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Nobelpreisträgerin Alexijewitsch „Freie Menschen gibt es in Weißrussland nicht“

Seit 21 Jahren lebt Weißrussland unter dem Regime von Alexander Lukaschenko. Am Sonntag will er sich im Amt bestätigen lassen. Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch blickt pessimistisch in die Zukunft ihrer Heimat.
10.10.2015 Update: 10.10.2015 - 16:26 Uhr
Die Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch rechnet mit einer Wiederwahl des autokratischen weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Quelle: dpa
Düstere Prognose

Die Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch rechnet mit einer Wiederwahl des autokratischen weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko.

(Foto: dpa)

Minsk/Berlin Vor der Präsidentenwahl in Weißrussland hat die neue Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko scharf kritisiert. Bei der Wahl am Sonntag werde Lukaschenko in jedem Fall wieder gewinnen, sagte die 67-Jährige am Samstag in der Bundespressekonferenz in Berlin. In Weißrussland komme es nach einem Spruch Stalins nicht darauf an, wer wähle, sondern wer die Stimmen auszähle. Auf lange Sicht rechne sie nicht mit einem Ende der Diktatur in ihrer Heimat.

Der 61-Jährige Lukaschenko strebt bei der Wahl eine fünfte Amtszeit an, er regiert die Ex-Sowjetrepublik seit 1994. Den anderen Bewerbern – einer Vertreterin der Opposition und zwei eher regimetreuen Kandidaten – werden keine Chancen eingeräumt. Wahlberechtigt sind etwa sieben Millionen Menschen in Weißrussland. Nach der letzten Wahl 2010 hatte Lukaschenko Proteste niederschlagen lassen und viele Gegner ins Gefängnis gesteckt, die EU verhängte Sanktionen. Dieses Mal ist die Lage im Land aber weniger gespannt.

„Für die Freiheit braucht es freie Menschen und die gibt es noch nicht“, sagte Alexijewitsch über ihre Heimat. Zudem habe sich die Opposition selbst durch internen Streit und Eitelkeiten geschwächt. „Das ist einer der Gründe, warum ich mich nicht der Opposition zugehörig fühle“, erklärte sie.

Skeptisch äußerte sich die Journalistin und Schriftstellerin zu einer möglichen Aufhebung der Sanktionen. Lukaschenko wende sich derzeit Europa zu, weil er kein Geld von Russland bekomme. „Das ist aber nur ein Spiel. Er wird sich wieder abwenden. Das hat er schon mindestens fünfmal so gemacht“, warnte sie. Die wirtschaftliche Lage sei tatsächlich sehr schwierig. „Dennoch wird er keine Privatisierung dulden, weil klar ist, dass er dann seine Macht teilen müsste.“

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    Sie sprach von einer „samtenen Diktatur“. Zwar habe der Präsident inzwischen viele Gefangene wieder freigelassen, das Volk werde jedoch ständig „betrogen und beraubt“ sowie ideologisch beeinflusst. „Stalin ist bei uns lebendiger als alle Lebenden.“

    Der Tag der Preisvergabe
    Wirtschaftsnobelpreis für Angus Deaton
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    Wer beim Wirtschaftsnobelpreis auf einen US-Bürger als Gewinner tippt, liegt selten falsch –  keine andere Nation hat so häufig den höchsten Preis für Wirtschaftswissenschaften abgeräumt. Auch der diesjährige Preisträger besitzt die US-Staatsbürgerschaft, geboren wurde Angus Deaton  allerdings im schottischen Edinburgh.

    (Foto: AFP)
    Individuellen Konsumentscheidungen verstehen
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    Deaton lehrt an der US-Eliteuniversität Princeton. Im Zentrum seiner Arbeit  stehen Fragen der Entwicklungs-, Wohlfahrts- und Gesundheitsökonomie. Deaton nutzt für seine Ergebnisse unter anderem die Befragung von Haushalten in Entwicklungsländern. Von der Nobelpreis-Jury ausgezeichnet wird er nun für seine Analyse von Konsum, Armut und Wohlfahrt.

