Schon bevor er nach Paris kam, eilte ihm der Ruf voraus, in Europa-Angelegenheiten hart zu verhandeln, „vor allem gegenüber Paris“, schreibt die Zeitschrift „Challenges“. Und „Le Monde“ bezeichnete ihn als „frankophil“ und „unnachgiebig“ und lobte seinen „trockenen Humor“.

Und wer sich bei dem Nachnamen gewundert hat – der Top-Diplomat ist der Onkel von Sängerin Lena Meyer-Landrut, die 2010 den „Eurovision Song Contest“ gewann. Doch bei dem Thema gibt sich der sonst so wortgewandte Botschafter eher einsilbig.

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