Nils D. über IS-Folter „Habe die Schreie bis ins Nachbarhaus gehört“

An Stangen aufgehängte Gefangene, Stockhiebe, Schreie: Der geständige Islamist Nils D. hat am Freitag Einblick in die Folterkammer des IS gewährt. Der Angeklagte soll Spione und Deserteure gewaltsam festgenommen haben.
Update: 22.01.2016 - 15:05 Uhr
Der Angeklagte Nils D. mit einem Aktenordner vor dem Gesicht im Gerichtsaal. Quelle: dpa
Prozesss gegen mutmaßlichen IS-Terroristen

Der Angeklagte Nils D. mit einem Aktenordner vor dem Gesicht im Gerichtsaal.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer mutmaßliche IS-Terrorist Nils D. hat vor Gericht über die Folterpraktiken der Terrormiliz Islamischer Staat berichtet. In einem Raum eines IS-Gefängnisses seien 20 Gefangene stundenlang an ihren auf den Rücken gefesselten Armen aufgehängt gewesen, sagte der 25-jährige Syrien-Rückkehrer am Freitag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Der Gefängnischef habe sie mit einem Stock geschlagen.

Außerdem seien Gefangene aufrecht in enge Kästen gesperrt worden, die nur Luftschlitze hatten. „Wie ein Spind waren die“, sagte der Angeklagte. Die ständigen Schreie habe man bis ins Nachbarhaus gehört, wo er sich meist aufgehalten habe. Das Gefängnis sei völlig überfüllt gewesen.

Die Anziehungskraft des Terrors
Waffen in den Himmel
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Die Waffe in der Hand: Auf mehr als 20.000 Personen beziffert das US-Außenministerium die Zahl der Ausländer, die in Syrien und im Irak für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere Dschihadisten-Gruppen in den bewaffneten Kampf ziehen.

Jihadi-John
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Der international bekannteste unter ihnen ist wohl dieser Mann: Der als „Jihadi John“ bekannt gewordene Dschihadist soll mehrere westliche Geiseln enthauptet haben. Britische Medien wollen ihn nun als Mohammed Emwazi, einen gebürtigen Kuwaiter, der in London aufwuchs, identifiziert haben.

Mit dem Messer in der Hand
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„Jihadi John“ soll für die Ermordung der US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie dreier Entwicklungshelfer aus Großbritannien und den USA verantwortlich sein. Auch in dem Video, das die Enthauptung der japanischen IS-Geiseln Haruna Yukawa und Kenji Goto zeigt, war der vermummte IS-Kämpfer angeblich zu sehen. Die Videos sorgten weltweit für Entsetzen.

Amerikanischer Rebell in Libyen
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Der US-Bürger Matthew Van Dyke mit Kampfbrüdern im libyschen Sirte: Van Dyke steht auf der anderen Seite. Nach seinen kämpferischen Engagements in Libyen und Syrien befindet er sich nun im Norden des Iraks und trainiet christliche Milizen für den Kampf gegen die Terrormiliz IS. Dabei könnte er auch auf deutsche Konvertiten treffen...

Denis Cuspert im Irak
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Der deutsche Dschihadist Denis Cuspert auf einem Twittterbild des IS: Der deutsche Konvertit ist zum Inbegriff der deutschen Dschihadisten geworden, von denen sich im Irak und in Syrien 320 Kämpfer dem IS angeschlossen haben sollen. Cuspert nennt sich nun Abu Talha al-Almani und soll angeblich in die Führungsriege des IS aufgestiegen sein. Dabei führte er lange Zeit ein völlig anderes Leben...

Der frühere Cuspert
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Cuspert 2005 als Rapper „Deso Dogg“ in Berlin: Die USA haben den deutschen Islamisten auf ihre Terroristenliste gesetzt. Der 39-Jährige sei ein aktives Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und werde als „globaler Terrorist“ eingestuft, teilte das US-Außenministerium in Washington mit. Cuspert ist nicht der einzige Deutsche in den Reihen des IS...

Dinslakener Terrorist
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Philipp B., Kampfname: „Abu Usama al Almani“ (26), in einem Propagandavideo: Im August 2014 verübte er in Syrien einen Selbstmordanschlag, bei dem 21 Menschen starben. Er stammt aus Dinslaken-Lohberg. Allein aus dem kleinen Stadtteil am Niederrhein stammen rund 22 deutsche Dschihadisten.

Er habe die Leute festgenommen und zum Gefängnis gebracht. Dabei sei er vermummt gewesen. Frauen und Kinder hätten bei Festnahmen von „Verdächtigen“ geschrien und geweint, wenn er die Männer abgeführt habe. Die Frauen seien regelmäßig „umgekippt“. Er habe das als übertrieben empfunden und gelacht, sagte der Angeklagte. Die Kinder, die nach ihrem Papa riefen, hätten ihm dagegen leidgetan. Manchen sei den Verhafteten lediglich unislamisches Verhalten vorgeworfen worden.

Ein- bis zweimal im Monat seien Menschen auf dem Marktplatz hingerichtet worden. Er habe etwa zehn Hinrichtungen mitbekommen, sagte der Angeklagte. Einzelne Opfer seien mit einem Schwert von einem vermummten Henker, einem Tunesier, geköpft worden. „Die wurden aber nie komplett geköpft, der Kopf hing immer noch dran, und so haben sie sie ans Kreuz genagelt und an der Hauptstraße für einige Tage aufgestellt.“

Der Marktplatz sei immer voll gewesen, und die Zuschauer hätten „Allahu akbar“ (Gott ist groß) gejubelt - „ich auch“, fügte D. hinzu. Obwohl er bereits entschlossen gewesen sei, Syrien zu verlassen, habe er den Treueschwur auf den IS abgelegt. Andernfalls hätte er seinen Angaben zufolge selbst seine Enthauptung riskiert: „Wer dem Kalifen nicht die Treue schwört, ist der Feind.“

Der 25-Jährige muss sich seit Mittwoch vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft D. vor, in dem Bürgerkriegsland einer IS-Spezialeinheit angehört zu haben. Er soll Spione und Deserteure mit Waffengewalt festgenommen und Gefängnissen des IS zugeführt haben. In anderen Verfahren gegen Islamisten in Deutschland trat der geständige Angeklagte nach seiner Rückkehr als für die Ermittler wertvoller Zeuge auf.

Der Mann aus Dinslaken bei Duisburg ist als Kleinkrimineller mehrfach vorbestraft und saß sechs Monate wegen Einbruchs und Diebstahls im Gefängnis. Zuvor war er wegen Drogenhandels zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Nach seinem Hauptschulabschluss hatte er eine Berufsausbildung abgebrochen und sich 2011 dem Islam zugewandt. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft wegen Mitgliedschaft in der Terrororganisation.

  • dpa
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