    „Um eine Wirtschaftspolitik zu entwerfen, die das Wohlergehen fördert und Armut reduziert, müssen wir zuerst die individuellen Konsumentscheidungen verstehen“, lobte das Komitee die Arbeit des 69-Jährigen. „Mehr als jeder andere hat Angus Deaton dieses Verständnis verbessert.“

    (Foto: dpa)
    Friedensnobelpreis für tunesisches Dialogquartett
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    Das tunesische Quartett für einen nationalen Dialog wird mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der Gruppe werde der Preis für ihre Bemühungen für den „Aufbau einer pluralistischen Demokratie“ zuerkannt, so das Nobelpreiskomitee in Oslo. Dem Dialogquartett gehören der tunesische Gewerkschaftsverband, der tunesische Arbeitgeberverband, die Menschenrechtsliga des Landes und die Anwaltskammer an.

    Im Bild die Chefs der vier Organisationen: Wided Bouchamaoui, Präsidentin des Arbeitgeberverbandes; Houcine Abbassi, Generalsekretär des Gewerkschaftsverbandes; Abdessattar ben Moussa, Präsident der Menschenrechtsliga; Mohamed Fadhel Mahmoud, Präsident der nationalen Anwaltskammer (v. l.).

    (Foto: Reuters)
    Ausgangsland des Arabischen Frühlings
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    Tunesien war Ausgangsland des sogenannten Arabischen Frühlings, bei dem in Volksaufständen mehrere Machthaber arabischer Länder gestürzt wurden. Das tunesische Quartett für einen nationalen Dialog bemühte sich nach dem Sturz des langjährigen tunesischen Machthabers Zine El Abidine Ben Ali 2011, einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. „Sie begründete einen alternativen, friedlichen politischen Prozess in einer Zeit, in der das Land am Rande des Bürgerkriegs stand“, heißt es in der Begründung der Nobel-Jury.

    (Foto: AFP)
    Literaturnobelpreis für Swetlana Alexijewitsch
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    Swetlana Alexijewitsch (67) ist mit einem ganz eigenen literarischen Stil zum moralischen Gedächtnis des zerfallenen Sowjetimperiums geworden. Die weißrussische Schriftstellerin hat mit ihren Collagen das Leid, die Katastrophen und den harten Alltag der Menschen in ihrer Heimat aufgearbeitet. 2013 erhielt sie dafür den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Jetzt wurde sie mit den Literaturnobelpreis geehrt.

    (Foto: dpa)
    Romane in Stimmen
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    Alexijewitschs Werke sind „Romane in Stimmen“. Erstmals wandte die gelernte Journalistin ihre literarische Methode 1983 im Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ an. Mit Interviews dokumentierte sie das Schicksal sowjetischer Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg.

    Für „Zinkjungen“ (1989) sprach sie mit mehr als 500 Veteranen des sowjetischen Afghanistan-Feldzugs und Müttern gefallener Soldaten. Genauso porträtierte sie 1997 die Überlebenden der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Als ihr Großwerk gilt „Secondhand-Zeit“ von 2013 – eine Sammlung von Stimmen über die erschütternden Erfahrungen des kommunistischen Experiments in der Sowjetunion.

    (Foto: dpa)
    Swetlana Alexijewitsch bei der Friedenspreis-Verleihung 2013
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    Alexijewitsch wurde am 31. Mai 1948 im westukrainischen Stanislaw (heute Iwano-Frankowsk) geboren. Sie arbeitete nach einem Journalistik-Studium zunächst bei einer Lokalzeitung sowie als Lehrerin. Da sie unter dem autoritären Regime in Weißrussland öffentlich kein Gehör fand und ihre Werke nicht verlegt wurden, hielt sie sich viele Jahre im Ausland auf.

    2011 zog sie trotz ihrer oppositionellen Haltung zurück nach Minsk. „Ich will zu Hause leben, unter meinen Leuten, meinen Enkel aufwachsen sehen“, sagte sie. Außerdem sei Quelle ihres Schaffens immer das Gespräch mit den Menschen gewesen. „Und das kann ich am besten hier und in meiner Sprache“, sagt Alexijewitsch.

    (Foto: dpa)

    Sorgen bereitet Wahlbeobachtern, dass nach staatlichen Angaben bis Samstag schon etwa 30 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben hätten. Dieses Verfahren gilt als anfällig für Manipulationen. Auf Angestellte von Staatsbetrieben, Studenten oder Krankenhauspatienten werde Druck ausgeübt, schon vor dem Wahltag abzustimmen. Auch Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben bei ihren Berichten zu Weißrussland immer wieder Sicherheitslücken bei der vorzeitigen Stimmabgabe kritisiert.

    • dpa
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